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Wirtschaft Nach den Devisen ist das Gold dran

Die Wettbewerbskommission hat gestern eine Untersuchung gegen verschiedene Banken wegen Manipulation im Devisenhandel eröffnet. Das ist der dritte grosse Skandal nach der Spekulation mit Finanzprodukten und dem Liborskandal. Der vierte könnte den Goldhandel betreffen.

Zweifelhafte Finanzkonstrukte, der Liborskandal, die Manipulation von Wechselkursen: In der Bankenwelt jagt derzeit ein Skandal den nächsten. Was kommt als nächstes?

Unregulierte Auktionen sind besonders anfällig

Roger Rissi war Investmentbanker bei der UBS. Heute ist er Finanzmarktprofessor an der Hochschule Luzern. Er rechnet damit, dass als nächstes der Gold- und Silbermarkt betroffen sein werden. «Diese Märkte sind besonders anfällig auf Manipulationen», sagt er und begründet dies mit dem antiquierten Preisfestsetzungsmechanismus.

«Beim Goldmarkt ist es so, dass wir eine klassische Auktion haben. Speziell ist, dass dieser Auktionsprozess unreguliert ist», kritisiert Rissi. Das heisst, die teilnehmenden Banken können während des Preisfindungsprozesses mit Gold und Derivaten handeln.

Auch Börsenhandel hat Nachteile

Einen Börsenhandel wie bei den Aktien einzuführen, hätte Vor- und Nachteile, sagt der Finanzmarktkenner. «Ein gewichtiger Nachteil dürfte sein, dass man sich ähnlichen Problemen aussetzt, wie wir sie beim Aktienhandel feststellen: Dass ein Grossteil des Handelsvolumens durch algorithmisches Handeln mit Computern bestimmt wird.» Die Folgen wären Preisausschläge, die jeder ökonomischen Logik entbehren, so Rissi.

Das Rezept, um einen solch unregulierten Markt in den Griff zu kriegen, liegt seiner Meinung nach in schärferen Governance-Richtlinien. Der Hochschulprofessor fordert deshalb schärfere Richtlinien für die Instanzen, welche die Tagesendkurse von Gold und Silber berechnen. Zudem brauche es schärfere Vorschriften für die teilnehmenden Banken, sagt Rissi, «weil es offensichtlich immer wieder zu Konflikten zwischen den Interessen der Bank und der Kunden kommt».

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Markus M. Müller, Baden
    Und plötzlich spricht man von Manipulation bei Gold und Silber. Bis vor wenigen Tagen galt man als "Verschwörungstheoretiker", wenn man solche Themen ansprach – und dann plötzlich – boom... Wieso fragt SRF dann nicht jene Personen, die schon lange die Beweise für die Manipulationen in den Händen halten? GATA wäre eine erste Adresse...
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Es braucht eine progressive Umsatzsteuer - weil je grösser und mächtiger ein Konzern bzw. Konzerne sind, desto marktschädigender ihr Verhalten. Mit einer solchen Steuer wird der natürlichen Tendenz zur Machtkonzentration entgegengewirkt und eine lebhafte, auf Vielfalt der Anbieter beruhende Marktwirtschaft gefördert. Dann braucht es auch keine Kartellgesetze usw.
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    1. Antwort von Jury Maligan, Chiang Mai
      Hoppla da kommt ein ganz linkes Muster hervor. Sie möchten wohl die Marktwirtschaft beerdigen... Am liebsten sollte es wohl der Staat richten... à la DDR.
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    2. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Gewaltig und geradezu furchterregend, diese Wortwahl, H. Bernoulli! Der weiss wahrscheinlich nicht, dass Grosskonzerne die Wirtschaft beleben. n.
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    3. Antwort von H.Bernoulli, Zürich
      @ J. Maligan: Siehe 2007: hat's nicht der Staat gerichtet, weil die Finanz-Dinosaurier die Welt am Rande eines Finanzkollaps gebracht haben? Wenn die Macht- und Geldkonzentration weiter zunimmt, wird der Kapitalismus ähnlich funktionieren wie der Kommunismus, in dem der Staat - den Grosskonzernen und Finanzmächtigen gehörig - die katastrophalen Folgen für die Menschen wird ausbügeln müssen (Sozialausgaben, Essensmarken in den USA...). Kapitalismus am Ende ist dem Kommunismus recht ähnlich.
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    4. Antwort von H.Bernoulli, Zürich
      @ J. Maligan: der Kapitalismus hat eigentlich seit spätestens 2007 die Marktwirtschaft beerdigt. Demokratie und Marktwirtschaft sind in der Agonie angesichts der ausufernden und nicht mehr enden wollenden Verteilungskrise.
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    5. Antwort von H.Bernoulli, Zürich
      @ M. Zelger: Auf eine Belebung der Wirtschaft durch die Grosskonzerne, insbesondere der Finanzindustrie, wie 2007 es gezeigt hat, kann getrost verzichtet werden. Nicht besser sieht es im Energie-, Agro- und Pharmabereich. Die Grosskonzerne verhindern jegliche Entwicklung, welche ihre Gewinne schmälern könnte - zum Leid von Mrd. von Menschen und auf Kosten der Umwelt.
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    6. Antwort von M. Haener, Büsserach
      @Jury Maligan: Sehen sie sich doch z.B. einmal das Zeitgeist Movement an, oder etwas über Jacque Fresco, einfach so zum Spass.
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