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Wirtschaft Nach Brexit-Schock: Bank of England schreitet ein

Nach dem Brexit-Votum sind die Stimmungsindikatoren im Vereinigten Königreich eingeknickt. Nun reagiert die Notenbank mit einer Leitzinssenkung. Zudem dreht sie den Geldhahn auf.

Legende: Video Britische Nationalbank senkt Leitzinsen abspielen. Laufzeit 1:38 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.08.2016.

Die britische Notenbank hat nach dem Brexit-Schock Angst vor einer Rezession und reagiert mit einer Leitzinssenkung. Der Schlüsselsatz fällt von 0,5 auf das Rekordtief von 0,25 Prozent.

Weitere Senkung nicht ausgeschlossen

Die Währungshüter lockern damit erstmals seit März 2009 die Zügel ihrer Geldpolitik. Damals kämpften sie gegen die Weltwirtschaftskrise an. Zudem deutete die Notenbank nun an, dass sie noch dieses Jahr zu einer weiteren Senkung in Richtung der Null-Linie bereit ist.

Die Bank weitet zudem ihr Wertpapierkaufprogramm überraschend aus, um den Markt mit Geld zu fluten. Das angepeilte Gesamtvolumen werde von derzeit 375 Milliarden Pfund auf 435 Milliarden Pfund erhöht. Die Entscheidung bedeutet, dass die Notenbank nun wieder Wertpapiere kaufen wird. Das bisherige Gesamtvolumen war bereits ausgeschöpft gewesen.

Ferner wird die britische Zentralbank künftig Unternehmensanleihen kaufen. Über 18 Monate sollen Papiere im Wert von bis zu 10 Milliarden Pfund erworben werden.

Drohende Rezession

Mit den Massnahmen reagiert die Notenbank auf die kriselnde Wirtschaft. Das Land steuert nach dem EU-Austrittsreferendum vom 23. Juni auf den stärksten Konjunktureinbruch seit sieben Jahren zu.

Die Wirtschaft war im Juli so stark eingebrochen wie letztmals 2009 während der Bankenkrise. Das jedenfalls zeigt eine Umfrage unter rund 1000 Firmen.

Legende: Video SRF-Korrespondent Gredig zur Leitzinssenkung abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.08.2016.

Der Grund ist die grosse Unsicherheit im Land. Niemand weiss, ob Grossbritannien nach den Brexit-Verhandlungen mit der EU noch immer freien Zugang zum europäischen Wirtschaftsraum haben wird.

«Den Teufelskreis durchbrechen»

Wenn nicht, würde das insbesondere den Finanzplatz London treffen. Viele Banken müssten dann wohl von London weg in einen EU-Staat ziehen.

So sieht es auch SRF-Korrespondent Urs Gredig. Die Menschen würden sich mit Konsum und Investitionen zurückhalten, bis klar sei, wann und unter welchen Bedingungen Grossbritannien aus der EU ausscheide. Dieses Verhalten sei natürlich wiederum schlecht für die Wirtschaft. «Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist die Bank of England nun eingeschritten.»

Einschätzungen von Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler

«Noch sind kaum konkrete Folgen des Brexit-Entscheids spürbar in der britischen Wirtschaft, doch die Stimmung trübt sich allmählich ein. Die Bank of England will offenbar lieber zu früh als zu spät eingreifen. Das präventive Eingreifen zeigt, wie besorgt die britischen Notenbanker sind. Experten bewerten die Eingriffe in ersten Stellungnahmen als ‹besonnen›. Die Massnahmen könnten bei Bedarf weiter ausgebaut werden, das sei beruhigend, heisst es. Doch nun liegt der Ball wieder bei der Politik. Denn entscheidend für den weitere Gang der britischen Wirtschaft ist vor allem der Ausgang der Brexit-Verhandlungen, welche die britische Regierung mit der EU führen muss.»

Pfund verliert an Wert

Pfund verliert an Wert

Vor der Ankündigung der Notenbank lag das Pfund bei 1,2986 Franken (12.25 Uhr), danach sank es auf bis zu 1,2779 Franken (14.55 Uhr).

3 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    In ein paar Jahren wird sich zeigen, ob UK bei allen Problemen doch nicht klug gehandelt hat, als es aus der EU austrat. Die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass gewisse EU-Länder die Gemeinschaft ernsthaft schädigen.
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    1. Antwort von Sebastian Demlgruber (SeDem)
      Nein, da muss man nicht "ein paar Jahre" abwarten. Die Brexit-Turbos behaupteten, alles werde für die Briten ohne EU besser, doch das stellt sich schon jetzt als Lüge heraus, mit der Wirtschaft geht's bachab, ehe der EU-Austritt beantragt wurde. Jene, die das Schicksal der Briten zun ökonomischen Roulette degradiert haben, haben sich fast alle davongestohlen. "Die Chancen stehen gar nicht schlecht", dass der Brexit Großbritannien zerstören und nur Little Britain ohne die Schotten bleiben wird.
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Normalerweise sollten sich die Staaten untereinander konstruktiv und nicht destruktiv verhalten, egal ob innerhalb der EU oder ausserhalb der EU. Was da aber arglistig verfolgt werde soll ist ein Rosenkrieg, der dann vor allem auch negativ auf Deutschland, als Hauptveantwortlicher, zurück fällt. - Friedenspolitik geht anders Herr Demlgruber!
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