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Mehr Geld für Start-ups? «Für die globale Expansion fehlt das Geld»

Die EU erhöht die Anschub-Finanzierung von Start-ups mit Hunderten Millionen Euro und hofft damit, auch privates Geld anzulocken. Insgesamt sollen so Fonds im Umfang von mehr als zwei Milliarden Euro geäufnet werden.

Schweizer Start-ups könnten angesichts der EU-Offensive ins Hintertreffen geraten. Damit das nicht geschieht, brauche es auch in der Schweiz einen neuen Effort, sagt der Präsident des Vereins Swiss Start-up Association.

Urs Häusler

Urs Häusler

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Der Präsident des Vereins Swiss Start-up Association, Link öffnet in einem neuen Fenster ist selber Web-Unternehmer und Spezialist für den Aufbau digitaler Firmen.

SRF News: Werden Schweizer Start-ups angesichts der Offensive der EU jetzt abgehängt?

Urs Häusler: Die USA, die EU und Deutschland sind der Schweiz voraus – immerhin gibt es in der Schweiz aber zahlreiche Initiativen, in denen die Kräfte gebündelt werden. Es ist wie in einem Fussballspiel, und wir liegen schon zurück. Für die zweite Halbzeit müssen wir jetzt alle Kräfte bündeln, um den Ausgleich noch zu schaffen und in der Verlängerung hoffentlich zu gewinnen. In der Schweiz wird zwar versucht, gemeinsam mit der Politik die Rahmenbedingungen für Jungunternehmer zu verbessern. Aber es braucht auch genügend Geldmittel.

Schweizer Jungunternehmer befinden sich von Anfang an im globalen Wettlauf mit Firmen aus dem Silicon Valley, Berlin oder London.

Wie muss die Schweiz konkret reagieren um den von Ihnen beschriebenen Rückstand aufzuholen?

Heute werden Unternehmen sehr rasch aufgebaut, die Geschwindigkeit ist unglaublich wichtig. Dazu braucht es Risikokapital. Schweizer Jungunternehmer befinden sich von Anfang an im globalen Wettlauf mit Firmen aus dem Silicon Valley, Berlin oder London. Deshalb ist es wichtig, dass auch in der Schweiz genügend Risikokapital vorhanden ist. Derzeit sind unsere bestehenden Fonds teilweise zu klein. Deshalb versucht man nun mit der Swiss Enterpreneurs Foundation, die unter Schirmherrschaft von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Amman steht, sowie mit dem Zukunftsfonds mehr privates Geld zu generieren.

Symbolbild: Glasfaser-Kabel mit Licht.
Legende: Gute Ideen sind vorhanden, doch für die globale Expansion fehlt oft das Geld. Imago

2017 haben Schweizer Jungunternehmer eine Milliarde Franken Risikokapital angezogen, der Zukunftsfonds Schweiz ist bald auch schon mit mehreren Hundert Millionen Franken dotiert. Reicht dieses Geld nicht?

Es ist tatsächlich ein sehr guter Start, es gibt sehr viele gute Initiativen in der Schweiz. Allerdings ist jetzt der Zeitpunkt der Umsetzung gekommen. Der Fonds muss sein Geld einsetzen können, die Rahmenbedingungen müssen stimmen.

Häufig springen ausländische Investoren ein mit der Folge, dass die Jungunternehmen aus der Schweiz abwandern.

Ein, zwei Millionen Franken kann ein Schweizer Jungunternehmer mit einer guten Idee durchaus auftreiben. Für eine internationale Expansion sind aber 20 Millionen Franken oder mehr nötig – was in der Schweiz schwierig zu finden ist. Es springen dann häufig ausländische Investoren ein. Folge: Die Jungunternehmen wandern aus der Schweiz ab. Es braucht also auch eine Förderung des Umfelds. Hierzulande setzen sich dafür meist Privatunternehmen ein, doch der Bund hält sich bei der Förderung des Zusammenspiels und der Rahmenbedingungen noch zu stark heraus – im Gegensatz zu den Regierungen anderer Länder.

Braucht es die Förderung von Start-ups überhaupt? Schaffen Jungunternehmen mit einer guten Idee den Durchbruch nicht sowieso?

Vielfach ist das tatsächlich so. Für die Schweiz stellt sich allerdings die Frage, ob sie die innovativen Unternehmen und die Arbeitsplätze im Land halten will, oder ob die Unternehmen abwandern. Denn für die globale Ausweitung einer Geschäftsidee fehlt in der Schweiz bisher meist das Geld. Firmen wie WhatsApp, Dropbox oder Airbnb konnten mit 50, 100 oder mehr Millionen international wachsen und sich durchsetzen. Ähnliche Ideen aus der Schweiz blieben dagegen auf der Strecke. Wenn es darum geht, global zu skalieren, dann fehlt in der Schweiz das Geld.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

2 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Startups der Traum eines ultralibertinären Finanzkapitals. Keine Verantwortung reines Investieren. Sich nicht mit echten Menschen, Reglemente, ja sogar Arbeitsrechtlichem herumschlagen müssen, Nein Investition und Profitieren pur. Wenn der Jungs &Mädels Diensleistung/Produkt gut ist, erfolgt die kapitalisitsche Phagozytose. Ein Rückschritt in die Zeit bevor Gewerkschaften und eine selbstbewusste Arbeiterschaft Arbeitsrecht, Verträge und Anstellungsbedingungen durchgesetzt haben.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    'Schweizer Jungunternehmer befinden sich von Anfang an im globalen Wettlauf mit Firmen aus dem Silicon Valley….‘ Wie gesagt diesen Wettlauf, da gibt es nur eins, die Spielregeln ändern. Denn so wie ihn der Finanzkapitlismus aufgestellt hat, gibt es nur einen Gewinner und das werden nie, diejenigen sein, die sich gegenseitig fertig machen. Der Gewinner ist in diesem Fall immer das Finanzkapital, respektive die Manndlis, die sich dahiter verbergen, wie der Riese in der unendlichen Geschichte .....
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