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Wirtschaft Milliardenloch bei Areva deckt Krise einer Branche auf

Der französische Atomkonzern Areva schreibt Milliardenverluste. Das Vertrauen in das Unternehmen ist erschüttert. Weil die Firma praktisch dem Staat gehört, ist Präsident Hollande alarmiert. Er verspricht, alles zu tun, um Areva wieder auf die Beine zu bringen.

Legende: Video «Milliardenloch bei Areva» abspielen. Laufzeit 1:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.03.2015.

Minus fünf Milliarden Euro: Der massive Verlust des französischen Atomkonzerns im letzten Jahr hat Konsequenzen. Nach Angaben einer Firmen-Sprecherin will das das Unternehmen einen umfassenden Sparkurs einschlagen. Wie am Mittwoch bekannt worden ist, sollen allein in Deutschland in den nächsten zwei Jahren 1500 Stellen gestrichen werden.

Die Botschaft über das drastische Verlustgeschäft ereilte den französischen Präsidenten Francois Hollande am Rande eines Energiegipfels. Er sah sich nicht zuletzt deshalb zu einer Stellungnahme veranlasst, weil Areva zu 87 Prozent in Staatsbesitz ist. Ferner bringt Areva zum Ausdruck, was eine ganze Branche betrifft: Die Atomkatastrophe in Fukushima hat in den verschiedensten Atom- und Energiekonzernen zu Umbrüchen geführt.

Das Firmenlogo von Areva prangt an Bürofassade.
Legende: Areva beschäftigt weltweit 46'000 Mitarbeiter. Keystone

Too big to fail

François Hollande kommentierte: «Die Atombranche in Frankreich beschäftigt 220‘000 Angestellte. Wir werden alles tun, damit Areva wieder gesundet. Durch eine neue strategische Partnerschaft.» Die Idee dahinter: Areva soll sich dem ebenfalls staatlichen Stromkonzern EDF annähern, damit eine massenhafte Entlassung verhindert werden kann.

In welcher Form diese Annäherung geschehen soll, hatte bis dato allerdings zu Unsicherheiten an der Börse geführt. Nachdem die Energieministerin Ségolène Royal zunächt Gerüchte über einen möglichen Zusammenschluss von Areva und EDF genährt hatte, ging der Aktienkurs von EDF kurzzeitig auf Talfahrt. Der Wirtschaftsminister Emmanuel Macron wies die Gerüchte im Anschluss zurück, präzisierte, dass EDF mit einer Kaptalspritze dem Reaktorgeschäft von Areva helfen könnte und verschaffte dem Aktienkurs so wieder etwas Erholung.

Verunsicherung am Aktienmarkt

«Das Szenario von Macron scheint mir glaubwürdiger», sagte ein Händler in Paris. Ein anderer Börsianer zeigte sich von der Klarstellung aber weniger überzeugt. Die Aussagen der Politiker seien widersprüchlich, sagte er. «Ich bin vorsichtig, weil bei EDF und Areva nichts sicher zu sein scheint.»

Tatsächlich ist das Vertrauen in Areva in jüngster Zeit erschüttert worden. Der Bau von AKWs der dritten Generation verzögert sich um Jahre, und die Kosten schiessen dementsprechend in ungeahnte Höhen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Uebrigens wissen Sie schon - dass der jährliche Gesamtenergieverbrauch der Schweiz einer Energiemenge von über 200 hochmodernen Atomkraftwerken entspricht. Dies würde dann etwa 150'000 grossen und windeffizienten Windenergieanlagen entsprechen. Die Basiszahlen erhalten Sie vom Bundesamt für Statistik. (etwa 900 Terajoule pro Jahr)
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  • Kommentar von Markus Berner, Bülach
    Atomkraft ist einfach nicht rentabel - das bekommen nun auch die atomgläubigen Franzosen zu spüren. Das sollten die hiesigen Energiedinosaurier, die immer noch auf an eine Renaissance der Atomkraft hoffen, endlich auch begreiffen.
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  • Kommentar von Karl Müller, Düdingen
    Das wird eine (zu grosse?) Herausforderung für die sozialistische Regierung. Man kann schon alle Leute von AREVA und EDF weiter auf den Lohnlisten behalten. Nur, woher sollen die nötigen Geldmittel kommen? Geht Frankreich den Weg Griechenlands?
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