Microsoft streicht bis zu 18'000 Jobs

Die Neuausrichtung des Konzerns kostet gegen 18'000 Stellen. Microsoft beschäftigt 127'000 Angestellte. Es ist der grösste personelle Einschnitt in der Firmengeschichte.

Logo von Microsoft vor einem Firmengebäude.

Bildlegende: Microsoft kündigt den grössten Stellenabbau seiner fast 40-jährigen Geschichte an. Keystone

Satya Nadella setzt für die Zukunft Microsofts auf mobile Dienste und die Cloud. In anderen Bereichen baut der seit Jahresbeginn amtierende Konzernchef dagegen kräftig ab – vor allem bei Nokia. Die Neuaufstellung von Microsoft kostet bis zu 18'000 Mitarbeiter ihren Job. Es handelt sich um den grössten personellen Einschnitt in der Geschichte des Software-Konzerns.

Den Grossteil der Last tragen die Beschäftigten des zugekauften finnischen Handyherstellers Nokia – hier muss etwa jeder zweite Mitarbeiter gehen, vom Fabrikarbeiter über Entwickler bis zum Manager.

Zuletzt beschäftigte Microsoft insgesamt etwa 127'000 Menschen. In der Schweiz arbeiten 620 Personen, davon 400 in Wallisellen (ZH), einige in Zürich, Bern, Genf und Basel. Die Mitarbeiter arbeiten hier vor allem im Marketing und Vertrieb. Ob die Schweiz vom Abbau betroffen ist, wollte eine Sprecherin nicht sagen.

Keine Doppelungen mehr

«Die Entscheidungen zum Umbruch sind schwierig, aber nötig», schrieb Konzernchef Satya Nadella am Donnerstag in einer E-Mail an die Mitarbeiter. Eine Reduzierung von Managementebenen soll schnellere Entscheidungen ermöglichen. Verantwortungen sollen klarer verteilt werden. Vor allem aber sollen Doppelungen aus der Übernahme von Nokia wegfallen.

Der seit Jahresbeginn amtierende Nadella will Microsoft unabhängiger machen, die Firma weiter weg vom geschrumpften PC-Markt und vom PC-Betriebssystem Windows positionieren. Dazu hat Nadella die Devise «mobile-first, cloud-first» ausgegeben.

Daten und Anwendungen sollen über das Netz von jedem Gerät aus erreichbar sein – auch von solchen, die von Konkurrenten wie Apple stammen. Wichtig ist Nadella vielmehr, dass die Dienste im Hintergrund auf Microsoft-Servern laufen.

An diese neue Marschrichtung muss sich nun Nokia anpassen. Microsoft hatte den Handyhersteller noch unter Nadellas Vorgänger Steve Ballmer übernommen. Rund 25'000 Leute waren neu ins Unternehmen gekommen – 12'500 Stellen fallen nun im Zuge der Eingliederung weg. Die meisten Jobs sollen noch bis zum Jahresende wegfallen und der Rest bis Mitte nächsten Jahres.

Günstigere Smartphones

Der für Geräte zuständige Microsoft-Manager und ehemalige Nokia-Chef Stephen Elop erklärte, Entwicklungsteams würden zusammengelegt und die Produktion neu geordnet. Der Fokus solle künftig noch mehr auf günstigen Smartphones der Lumia-Reihe liegen. Es gehe darum, «die Stückzahlen bei Lumia hochzutreiben», schrieb Elop den Mitarbeitern in einer E-Mail.

Microsoft hat zwar Erfolge mit seinem Betriebssystem Windows Phone gefeiert, das Lumia-Smartphones antreibt. Dennoch ist der Abstand zu den marktbeherrschenden Android-Geräten und Apples iPhone weiterhin gewaltig.

Konzernchef Nadella versprach den Mitarbeitern, die gehen müssen, Abfindungen und Hilfe bei der Suche nach neuen Jobs. Die Gesamtkosten für den Stellenabbau bezifferte Microsoft auf 1,1 bis 1,6 Mrd. Dollar vor Steuern, verteilt über die nächsten vier Quartale. Microsoft gibt nächsten Dienstag die Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal bekannt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Microsoft schluckt Handy-Pionier Nokia

    Aus Tagesschau vom 3.9.2013

    Der Pionier und unbestrittene Marktführer auf dem Handy-Markt von damals wird von einem heutigen Riesen geschluckt. 5,4 Milliarden Euro lässt Microsoft sich den Kauf von Nokia kosten. Zwei Giganten, welche Mühe haben mit der rapiden Veränderung in der Telekommunikation, hoffen nun, gemeinsam das Beste vereinen zu können.

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    Aus Tagesschau vom 23.8.2013

    Der amerikanische Software-Riese Microsoft muss einen neuen Chef suchen. Sobald ein Nachfolger für CEO Steve Ballmer gefunden ist, will dieser seinen Posten räumen. Balmer hinterlässt einen Konzern mit vielen Problemen.