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Wirtschaft Mit dem Flugzeug zur Arbeit pendeln

Die Arbeitskräfte werden immer mobiler, ihre Arbeitswege grenzenlos. Mehrere tausend Menschen arbeiten unter der Woche in der Schweiz und fliegen fürs Wochenende nach Hause.

Geschäftsmann blickt am Flughafen Zürich telefonierend auf abtgestellte Swiss-Flugzeuge
Legende: Langstreckenpendler nehmen lange Wege auf sich für die Arbeit in der Schweiz. Keystone

Pendeln gehört heute zum Berufsalltag. Von Basel nach Bern. Von Lausanne nach Genf. Oder von St. Gallen nach Zürich. Doch es geht auch noch anders: Mehrere tausend Menschen arbeiten unter der Woche in der Schweiz und fliegen fürs Wochenende nach Hause: Nach Budapest oder Berlin, nach Neapel oder Athen.

Zum Beispiel Nikos

Freitagabend gegen acht Uhr. Der Informatiker Nikos wartet, wie jeden Freitagabend, auf seinen Flug nach Athen. Der 52-jährige arbeitet als Informatiker unter der Woche in Zürich. Den weiten Arbeitsweg mit dem Flugzeug, die 250 Franken fürs Flugticket jedes Wochenende, nimmt Nikos in Kauf. Denn in der Schweiz verdient er viel mehr als in Griechenland. Zudem werde seine Arbeit hier geschätzt. In seiner Heimat sei das nicht der Fall; da müsse man froh sein, überhaupt Arbeit zu haben.

Nikos und seine Frau könnten wie alle EU-Bürger die in der Schweiz arbeiten, auch hier wohnen. Dass sie es nicht machen, hat private Gründe: «Dann müssten wir alles aufgeben in Griechenland», sagt Nikos. Und seine Eltern wären allein. In Griechenland sei es aber Tradition, dass die Kinder für die Eltern sorgen. Zudem gefällt das Leben dort Nikos nach wie vor.

Vor allem Hochqualifizierte pendeln so weit

Die Statistik des Bundes zeigt: Es sind inzwischen ein paar tausend, die Woche für Woche über grosse Distanzen zur Arbeit in die Schweiz fliegen – über 200 beispielsweise allein aus Berlin.

Die deutsche Professorin Annekatrin Niebuhr von der Christian Albrechts-Universität in Kiel sagt dazu: «Das Phänomen der Langstreckenpendler betrifft nicht nur die Schweiz.» Laut der Professorin für empirische Arbeitsmarktforschung pendeln auch innerhalb Europas oder sogar Deutschlands viele Hochqualifizierte mit dem Flugzeug im Wochenrhythmus zwischen Arbeits- und Wohnort. Denn die Kosten für solches Langstreckenpendeln seien in den letzten Jahren deutlich gesunken.

Der Ursprungsregion entgeht Wachstumspotential

Das Lohnniveau und die Arbeitslosigkeit im Herkunftsland der Pendler nennt Niebuhr als Hauptgründe für das Phänomen. Und was bedeutet das Wegpendeln von Arbeitskräften für deren Ursprungsregion? Das hänge von den beruflichen Qualifikationen der Pendler ab, sagt die Professorin. Bei Hochqualifizierten könne das Wegpendeln negative Folgen für die Ursprungsregion haben. Denn dieser ginge damit Wachstumspotential verloren.

Bei Pendlern sei dies aber nicht so gravierend wie bei Auswanderern. Selbst Langstreckenpendler hätten ja immer noch eine relativ starke Verbindung zu ihrer Heimat. So bestehe die Chance, dass sie bei einem guten Jobangebot in ihrer Ursprungsregion auch wieder dort arbeiteten.

Nikos will weiter pendeln

Für Nikos ist das Langstreckenpendeln allerdings ein Lebensstil geworden, wie er sagt. Er kann sich derzeit nichts anderes vorstellen und will daran für die nächsten fünf bis sechs Jahre festhalten. Dann werde er vielleicht einfach sein Arbeitspensum reduzieren.

52 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
    Wann kommt endlich der Inländervorrang bei Stelleninseraten, damit wäre das Problem wenigstens zum Teil gelöst. Es suchen genug qualifizierte Schweizer ab 40 die eine Stelle suchen.
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  • Kommentar von L.Leuenberger, Zürich
    Der Fachkräftemangel ist hausgemacht. Bund und Kantone stecken Milliarden in Forschungsprogramme, die internationale wissenschaftliche Erfolge erzielen, aber nur teilweise humane realistische Errungenschaften sind. Es fehlen seit Jahren Ausbildungsplätze in der Medizin, in der Informatik etc, es wurde verschlafen für unsere Jugend genügend Studienplätze zu schaffen. Genau so hausgemacht ist die uneingeschränkte PFZ, die die gesamte Kultur in den CH-Firmen verändert hat. Leider zum schlechten.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Wenn neue und ältere Mitarbeiter vernünftig eingearbeitet und/ oder weitergebildet würden, beispielsweise auf neuen Programmen, dann müssten sie nicht alle paar Jahre durch frischer ausgebildete und jüngere Arbeitskräfte ausgetauscht werden. Klar - die "Frischen" sind geschult auf den aktuellsten Programmen und deren Anwendungen- und v.a. billiger.
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