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Wirtschaft Nach gescheiterten Gesprächen: Ölpreis sinkt deutlich

Verhandlungen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) über Produktionskürzungen sind am Wochenende gescheitert. Der Ölpreis ist daraufhin am Montag deutlich gesunken. Die massgebliche Sorte Brent verlor im frühen Handel über fünf Prozent.

Legende:
Ölpreis Das Diagramm zeigt die Entwicklung des Ölpreises pro Barrel der Sorte Brent in US-Dollar. Notiert wurde der Preis jeweils halbjährlich (Januar und Juni) seit 2001. Für den 18.04.16 wurde der Preis bei Handelsstart notiert. finanzen.ch

Die Opec konnte sich am Wochenende bei Gesprächen in Doha auf kein Einfrieren der Ölfördermenge einigen. Das Überangebot des Rohstoffs bleibt somit bestehen, was sich am Montag im Kurs der Ölpreise deutlich niederschlägt. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete im frühen Handel über 5 Prozent weniger als am Freitag. In den ersten Handelsminuten war der Brent-Preis gar um knapp 7 Prozent gesunken.

Für SRF-Wirtschaftsredaktor Samuel Emch ist klar: «Es war absehbar, dass der Ölpreis nach einem solchen Entscheid zuerst einmal sinkt.» Und wie sieht es langfristig aus? «Langfristig ist nicht nur die Fördermenge ausschlaggebend für den Ölpreis. Einen Einfluss hat auch, wie gross die Nachfrage ist», sagt Emch. Wenn sich die Weltwirtschaft erhole, könnte auch der Ölpreis wieder zulegen. «Allerdings dürfte dies noch einige Monate dauern, meinen Experten.»

Alle oder nichts

Der Kampf um Marktanteile wird Experten zufolge nun weitergehen. Saudi-Arabien hat Teilnehmern zufolge zur Bedingung gemacht, dass alle 13 Opec-Länder ihre Produktion einfrieren müssten – also auch der Iran, der bei dem Treffen gar nicht dabei war.

Der Iran hatte bereits im Vorfeld erklärt, nicht mitzuziehen. Das Land ist gerade dabei, nach Aufhebung der internationalen Wirtschaftssanktionen im Zuge der Atom-Einigung mit dem Westen seine Produktion wieder hochzufahren. Saudi-Arabien drohte sogar mit einer Ausweitung seiner Förderung.

Am Treffen hatten 18 Länder teilgenommen, darunter auch Russland, das nicht zur Opec gehört. Im Februar hatten sich Saudi-Arabien, Venezuela und Katar mit Russland darauf geeinigt, ihre Produktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren, um den Ölpreis zu stützen.

Legende: Video «Öl-Preis im Sinkflug» abspielen. Laufzeit 1:35 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.04.2016.

Ölpreis vor Gesprächen noch im Hoch

Spekulationen auf eine Förderbremse hatten den Ölpreis in den vergangenen Tagen kräftig in die Höhe getrieben. Im Vergleich zu seinem Zwölfeinhalb-Jahres-Tief vom Januar verteuerte sich der Brent-Preis um gut die Hälfte auf zuletzt rund 43 Dollar je Fass.

Seit Mitte 2014 ist der Ölpreis wegen des weltweiten Überangebots und der schwachen Weltkonjunktur allerdings um 70 Prozent eingebrochen. Täglich werden ein bis zwei Millionen Fässer Erdöl mehr aus dem Boden gepumpt als benötigt werden.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Die Geschichte des Öls ist zwar schon 12000 Jahre alt. Aber so richtig begonnen hat sie um 1860. Als es das Walöl mehr und mehr ablöste. Schon um 1885 hat der Strom etwas Konkurenz ins Geschäft gebracht und das tut er immer noch. Aber was wird das Öl einmal wirklich ablösen?
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  • Kommentar von Jean-Phillippe Ducrey (Jean-Phillippe Ducrey)
    Sobald der Wirtschaftsmotor USA sich selbst versorgt, kommt der Rest der Welt ins Stottern. Das planwirtschaftlich aufgegleiste EU-Konstrukt bringt es in keinster Weise zustande, die USA irgendwie zu konkurrenzieren, obwohl der EU-Anteil am BWP ungefähr gleich demjenigen der USA ist. Statt eine kluge Zusammenarbeit mit den Russen einzugehen, macht man sich diesen Rohstofflieferant, übrigens mit Hilfe des Konkurrenten USA(!), zum Feind. Nicht gerade ein Akt politischer Weitsicht.
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    1. Antwort von Roland Burkhardt (Mikosch)
      Danke für diesen klugen Kommentar. Auch ich verstehe das ständige Anbiedern der EU an den rücksichtslosen, egoistischen "Partner USA" schon lange nicht mehr.
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