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Wirtschaft Moderne Sklaverei gibt es auch in der Schweiz

Profite auf Kosten von Schwachen: Millionen von Menschen werden sexuell ausgebeutet oder gezwungen, ohne Lohn zu arbeiten. Die Internationale Arbeitsorganisation der UNO schätzt, dass so jedes Jahr Profite von rund 135 Milliarden Franken gemacht werden. Das soll sich ändern.

Zwei Männer
Legende: Sklavenarbeit in China. Keystone/Symbolbild

An ihrem Jahrestreffen will die Internationale Arbeitsorganisation der UNO (ILO) Massnahmen gegen Zwangsarbeit beschliessen. Die Schweiz wird in Genf vertreten von Boris Zürcher, dem Leiter der Direktion für Arbeit des Staatssekretariates für Wirtschaft Seco.

Zürcher stellt fest: «Die Art der Zwangsarbeit hat sich über die letzten 80 bis 90 Jahre fundamental verändert. Früher waren Staaten die Akteure, die zu Zwangsarbeit griffen, nun hat sich das verlagert hin zu Privaten». Das habe auch Konsequenzen in den Mitteln, die zur Bekämpfung von Zwangsarbeit eingesetzt werden. Heute stünden beispielsweise Zahlungen an die Opfer im Vordergrund, früher sei dies nicht so gewesen.

Boris Zürcher
Legende: Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco. Keystone/Archiv

Täter sollen strenger bestraft werden

Das Ziel der Jahrestagung ist denn auch, Massnahmen zur Bekämpfung der modernen Sklaverei zu beschliessen. Zürcher sagt dazu: «Es geht einerseits darum, die Profitabilität zu vermindern und andererseits, Risikofaktoren für die Opfer zu reduzieren und in die Prävention zu investieren.» Man müsse die Abschreckung und die Täterbestrafung verschärfen. «Das trägt dazu bei, dass die Profitabilität abnimmt.» Den Opfern werde mit der Frage der Entschädigung, mit Opferschutz, und mit Prävention beigestanden.

Grösstenteils sei Zwangsarbeit ein Problem der armen Länder, sagt Zürcher. «In der Schweiz ist Zwangsarbeit verboten, sowohl privatrechtlich als auch strafrechtlich.» Dennoch sei nicht auszuschliessen, dass es in der Schweiz auch Zwangsarbeit gibt. Eine Studie der ILO zeigt, dass die Ausbeutung von Zwangsarbeitern in den entwickelten Volkswirtschaften pro Opfer und Jahr am meisten Profit bringt. Fast zwei Drittel der illegalen Gewinne entfallen auf die Zwangsprostitution, heisst es in der Studie der ILO.

Nicht nur im Sexgewerbe

Die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration in Zürich ist die einzige in der Schweiz, die sich mit dieser Thematik befasst. Die Fachfrauen gehen davon aus, dass Zwangsarbeit in der Schweiz auch ausserhalb des Sexgewerbes verbreitet ist. In vielen Branchen, in der billige Arbeitskräfte gebraucht werden, komme es vor, dass Menschen zur Arbeit gezwungen würden, auch in der Schweiz.

Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geriet die Zwangsarbeit vor kurzem im Zusammenhang mit den Stadien der Fussball-WM in Katar. Auf den Baustellen sollen moderne Sklaven eingesetzt worden sein. Ob solcherlei Zustände in Zukunft verhindert werden können, muss offen bleiben. Zürcher: «Es geht darum, verbindliche Normen zu schaffen. Es ist wichtig, dass es einen Konsens gibt, dass Zwangsarbeit nicht zulässig ist.»

Definition Zwangsarbeit:

Als Zwangsarbeit definiert die ILO unfreiwillige Arbeits- oder Dienstleistungen, die unter Androhung von Strafe ausgeübt werden. Die Ausbeutung von Menschen, die kaum eine andere Möglichkeit haben, als in derartigen Situationen zu arbeiten, bezeichnet die Organisation auch als «moderne Sklaverei».

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