Lockerung der Iran-Sanktionen – Schweizer Firmen zurückhaltend

Noch ist nicht sicher, ob die Sanktionen gegenüber dem Iran aufgehoben werden. Wäre das der Fall, würden auch Schweizer Unternehmen profitieren. Doch trotz möglicher Milliardendeals, geben sich Schweizer Firmen äusserst reserviert. Durchaus aus guten Gründen.

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Zurückhaltende Schweizer Firmen

2:06 min, aus Tagesschau vom 11.4.2015

Zehn Tage ist es her, seit das Atom-Rahmenabkommen mit dem Iran unterzeichnet ist. Noch bis Ende Juni feilschen die Parteien um die konkrete Umsetzung. Eine zentrale Frage ist, ob die Sanktionen gegenüber dem Golfstaat aufgehoben werden.

Wäre das der Fall, würde das auch Schweizer Unternehmen lukrative Geschäfte bescheren. Denn der Iran ist ein Land mit 80 Millionen Einwohnern, ein Land das nach Jahren der Sanktionen viel aufzuholen hat.

Philipp Welti war vier Jahre lang Schweizer Botschafter im Iran. Heute präsidiert er die Wirtschaftskammer Iran-Schweiz. Er hat immer noch Kontakte zur iranischen Regierung: «Die Iraner brauchen die Aufhebung der Sanktionen, weil sie auf ausländische Hightech-Industrie angewiesen sind, die ihnen hilft, zum Beispiel ihre Erdöl- und Erdgas-Technologie aufzuwerten und zu modernisieren.»

ABB-Angestellte arbeiten an einem Transformator.

Bildlegende: Auch die Dienste der ABB dürften im Iran gefragt sein. Im Bild: ABB-Angestellte arbeiten an einem Transformator. Keystone

Schweizer Waren wären gefragt

Für ihre Erdöl-Anlagen brauchen die Iraner auch Produkte aus der Schweiz. Doch die Schweizer Firmen äussern sich derzeit kaum zu ihren Chancen im Iran, obwohl sie schon heute trotz Sanktionen vieles liefern dürften. Auch der Verbandspräsident der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) rechnet sich grosse Chancen für Schweizer Betriebe aus. Doch konkret will auch er nicht werden.

«Jeder Handel, jede Geschäftsbeziehung mit dem Iran birgt ein Reputationsrisiko», erklärt Welti die Zurückhaltung der Schweizer Fimen. Die grossen Unternehmen seien verletzlich, weil sie stark im US-Markt involviert seien, so der ehemalige Botschafter. «Die haben Angst vor diesen Auswirkungen und verzichten lieber auf Geschäfte mit dem Iran, um nicht das US-Geschäft zu verlieren.»

USA bestrafen unzimperlich

Tatsächlich bestraften die USA jene Banken umzimperlich, die US-Sanktionen verletzten. Die Credit Suisse zahlte rund 500 Millionen Dollar. Die französische BNP Paribas musste gar 9 Milliarden hinblättern. Fallen die Sanktionen weg, könnten die Grossbanken wieder profitieren.

«Die iranischen Behörden wünschen sich die zwei Schweizerischen Grossbanken zurück, ausdrücklich», weiss Welti. Das habe mit der professionellen Reputation zu tun. Diese scheine in den Augen der Iraner den andern überlegen zu sein. «Die Banken werden sicher nicht die ersten sein, die zurückkehren in den Iran. Zuerst werden die Industriefirmen dort aktiv sein.»