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Wirtschaft Milchbranche sucht Auswege aus der Krise

Der tiefe Milchpreis treibt den Schweizer Bauern immer mehr Sorgenfalten ins Gesicht. Ein Gipfel verschiedener Verbände forderte deshalb rasch Massnahmen. Aus Sicht der Bauern sollten sie zügig umsetzbar sein.

Legende: Video Geld aus der Bundeskasse für Milchproduktion abspielen. Laufzeit 02:22 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.05.2016.

Die Schweizer Milchproduzenten schlagen Alarm. Am Freitag trafen sie sich zu einem Krisengipfel in Bern. Die Milchpreise seien so tief, dass viele Bauern nicht mehr kostendeckend produzieren könnten, hiess es dort.

Der Preis von Molkereimilch, aus der etwa Konsummilch und Joghurt hergestellt wird, sei auf einem Rekordtief – die Lage für viele Bauern dramatisch, warnte Bauernverbandsdirektor Jacques Bourgeois vor den Medien.

Allein in den vergangenen vier Jahren sei die Anzahl der Milchproduzenten um 13 Prozent zurückgegangen, was rund 3000 Betrieben entspreche. Und auch für die nahe Zukunft sieht Bourgeois schwarz: Die Einkommenssituation der Milchbauern werde sich auch dieses Jahr dramatisch verschärfen.

Kurzfristige Massnahmen und mehr Marketing

«Alle sind sich einig, so kann es nicht weitergehen», sagte Bauernpräsident Markus Ritter nach dem Treffen. Gemeinsam mit den Schweizer Milchproduzenten (SMP) und der Branchenorganisation Milch (BOM) stellt der Bauernverband deshalb mehrere Forderungen.

Als Sofortmassnahme sollen unter anderem die Tierwohlbeiträge, die für regelmässigen Auslauf im Freien bezahlt werden, erhöht werden. Damit könne die Einkommenssituation der Produzenten direkt verbessert werden, sagte Ritter.

Absatz soll gefördert werden

Als kurzfristige Massnahme fordern die drei Organisationen zudem eine zusätzliche Marketingoffensive im Inland. Beim zuständigen Bundesamt stossen sie damit auf offene Ohren. So signalisiert etwa der Vize-Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, Dominique Kohli, Unterstützung für die Absatzförderung. Punkto Direktzahlungen ist er allerdings zurückhaltend: «Wir sind am Vertiefen», so sein Kommentar dazu. Also kein klares Zeichen für notfallmässig mehr Geld vom Bund für die Milchbauern.

Einer, der sich für eine vorübergehende Stützung der Milchbauern stark macht, ist dagegen der Ökonom Martin Binswanger: «Sonst wird es zu einer weiteren Schrumpfung kommen – und tendeziell zu einer Landwirtschaft, die wir eigentlich nicht wollen», sagt er. Ohne Stützung sei eine hochindustrielle Landwirtschaft die einzige, die mit den tiefen Preisen überhaupt noch rentabel arbeiten könne. Es stellt sich also die Frage, welche Landwirtschaft sich die Schweiz leisten will und welchen Preis die Konsumenten bereit sind zu bezahlen.

Nachfolgelösung für Schoggigesetz

Neben den Sofortmassnahmen fordern die drei Milch-Organisationen eine grundsätzliche Überprüfung der Milchpolitik. Die heutigen Rahmenbedingungen seien nicht mehr ausreichend, schreiben sie in einer Medienmitteilung.

Unter anderem brauche es mittelfristig eine «milchspezifische» Nachfolgelösung für das sogenannte Schoggigesetz, mit welchem gewisse Schweizer Exporte subventioniert werden. Auf Druck der Welthandelsorganisation WTO müssen diese Beiträge bald abgeschafft werden.

Viele Gründe für den Preisverfall

Der tiefe Milchpreis beschäftigt die Bauern schon länger. Im vergangenen Jahr ist er im Durchschnitt um 10,6 Prozent auf knapp 60 Rappen pro Kilogramm gesunken. Besonders stark war der Rückgang bei der Molkereimilch und der verkästen Milch.

Ein Bericht des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) vom Februar nennt mehrere Gründe für diese Entwicklung: So sei die Produktion im In- und Ausland gestiegen, gleichzeitig seien die Preise auf den Weltmärkten gesunken, namentlich für Milchpulver und Butter. Zudem mache die Frankenstärke den Schweizer Milchproduzenten zu schaffen.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von beat zehnder (beat zehnder)
    eigentlich ja einfach zu lösen,weniger milch produzieren..solang die bauern für jede kuh geld vom staat bekommen wird sich da wenig ändern.mir ist ja schleierhaft,wiso alle die immer die freie marktwirtschaft hoch halten,bei der landwirtschaft eine grosse aussnahme machen.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich glaube, Emmi spürt den Gegenwind. Neuerdings werden ihre Milchprodukte so angeschrieben, dass man auf den ersten Blick glaubt, es handle sich um BIO-Ware. Wenn man dann aber ganz genau hinschaut +das winzig geschriebene liest, sieht man erst, dass es sich um Emmi-Ware handelt. Noch mehr Gegenwind gegen solche Machenschaften +die "Trickserei" hilft nicht mehr! Weiter so, bis Emmi im Ausland verschwindet oder unsere gute Milch entsprechend "gut" verarbeitet + auch entsprechend dafür bezahlt.
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  • Kommentar von Jürg Wyss (Jürgu)
    Tragt Sorge zu unsern Bauern!!! So sauber und gepflegt wie die Schweiz es ist findet man nicht vielerorts! Von einer Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft umfunktioniert zu werden ist nicht einfach. Die Gesetze welche in der Landwirtschaft gelten sind immer noch aus der Planwirtschaft! Ihr könnt alle mithelfen, innovative jung Landwirte zu puschen in dem ihr auf den Markt geht oder die Produkte direkt beim Bauer kauft!
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