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Wirtschaft Milliarden fliessen ins Ausland ab

Migros & Co. verlieren jedes Jahr rund fünf Milliarden Franken an Umsatz, weil Schweizer im Ausland einkaufen. Grund für den Einkaufstourismus sind vor allem tiefere Preise im Ausland.

Konstanz: Ein Mann fotografiert von hinten mit einer vollen Einkaufstasche eines deutschen Deailhändlers.
Legende: Einkaufen ennet der Grenze ist ungebrochen beliebt. Keystone

«Die Preise sind einer der Hauptgründe für den Anstieg des Einkaufstourismus'», sagt Nicole Brändle. Sie ist Autorin der Credit-Suisse-Studie «Retail Outlook 2014». Bis 2013 hatte der im Ausland für Einkäufe ausgegebene Betrag auf rund fünf Milliarden Franken zugenommen. Seither stagniert er. Dies habe mit dem starken Frankenkurs der letzten Jahre zu tun, der sich nun aber ebenfalls stabilisert habe, so Brändle weiter.

Regionalität forcieren

Sie geht deshalb davon aus, dass sich die Situation für die Schweizer Detailhändler in nächster Zeit nicht weiter verschlimmern wird. «Aber sie wird sich auch nicht markant verbessern», warnt sie sogleich vor übertriebener Hoffnung. Denn die Konsumenten hätten sich daran gewöhnt, dass die Produkte im Ausland günstiger sind, die Auswahl grösser ist und die Läden länger geöffnet haben. «Darauf möchten sie nicht mehr verzichten.»

Für Brändle sind die Detailhändler in der Schweiz jedoch auf gutem Weg: Sie forcieren die Regionalität und Qualität ihrer Produkte, was ein guter Ansatzpunkt zur Steigerung der Attraktivität sei. Nicht ändern können die Schweizer Detailhändler dagegen die Rahmenbedingungen wie Ladenöffnungszeiten und Gesamtarbeitsverträge. Immerhin hätten sie einen grossen Teil der Preisvorteile, die der starke Franken bringt, an die Kunden weitergegeben, bilanziert Brändle.

Für Schweizer vorteilhafter Wechselkurs

Freude an den Schweizer Einkaufstouristen haben dagegen die Detailhändler in Süddeutschland. «Etwa ein Drittel des Umsatzes am Hochrhein geht auf Schweizer Nachfrage zurück», sagt Professor Claudius Marx von der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee.

Für ihn sind eine ganze Reihe von Faktoren für den Boom der letzten Jahre verantwortlich. Marx erwähnt die unterschiedlichen Lohn- und Preisniveaus oder den für die Schweizer vorteilhaften Franken-Euro-Wechselkurs.

Er geht davon aus, dass sich die Zunahme des Umsatzes durch Schweizer zwar verlangsamt, ist aber überzeugt: «da ist noch Luft drin». Denn die fünf Milliarden Franken, die derzeit von Schweizern im Ausland ausgegeben werden, würden nur ein paar wenige Prozente des gesamten Detailhandelsumsatzes in der Schweiz ausmachen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von P. Bürger, Schaffhausen
    Die CH ist eine Hochpreisinsel,welche durch die Kartelle geschützt wird.Wer glaubt, mit seinem Einkauf in der CH etwas Gutes zu tun irrt. Nur die Generalimporteure werden damit unterstützt & verdienen sich eine goldene Nase. Erst wenn auch die kleinen Händler sich gegen diese Kartelle (welche übrigens von der Politik in Bern wiederum gestützt wurden) auflehnen, werden auch die Kartelle fallen. Wer in D einkauft ist kein schlechter CH.ImGegenteil, er akzeptiert die Preisabsprachen nicht mehr:
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  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Ich kaufe ausschliesslich in der Schweiz ein. Es ist mir ein Anliegen, die Geschäfte vor Ort zu berücksichtigen, die bezahlen ihre Steuern hier und beschäftigen Leute aus der Umgebung. Viele Landwirtschaftliche Produkte beziehe ich direkt beim Bauern. Auch spare ich mir weite Fahrten ins Ausland. Die Schnäppchenjagd und die Rappenspalterei ist mit zuwider.
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  • Kommentar von B. Küng, Biel
    Es ist anzunehmen, dass der überwiegende Teil dieser Einkaufstouristen die EU verteufeln, aber sehr gerne von den günstigen Preisen in den EU-Ländern profitieren. Die Schweiz hingegen wird verherrlicht, aber andererseits schaden sie mit ihrem Verhalten dem einheimischen Gewerbe. Wie verlogen und scheinheilig ist denn das?
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