Manche Rohstoffe könnten bald knapp werden

Der hohe Lebensstandard in der Schweiz hat Folgen: Im Durchschnitt verbraucht jeder Einwohner 31 Tonnen Rohstoffe – pro Jahr, sagt eine neue Studie. Die Untersuchung ist jedoch umstritten, denn der Wert liegt drei Mal höher als bisherige Berechnungen.

Riesiger Gruben-Trichter mit See am Grund, Transportwege verlaufen spiralförmig auf der Innenseite der Grube.

Bildlegende: Kupfer- und Goldmine in Australien. Keystone

Ein Auto besteht aus Stahl, Kupfer, Alu und vielen weiteren Rohstoffen. Doch das ist erst die halbe Wahrheit. Denn auch für die Herstellung des Autos sind Rohstoffe nötig – sogar mehr, als am Schluss im Gefährt drin stecken. Diese Tatsache haben bisherige Statistiken vernachlässigt.

Nun bringt eine australische Forschungsorganisation die ganze Wahrheit ans Licht: Mit dem so genannten Rohstoff-Fussabdruck erfasst sie das Total aller Rohstoffe, die wir verbrauchen. Das Resultat: Die Industrieländer beanspruchen drei Mal mehr Rohstoffe als bisher angenommen. Für Studienleiter Thomas Wiedmann ist das «schon eine grosse Diskrepanz» im Vergleich zu den bisherigen Untersuchungen.

Rohstoff-Flüsse von Anfang bis zum Schluss berechnen

Die neue Berechnungsmethode der Australier ist in Fachkreisen nicht unumstritten. Lukas Bretschger, Professor für Ressourcen-Ökonomie an der ETH, kritisiert, dass in der Studie verschiedene Materialien einfach zusammengezählt werden. Wenn man die Rohstoffe in Tonnen addiere, könne man mit dem Wert am Schluss nur wenig anfangen, sagt er.

Trotzdem muss Bretschger zugeben: «Im Prinzip ist die Stossrichtung richtig.» Wenn man Rohstoff-Flüsse anschaue, müsse man dies tatsächlich von der Wiege eines Produkts bis zum Ende seiner Lebensdauer tun. «Dass das grosse Zahlen sind, gibt tatsächlich Anlass zur Besorgnis», so der ETH-Professor weiter.

Gewisse Rohstoffe könnten knapp werden

Bei gewissen Rohstoffen – wie etwa den seltenen Metallen, die in unseren Handys vorkommen – könnte es bald einmal zu Engpässen kommen, sagt der australische Studienleiter Wiedmann. Zwar erwartet er keine Knappheit in unmittelbarer Zukunft. Doch: «In den nächsten 10 bis 20 Jahren könnten wir bei einigen Rohstoffen durchaus an die Grenze stossen.»

Wichtig seien deshalb Massnahmen, die den Rohstoffverbrauch senken. Er schlägt vor, das Recycling zu verbessern oder knappe Rohstoffe zu verteuern.

Problem global angehen

Abgaben und Steuern auf nationaler Ebene seien aber keine Lösung, betont ETH-Professor Bretschger. Dies sei ein globales Problem, das auch weltweit angegangen werden müsse: «Nur die Gemeinschaft aller Länder kann hier etwas bewirken», sagt er. Dazu müssten internationale Verhandlungen angestrebt werden. Doch: «Diese Verhandlungen sind sehr schwierig.»

Das zeigt sich am Beispiel der Klimapolitik. Hier wurde bislang erfolglos versucht, einen wirkungsvollen internationalen CO2-Handel aufzuziehen.

Bretschger ist überzeugt, dass der Markt mithelfe, das Problem zu lösen. Denn knappe Rohstoffe werden immer teurer. Das zwinge die Unternehmen automatisch dazu, auf andere Rohstoffe auszuweichen, von denen es genügend gibt.

Die Experten sind sich uneinig, wie man das Rohstoff-Problem lösen kann. Einig sind sie sich aber darin, dass sich der weltweite Rohstoff-Bedarf ohne wirksame Gegenmassnahmen bis 2050 gegenüber heute vervierfachen wird.