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Elanco streicht 94 Stellen in Basel
Aus Schweiz aktuell vom 18.11.2020.
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Massenentlassung in Basel Novartis-Nachfolgerin Elanco entlässt 94 Angestellte

Der US-Tiermedizin-Konzern Elanco halbiert in Basel die Belegschaft auf noch rund 100 Angestellte, wie er gegenüber «Schweiz aktuell» bestätigt.

Es war ein Paukenschlag, als Novartis 2014 ankündigte, mehrere Konzernbereiche abzuspalten. Darunter war neben dem Impfgeschäft auch die Sparte Animal Health, also die Tiergesundheit, die nicht mehr in die neue Fokus-Strategie des Basler Pharmariesen passte.

Elanco, damals noch eine Tochter des US-Pharmakonzerns Eli Lilly, zahlte 5,4 Milliarden Dollar für diese Sparte und übernahm so auf Anfang 2015 weltweit über 3000 Beschäftigte, darunter gut 350 an den Schweizer Standorten Basel und Saint-Aubin im Kanton Freiburg.

Abbaurunde wegen Doppelspurigkeiten

Von der Schweizer Belegschaft ist aber bald nicht mehr viel übrig. Denn der US-Konzern führt derzeit eine weitere Abbaurunde durch. «Elanco wird in Basel 94 Stellen abbauen», bestätigt eine Unternehmenssprecherin Recherchen von «Schweiz aktuell». Die Entlassungen erfolgen in drei Phasen ab jetzt bis im Juni 2021.

Firmengebäude von Elanco mit US-Flagge vorne dran
Legende: Der US-Konzern Elanco ist weltweit die Nr. 2 in der Tiermedizin Elanco hat den Konzernsitz in Greenfield im US-Bundesstaat Indiana und beschäftigt nach dem Kauf der Tiergesundheitssparte von Bayer aktuell weltweit rund 7000 Personen. Wegen der Übernahme sollen nun Doppelspurigkeiten verringert werden. Cision

Begründet wird der Abbau mit der Integration der Tiergesundheitssparte von Bayer. Elanco hat diese per August für 6,9 Milliarden Dollar gekauft und will nun Doppelspurigkeiten beseitigen. Weltweit würden rund 900 Stellen abgebaut, in Basel aber überdurchschnittlich viele, heisst es ohne nähere Erklärung.

Falsche Versprechen in der Vergangenheit

Betroffen in Basel seien Forschung & Entwicklung mit 50 Stellen, 27 im Bereich Produktionsmanagement sowie 17 in anderen Funktionen. Nach dem Abbau verbleiben noch rund 110 Angestellte in Basel. «Der Standort Basel wird auch in Zukunft eine Reihe kritischer Rollen halten, etwa in der Unterstützung der Produktion, Qualitätssicherung, Forschung & Entwicklung und im Verkauf», versichert Elanco.

Solche Aussagen sind aber mit Vorsicht zu geniessen, wie die Vergangenheit zeigt. Der Standort Saint-Aubin – eine Tierversuchsanstalt mit 80 Angestellten und 1000 Tieren, darunter Kühe, Hunde und Katzen – wurde Ende 2015 geschlossen, kein Jahr nach der Übernahme durch Elanco. Dabei hiess es nach dem Kauf, der Standort Saint-Aubin sei für zwei Jahre gesichert.

Und 2016, bei einem Besuch von CEO Jeffrey Simmons in Basel, liess das Unternehmen gegenüber der Basler Zeitung verlauten: «Wir wollen in Basel ausbauen.» Denn Basel sei als zweitgrösster Forschungsstandort sehr bedeutend für die Zukunft von Elanco. Kein Jahr später, im März 2017, kündigte Elanco den Abbau von 48 Stellen in Basel an – ohne dies gross zu kommunizieren.

Gewerkschaften nicht informiert

Die Gewerkschaft Angestellte Schweiz ärgerte sich damals sehr über die Massenentlassung, weil diese relativ kurz nach der Abspaltung von Novartis erfolgte. Und weil Elanco sie «still und leise» durchziehen wollte.

Auch zum aktuellen Abbau hat Elanco keine Medieninformation geplant. Einzig das kantonale Amt für Wirtschaft erhielt Ende September einen Brief zum beginnenden Konsultationsverfahren, so wie es das Gesetz vorschreibt. Nicht involviert bei dieser Konsultation waren aber die Gewerkschaften. Auf Anfrage von SRF wussten weder Unia, Syna noch Angestellte Schweiz von der neusten Massenentlassung.

Regionaljournal Basel, 18.11.20/12.00h

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Sorry, was sind schon eine Massenenlassung von 94 Personen?
    Abwarten wenn die Konzerninitiative greift, dann wird es zu Massenentlassungen kommen und Wegzug von wichtigen Arbeitgebern, dann
    darf mit gutem Grund von Katastrophen im
    Bereich Entlassungen gesprochen werden
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  • Kommentar von Mario Amacker  (AmMa)
    Ein weiteres Beispiel, wie Konzernleitungen Ihre Mitarbeiter und die Öffentlichkeit bewusst belügen. Ansonsten würden sie einen Stellenabbau konkreter begründen. Internationale Konzerne in der Schweiz machen Versprechungen, wenn es ihnen nützt (Steuererleichterungen), und brechen diese (Entlassungen), wenn sie kurzfristig irgendwo sonst mehr Profit machen können. Traurig, aber so funktioniert die liberale Marktwirtschaft...
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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Schlussendlich wird es in jeder Branche weltweit nur noch maximal drei ode vier Unternehmen geben und sonst nichts. (Oekonomisch ist es natürlich am sinnvollsten, wenn es pro Branche nur noch EIN weltweites Unternehmen gibt. Die Einsparungen durch Vermeidung von Doppelgleisigkeit sind dann maximal). Die V-Theoretiker reden von der Weltregierung. Ich weiss nicht, ob sie kapieren, dass diese Weltregierung sich aus den Vetrtetern der globalen Monsterkonzerne zusammensetzen wird.
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