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Medikamente im Ladenregal Migros macht Druck – Apotheker sehen rot

Migros präsentiert ihre Wunschliste für den Medikamentenverkauf - Apotheker warnen vor den Folgen.

Legende: Video Darf die Migros in Zukunft Medikamente verkaufen? abspielen. Laufzeit 4:00 Minuten.
Aus 10vor10 vom 07.07.2017.

Es ist der lukrative Teil im Medikamentenmarkt: Der Verkauf von rezeptfreien Arzneimitteln. Die Pharmafirmen dürfen Werbung machen, der Staat macht im Gegensatz zu den Krankenkassen-Mitteln keine Preisvorschriften. Recherchen von 10vor10 zeigen jetzt aber: Hinter den Kulissen wird zurzeit heftig über die Neuverteilung dieses Marktsegments gestritten.

Im Gegensatz zum Ausland dürfen fast nur Apotheken und Drogerien Medikamente verkaufen. Das soll sich jetzt ändern. Das revidierte Heilmittelgesetz sieht eine Stärkung der Selbstmedikation vor. «Es ist höchste Zeit. In unseren Nachbarländern wurde der Verkauf von Medikamenten liberalisiert», sagt Martin Schläpfer, Leiter Wirtschaftspolitik der Migros.

Es ist höchste Zeit. In unseren Nachbarländern wurde der Verkauf von Medikamenten liberalisiert
Autor: Martin SchläpferLeiter Wirtschaftspolitik der Migros

Was darf künftig in den Ladenregalen von Migros und anderen Detailhändlern stehen? Diese Woche hat Migros ihre Wunschliste Swissmedic vorgelegt. Man wolle keine amerikanischen Verhältnisse betont Schläpfer. Das heisst: Schmerzmittel oder Fiebersenker gehören in den Fachhandel. «Wir wollen aber alle die problemlosen Arzneimitteln führen dürfen, wo es keine Fachberatung braucht». Die Wunschliste enthält Hustenmittel, Augentropfen, Abführmittel oder auch Wundsalben.

Widerstand von Drogerien und Apotheken

Kein Problem dürfte man meinen. Doch Drogerien und Apotheken wehren sich vehement. «Medikamente gehören immer in den Fachhandel und nicht beim Grossverteiler», sagt Fabian Vaucher, Präsident des Schweizerischen Apothekerverbandes in der Sendung 10vor10. Selbst bei harmlosen Arzneimitteln gelte: Die Beschwerden müssten von einer Fachperson hinterfragt werden können.

Die Apotheker wollen eigentlich gar keine Medikamente aus ihrer Liste in den Detailhandel abgeben. Im Gegenteil: «Wir finden es müssten noch genauer die Grenze gezogen werden zwischen Medikament und Lebensmittel.»

Doch es geht bei dieser Frage nicht nur um das Patientenwohl, sondern auch um wirtschaftliche Interessen. Sobald nämlich auch Detailhändler bestimmte Arzneimittel führen, gibt das ein Druck auf die Preise. «Wir sind enorm unter Druck durch den Einkaufstourismus», sagt Migros-Mann Martin Schläpfer. Genau solche Produkte wie Kosmetik und Arzneimittel seien beliebt bei Einkäufen im Ausland.

Die Vernehmlassung zum Heilmittelgesetz läuft bis in den Oktober. Parallel dazu überprüft die Heilmittelbehörde Swissmedic die Einteilung der Medikamentenkategorien. Was soll künftig auch im Laden verkauft werden dürfen? Swissmedic will diese Frage mit dem Einbezug aller beteiligten klären. Die Diskussion dürfte heftig werden.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Wenn irgend jemand glaubt, Migros, Coop, usw. machen das für die Kunden, glauben heisst nichts wissen. Alles nur um noch reicher zu werden. Wenn ich in die Farmacie in Malleray gehe, fragt mich Hr.Salzmann was ich noch für Med. nehme. Dann schaut er nach ob sich die Med. mit einander vertragen, über Nebenwirkungen etc. Ich werde sicher nicht in einem Supermarkt meine Med. kaufen.
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  • Kommentar von Léon Hesse (Léon Hesse)
    Schon lange ist das eine debate bei uns in den Fachkreisen. Bayer hat macht zum Beispiel schon lange Druck mit dem Aspirin 8er Packungen. Es ist einfach unverantwortlich Medikamente ohne gute Beratung zu verkaufen. Klar gehören die Medis der Abgabekategorie D und teilweise C zur Selbstmedikation, das bedeuted aber nicht das diese ungefährlich sind! Konsumenten haben teilweise keine Ahnung wie genau Sie das Medikament einnehmen sollten und vorallem für was/dagegen sie eigentlich gedacht sind.
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  • Kommentar von Mike Steiner (M. Steiner)
    Man vergleiche einmal gängige frei verkäufliche hausmittel wie schmerztabletten, vitamine usw. In vergleichbarer konzentration hier und in deutschland. Fände man faktoren wie 1,3-2, wäre alles mit lohn-, produktions- und lagerkosten erklärbar. Ist es aber nicht: man findet an jeder ecke faktoren 3-20!!!!!! Wir werden hier offenbar über den tisch gezogen und zwischenhandel und produzenten machen einen mordsreibach.
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