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Wirtschaft Milliardenabschreiber von Axpo trifft auch die Kantone

Wertberichtigungen und Rückstellungen für unrentable Kraftwerke kosten die Axpo 1,3 Milliarden Franken. Der Stromkonzern, der im Besitz der öffentlichen Hand ist, erleidet darum im Geschäftsjahr 2014/15 einen Verlust von 990 Millionen Franken. Das trifft auch die neun Kantone, denen die Axpo gehört.

Legende: Video Axpo mit 990 Millionen Franken Verlust abspielen. Laufzeit 2:20 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.12.2015.

Der tiefe Strompreis und der hohe Frankenkurs machen dem Stromkonzern Axpo zu schaffen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr musste die Axpo deshalb Wertberichtigungen und Rückstellungen von 1,3 Milliarden Franken vornehmen, was einen Verlust von fast einer Milliarde zur Folge hatte.

Auch das derzeit stillgelegte AKW Beznau drückt auf die Rechnung: Produktionsausfälle und Nachrüstung dürften rund 200 Millionen Franken kosten, so die Axpo. Immerhin, der Block Beznau 2 soll an Heiligabend wieder in Betrieb gehen.

Hohe Investitionen in neue Kraftwerke

Anderseits investierte das Unternehmen erneut 700 Millionen Franken in neue Anlagen, namentlich in das Pumpspeicher-Kraftwerk Linth-Limmern (GL), und kaufte neue Windstrom-Kapazitäten in Deutschland hinzu. «Axpo produziert mittlerweile von allen Schweizer Unternehmen am meisten erneuerbare Energie», heisst es denn auch im Communiqué des Unternehmens.

Hohe Investitionen, die sich aber beim derzeit tiefen Strompreis-Niveau nicht rechnen. Unter dem Strich resultiert deshalb im Geschäftsjahr 2014/15 ein Verlust von 990 Millionen Franken.

Und das trifft auch die öffentliche Hand, der die Axpo gehört: «Eine Dividende als Zustupf gibt es für die neun Kantone dieses Jahr wohl nicht», erwartet SRF-Wirtschaftsredaktor Thomas Oberer. «Es gibt also weniger Einnahmen, und das werden letztlich die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen in den betreffenden Kantonen zu spüren bekommen.»

Es gibt weniger Einnahmen, und das werden die Steuerzahler in den betreffenden Kantonen zu spüren bekommen.
Autor: Thomas ObererSRF-Wirtschaftsredaktor

In guten Jahren gab es 80 Millionen Franken

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2014 konnte die Axpo erstmals keine Dividende mehr ausschütten. 2013 und 2012 gab es noch jeweils 74 Millionen für die beteiligten Kantone, zuvor waren es gar über 80 Millionen gewesen.

Davon erhielt der Kanton Zürich als grösster Aktionär rund 14 Millionen, und nochmals gleich viel ging an das kantonale Elektrizitätswerk. Und dem Kanton Aargau flossen in besseren Jahren jeweils rund 10 Millionen an Dividenden zu.

Doch nun hat der Kanton Aargau keine Dividendenerträge der Axpo für das Jahr 2016 budgetiert. «Der Kanton hat seine Beteiligungen zum Nominalwert des Aktienkapitals verbucht. Somit hat der Verlust neben den Dividenden keine direkten Auswirkungen auf die Kantonsrechnung», sagt Claudia Penta, die Sprecherin der Aargauer Finanzdirektion. Doch sie ergänzt: «Der Verlust von 990 Millionen Franken reduziert das Eigenkapital der Axpo massiv. Dieser Substanzverlust reduziert den inneren Wert der Axpo.»

Immerhin: Auch nach dem jüngsten Milliarden-Abschreiber verfügt die Axpo immer noch über ein gutes Eigenkapital-Polster von über sechs Milliarden Franken. Doch auf Dauer wird das Unternehmen nicht von der Substanz leben können.

Bundesrätin Doris Leuthard referiert an der 100-Jahr-Feier des Unternehmens im August 2014. Am Rednerpult sind die Wappen der neum Kantone zus ehen, denen die Axpo gehört.n
Legende: Die Axpo gehört neun Kantonen aus der Nordostschweiz. Bundesrätin Doris Leuthard an der 100-Jahr-Feier im August 2014. Archivbild: Keystone/Gian Ehrenzeller

Kantone müssen ohne Dividenden-Einnahmen budgetieren

Ähnlich klingt es auch bei den Finanzdirektoren der anderen Kantone: Man habe sich auf diese Situation eingestellt. «Das kommt für uns nicht überraschend, wir haben deshalb im Budget keine Dividenden-Einnahmen von unserer Axpo-Beteiligung vorgesehen», sagt etwa der Finanzdirektor von Appenzell Ausserrhoden, Köbi Frei. «Und wir müssen leider davon ausgehen, dass die Axpo auch künftig das Geld im Unternehmen behalten muss, um diese Krise zu bewältigen, und dass es deshalb auch in den nächsten Jahren keine Ausschüttungen gibt.»

Auch in Glarus hat man nicht damit gerechnet, dass die Axpo-Beteiligung heuer eine Dividende einbringt. «Die nächsten vier, fünf Jahre wird die Axpo weiterhin von der Substanz leben müssen», befürchtet der Glarner Regierungsrat Rolf Widmer. Anderseits profitiert sein Kanton davon, dass der Stromkonzern Milliarden in den Neubau des Pumpspeicher-Kraftwerks Linth-Limmern investiert. Das bringt Arbeitsplätze und damit Steuergelder.

Die Besitzer der Axpo

Die Axpo gehört den neun Kantonen ZH, AG, SG, AI, AR, TG, SH, GL und ZG beziehungsweise deren kantonalen Elektrizitätswerken. Grösste Aktionäre sind der Kanton Zürich und die Elektrizitätswerke des Kantons ZH mit je 18 % sowie der Kanton Aargau und dessen Elektrizitätswerk mit je 14 % Aktienkapital.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz imBoden (Berggeist)
    Energiewende 2050 Der Wohlstand einer Industrie-Gesellschaft beruht auf preiswerter Energie. Die Kosten für alternative Energien sind viel zu hoch. Die EW ist ein „unfassbar teurer Irrweg“ und schwächt den Wirtschafts-Standort SCHWEIZ ohne neues sicheres eigenes ERSATZ-KKW. Die „EW“ ist in der heutigen Ausrichtung (Alternative Energien wie Pumpsp.KW) ein FLOP. Offenheit für kommende Entwicklungen sowohl bei den erneuerbaren Energien wie bei der Kernenergie wäre die richtige Energiestrategie.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Um ernsthaft Offenheit für kommende Entwicklungen bei der Kernkraft verlangen zu können, muss diese Branche zuerst glaubhaft einen Weg zur Verwertung des Abfalls aufzeigen können (die Lagerung hat sich konterkarikiert). Das wird aber schwierig, nachdem sie ihre Glaubwürdigkeit mit der Missachtung der geplanten Abschaltzeitpunkte selbst aktiv untergraben hat. Nehmen wir die publiken KKW-Katastrophen dazu, ergibt sich ein neues Sprichwort: "Wer zweimal lügt..."
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    2. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Erneuerbare Energien sind erheblich günstiger und können wesentlich schneller gebaut werden als neue AKW. Der Neubau des AKW in England wird mit über 100 Mrd Euro subventioniert: http://www.tagesschau.de/ausland/stromanbieter-101.html Alleine mit Windenergie kann europaweit wesentlich mehr Strom produziert werden, als überhaupt verbraucht werden kann (EEA) - von Solarenergie ganz zu schweigen. Die Speicherreserven der Europäischen Stauseen sind zudem grösser als der maximale Speicherbedarf.
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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Seit der "Energiewende" produzieren einige unserer Nachbarländer vermehrt "dreck"-billigen Kohlestrom und stark subventionierten Strom aus Photovoltaik und Windkraft. Unser noch vor wenigen Jahren sehr profitable Stromexport zur Mittagszeit ist zusammengebrochen. 2013 lag der CO2-Ausstoss je Einwohner in Deutschland bei 9,25 Tonnen (China 6,6 Tonnen). Zugegeben, ein von Jahr zu Jahr wachsender Teil des deutschen CO2-Ausstosses verursacht der Kohlestrom für die Schweiz. Träumt unsere Regierung?
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    1. Antwort von Heinz imBoden (Berggeist)
      Schwarze ENERGIE? Deutschland hat auch mit AKW`s noch nie so viel Energie produziert! Leider hat sich aber die Umwelt massiv verschlechtert, da die Gas- und Kohlekraftwerke mit eigener oder importierter Kohle aus Südamerika die Energieversorgung sichergestellt werden muss! Die Umwelt in Europa und Südamerika lässt grüssen! Aber auch die Windräder in DE sind defizitär sowie teilweise ein Flop?
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    2. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Es ist schade, dass auch Schweizer Stromkonzerne Kohlekraftwerke im Ausland betreiben. Tatsächlich ist die Kohlestromproduktion in Deutschland jedoch seit 1990 gesunken und das obwohl die Deutsche Wirtschaft wesentlich gewachsen ist: http://www.unendlich-viel-energie.de/media/image/5232.EEundKonventionelle_1990-2014_dez14_Web_72dpi.jpg Trotz Rekordstromexport hat die Kohlestromproduktion in Deutschland auch 2015 dank dem Wachstum der erneuerbaren Stromproduktion abgenommen (Fraunhofer ISE).
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Nun wird wieder nach dem Steuerzahler gerufen - die verantwortlichen Herren haben jahrelang sich die Taschen gefüllt -nun Pleite und wir bezahlen brav die Zeche . Schön in einer solchen Demokratie zu leben, gell ihr lieben Verantwortliche !
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Das ist das Resultat, dass bei uns in jedem wirtschaftlichen oder politischen Diskurs sehr einseitig argumentiert wird. Vorteile werden überzeichnet, Konsequenzen verschwiegen oder kleingerechnet. Das machte uns in den vergangenen JZ träge. Ein paar Franken mehr Steuern reichen nicht, um eine Gegenbewegung der Basis in Gang zu bringen, die konsequentes Umdenken fordert. Bis so etwas geschieht, sind die vollen Taschen ins Ausland abgewandert oder umverteilt, ein Zugriff darauf unmöglich.
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