«Microsoft muss alte Zöpfe abschneiden»

Der neue Microsoft-Chef Satya Nadella greift durch: Bis zu 18‘000 Stellen sollen verschwinden. Mit dem harten Schnitt will der Konzern nun ernsthaft zur mobilen IT-Konkurrenz von Apple und Google aufschliessen. Experten hatten nach dem Nokia-Deal seit längerem einen Befreiungsschlag erwartet.

Logo von Microsoft vor einem Firmengebäude.

Bildlegende: Microsoft kündigt den grössten Stellenabbau seiner fast 40-jährigen Geschichte an. Keystone

Jeder siebte Beschäftigte bei Microsoft muss gehen. Ein massiver Einschnitt, der aber für viele Beobachter nicht überraschend kam. Denn nach der Übernahme des Handyherstellers Nokia musste etwas passieren. Dass es nun relativ zügig gehe, sei nach der ersten Konsolidierung von Nokia zu erwarten gewesen, stellt Jürgen Kuri vom deutschen Computer-Magazin C't fest.

Bei Nokia gab es schlicht zu viele Mitarbeiter, die im Vergleich zur Konkurrenz nur noch wenige Handys produzierten. Zwar heisst es überall, die Nokia-Smartphones mit der Microsoft-Software seien durchaus gut.

Trend verschlafen

Aber das reiche eben nicht, sagt Ulrich Kaiser, Technologie-Analyst bei der Credit Suisse: «Den Trend, was das mobile Internet samt Cloud-Computing bietet, hat man bei Microsoft einfach etwas verschlafen. Ich fürchte, auch leider etwas bewusst verschlafen.»

Eine direkter Vorwurf an die alte Microsoft-Spitze. Unternehmensgründer Bill Gates und auch der langjährige Konzernchef Steve Ballmer hätten sich auf dem Erfolg ausgeruht und die Konkurrenz zu lange unterschätzt, unterstreicht auch Kuri. Mitspieler wie Google und Apple hätten schon wiederholt im Bereich von Microsoft «gewildert». Jüngstes Beispiel sei die von Apple verkündete Kooperation mit IBM im Bereich der Unternehmenskunden.

Trotz viel Erfolg ein Imageproblem

Bisher ging das gut. Microsoft ist finanziell immer noch eine äusserst erfolgreiche Firma. Sie verdient Milliarden und hat eine Gewinnmarge von gegen 25 Prozent. Davon können andere Unternehmen nur träumen. Doch dies nur, solange noch das Windows-Betriebssystem und die Office-Software auf einem grossen Teil der Computer weltweit läuft.

Doch auch das reicht gemäss CS-Analyst Kaiser nicht mehr: «Das Unternehmen sieht sich jetzt gewungen, alte Zöpfe abzuschneiden und sich mehr für die neue IT zu öffnen.»

Kommt dazu, dass Microsoft bei jungen Konsumenten nicht punkten kann, die offen sind für neue technische Spielereien und neue Produkte. «Microsoft ist jetzt nicht die coole Firma, an die man zuerst denkt, wenn man ein Gadget kaufen will», umschreibt Kuri das Problem. Es sei im Prinzip ähnlich wie beim IBM-Konzern, der mittlerweile das Image einer relativ drögen Firma für Unternehmenssoftware habe.

Nadella richtiger Mann zur rechten Zeit

Und das möchte der neue Microsoft-Chef Nadella unbedingt vermeiden. Er hat dazu die Devise ausgegeben: «Mobile-first - Cloud-first»: Daten und Anwendungsprogramme sollen über das Internet von jedem Gerät aus erreichbar sein. All dies soll gemäss den Zielen von Nadella wenn immer möglich im Hintergrund auf Microsoft-Servern laufen und somit Geld einbringen.

CS-Analyst Kaiser traut Nadella diese Neuausrichtung zu: «Er kommt aus dem Bereich Cloud Computing und Online-Dienste und ist so gesehen im Moment ein geeigneter CEO für Microsoft.»

Intakte Chancen auch dank riesiger Kasse

Kuri spricht als weiteren nicht zu unterschätzenden Vorteil die Bargeldreserven von Microsoft von gegen 90 Milliarden Dollar an. Damit könne sich Nadella sehr viele Investitionen leisten und das dann auf dem Markt auch tatsächlich durchsetzen: «Microsoft hat eine gute Chance, auch auf den neuen Boom-Märkten ein ernsthafter Mitspieler zu werden.»