Machtkampf bei VW: Piëch gegen den Rest

Bei VW tobt ein Kampf um die Macht: Verwaltungsratspräsident Ferdinand Piëch stellte letzte Woche den CEO Martin Winterkorn in den Medien bloss. Doch bislang steht Piëch allein gegen Winterkorn. Dieser hatte bisher als aussichtsreichster Nachfolger Piëchs an der Spitze von VW gegolten.

Piëch und Winterkorn lachen, im Hintegrund weitere Menschen.

Bildlegende: 2009 war zwischen Piëch und Winterkorn (rechts) noch alles in Butter. Keystone Archiv

VW-Patriarch Ferdinand Piëch stellt seine Macht bei Europas grösstem Autobauer im Alleingang auf die Probe: Am Freitag hatte er völlig überraschend den Daumen über seinem «Ziehsohn» und VW-Vorstandschef Martin Winterkorn gesenkt. Dafür reichte ein Satz im Magazin «Der Spiegel»: «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn», sagte Piëch dort.

Piëch allein gegen alle

Am Sonntag wurde dann klar, dass Piëch mit seiner Attacke weitgehend isoliert vor einer Grossallianz aus Gegnern steht, die Winterkorn den Rücken stärken. Nachdem der Betriebsrat und der VW-Ankeraktionär Niedersachsen noch am Freitag Winterkorn demonstrativ beisprangen, distanzierte sich am Sonntag auch VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche von Piëch.

Die Familien Piëch und Porsche halten die Mehrheit am VW-Konzern. Wolfgang Porsche ist der Sprecher des Porsche-Zweigs. Er und Piëch sind die Enkel des Porsche-Gründers und VW-Käfer-Ingenieurs Ferdinand Porsche, dessen Arbeit die historische Keimzelle des Volkswagen-Konzerns darstellt.

Das Vorgehen Piëchs ist auch deswegen überraschend, weil er sich bei ähnlichen strategisch wichtigen Vorstössen in der Vergangenheit stets im Vorfeld um Bündnispartner bemühte. In Wolfsburg war am Wochenende von einer «Katastrophe» die Rede.

VW verpasst Aufschwung in den USA

Wieso stellt sich Piëch plötzlich gegen Winterkorn? «Piëch stören zwei Dinge: Zum einen, dass die Rendite ausgerechnet beim Stammhaus VW am geringsten ist, und zum zweiten, dass VW am grossen Aufschwung in den USA nicht beteiligt ist», sagt SRF-Korrespondent Casper Selg in Berlin. Deshalb habe Piëch Winterkorn nun offenbar das Vertrauen entzogen.


«Auch Piëch weiss, was VW Winterkorn verdankt»

4:42 min, aus SRF 4 News aktuell vom 13.04.2015

Dass ein Machtkampf bevorstehe, habe sich kaum angekündigt, sagt Selg. Zwar lese man nun in den deutschen Medien, Piëch habe sich in letzter Zeit nicht mehr so oft mit Winterkorn sehen lassen, wie auch schon. Zudem habe Piëch früher schon so bekannte Manager wie Bernd Pischetsrieder oder Wendelin Wiedeking von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt. Doch: «Die Ankündigung Piëchs, so wie sie nun in diesem ‹Spiegel›-Interview erfolgte, hat letztlich alle überrascht», so der Korrespondent.

Wie geht der Machtkampf aus?

Neben den Verwaltungsräten der Familie Porsche hält also auch das Land Niedersachsen – es hat einen Stimmenanteil von 20 Prozent an VW – ganz klar zu Winterkorn, ebenso die Arbeitnehmer-Vertreter, stellt Selg fest. Trotzdem: Zwar stehe Piëch allein auf weiter Flur. Doch bislang habe dieser sich bei Differenzen mit seinen Porsche-Cousins am Schluss noch immer durchgesetzt. «Von da her ist die Sache noch sehr offen.»

Piëch – Ein Autonarr

Piëch – Ein Autonarr

Imago

Piëch ist Ingenieur und Autonarr. Er sagt immer wieder, in seinen Adern fliesse kein Blut, sondern Benzin. Und auch, er wolle jedes Gefährt fahren dürfen, welches einen Motor und Räder habe. Wohl deshalb gehören zu VW inzwischen auch Marken wie Bentley, Bugati, Ducati oder MAN. Sein erklärtes Ziel: Den grössten Autokonzern der Welt zu leiten.