Zum Inhalt springen
Inhalt

Mann und Frau WEF-Report: Gleichstellung erst in 100 Jahren Realität

Erstmals seit 10 Jahren nehmen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern weltweit wieder zu. Das steht im neuesten Global Gender Gap Report des WEF. Auch in der Schweiz gibt es Rückschritte.

Legende: Audio Stillstand oder gar Rückschritt: In Wirtschaft und Politik geht es mit der Gleichstellung kaum vorwärts. abspielen. Laufzeit 03:27 Minuten.
03:27 min, aus SRF 4 News aktuell vom 02.11.2017.

Ganze 100 Jahre wird es dauern, bis die Gleichstellungskluft zwischen den Geschlechtern weltweit geschlossen ist. Das steht im diesjährigen Global Gender Gap Report, den das Weltwirtschafts-Forum WEF alljährlich herausgibt.

Letztes Jahr wäre es noch 83 Jahre gegangen, das Jahr zuvor noch weniger lang. Dies zeigt: die Unterschiede zwischen Mann und Frau werden nicht kleiner, sondern nehmen derzeit weltweit zu. Dies zum ersten Mal seit 2006, dem Jahr, als der Global Gender Gap Report zum ersten Mal erschien.

Zuoberst auf der Rangliste steht erneut Island. Darauf folgen Norwegen, Finnland, Ruanda und Schweden. Stark gedrückt haben den Durchschnitt dieses Jahr China und Indien – trotz Fortschritten. Den letzten Platz belegt Jemen.

Rückschritt in der Politik und bei den Löhnen

Till Leopold, einer der Autoren des Berichts, erklärt gegenüber SRF: «Wir stellen fest, dass die wirtschaftliche Dimension seit einigen Jahren stagniert, sich sogar wieder verschlechtert hat.» Namentlich sei dies bei der Anzahl der Frauen auf Führungsebene. So steht in der Studie, dass es ganze 217 Jahre (Vorjahr 170 Jahre) dauern wird, bis Frauen weltweit soviel verdienen wie Männer und die gleiche Vertretung in der Arbeitswelt hätten. Dabei würde sich die Lohngleichheit positiv auf das Bruttosozialprodukt der Länder auswirken.

In der Politik gibt es sogar Rückschläge, so Leopold. Die jüngsten Wahlen in den untersuchten Ländern hätte das Resultat beeinflusst. Das betreffe vor allem den Frauenanteil in den Länderparlamenten und auf Ministerialebene. Da gebe es neu wieder stärker Handlungsbedarf.

Für heutige Frauen kaum mehr erlebbar

Dass es aktuell noch 100 Jahre gehen soll, bis die Gleichstellung weltweit erreicht wird, findet Till Leopold inakzeptabel. «Das ist viel zu lang!» Denn es sei ausserhalb der Lebenszeit auch von jungen Frauen heutzutage oder solchen, die jetzt geboren würden.

«Auch, wenn das Thema in den Medien und der Gesellschaft präsenter ist als vor einigen Jahren, ist dieser Fortschritt noch nicht konsolidiert, und es werden weitere Bemühungen nötig sein für eine Besserung. Es gebe aber keine allgemeingültige Lösung oder Rezepte, wie Regierungen davon überzeugt werden könnten, mehr für die Gleichstellung der Frauen zu tun.

Die Schweiz: Von Platz 10 auf 21

Die Schweiz machte die letzten zehn Jahre deutlich weniger Fortschritte bei der Gleichstellung als andere westeuropäische Staaten, wie aus dem Bericht hervorgeht. Sie ist auf der weltweiten Gleichstellungs-Rangliste von Platz 10 auf Platz 21 zurückgefallen.

Die Ungleichbehandlung grassiert hierzulande vor allem in der Arbeitswelt und in der Politik. So gab es Rückschritte bei der Vertretung der Frauen auf Führungsebene in der Wirtschaft sowie beim Einkommen. Durchschnittlich verdienten die Frauen nur 83 Prozent dessen, was Männer im Schnitt verdienen.

Die Ränge, die die Schweiz die letzten Jahre gut gemacht hatte, weil sich die Zahl der Parlamentarierinnen und Frauen mit anderen politischen Ämtern erhöhte, gingen wieder verloren. Bei der Gleichstellung in der Politik wirkte sich in erster Linie die Untervertretung von Frauen auf Regierungsebene negativ aus.

Der Global Gender Gap Report

Die Studie wird seit 2006 jährlich vom World Economic Forum herausgegeben. Sie analysiert die Gleichstellung der Geschlechter in 144 Ländern. Die Berechnung basiert auf 14 Indikatoren zu den vier Bereichen Wirtschaft, Politik, Gesundheit und Bildung.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

36 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Martin Egger (Martin Egger)
    Ich hoffe, in 100 Jahren gibt es endlich Gleichstellung: - Frauen und Männer haben die gleiche Militärdienstpflicht - Frauen und Männer haben das gleiche Rentenalter Das sind Dinge, die man auf staatlicher Ebene leicht regeln könnte. Im Gegensatz zur Lohngleichheit. Warum tut sich da trotzdem nichts?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @Martin: Meinen Sie Gleichstellung oder Gleichberechtigung?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Egger: Kennen Sie den Unterschied zwischen Rechten und Pflichten? Was Sie aufzählen sind Pflichten. wenn Sie gleiche Pflichten einfordern, sollten Sie auch für gleiche Rechte einstehen. Sonst wird das nix in einer Demokratie. Warum soll sich eine Frau einsetzen für das gleiche Rentenalter, wenn sie dann weniger AHV bekommt weil sie ihr leben lang einen tieferen Lohn hatte als die Kollegen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      Rechte und Pflichten gehören zusammen lieber HP. So hat zum Beispiel die Bundesverfassung von 1848 das Wahlrecht an den aktiven Wehrdienst gekoppelt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sascha Stalder (Sascha Stalder)
    Als Arbeitgeber kann ich mir doch selber aussuchen wenn ich für welchen Job einstellen möchte. Das Lohngefüge ergibt sich auch aus Angebot und Nachfrage, auch Gender unabhängig. Es gibt halt immer noch Berufe bei denen lieber Frauen oder lieber Männer eingestellt werden verständlicherweise. Dünnes Eis ich weiss .... aber Praxis nahe.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    @misterfox : wie schon erwähnt, männer leiden genauso unter patriarchalen, den menschen zur ware reduzierendem konzept. es ist eine form von lebensvorstellung, die den krieg zum vater aller dinge macht und die natur als das prinzipiell andere fûrchtet...und da männer söhne von müttern sind, lieben es die 'grossen väter ´diese auf so manchem altar zu opfern oder ans kreuz zu schlagen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen