Nach Tsipras' Wahlsieg verlieren griechische Aktien an Wert

Die Kurse von Aktien und Staatsanleihen in Griechenland erlitten diese Woche herbe Verluste. Der Grund dafür war die Erklärung der neuen Regierung, sie wolle vom bestehenden Sparkurs abweichen. Besonders hart traf es die Banken. Sie verloren an der Börse bis zu einem Drittel ihres Wertes.


Tsipras Pläne auf dem Prüfstand

6:49 min, aus Rendez-vous vom 29.01.2015

Allein der Aktienwert der National Bank of Greece hat sich seit dem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza fast halbiert. Denn die Investoren befürchten das Schlimmste. Und das wäre, wenn die neue Regierung um Alexis Tsipras sich mit den Geldgebern nicht auf eine weitere finanzielle Unterstützung des pleitebedrohten Landes einigen könnte. Die Zeit drängt: Schon in einem Monat läuft das aktuelle Hilfsprogramm zwischen Griechenland und der internationalen Troika aus. Dann muss neues Geld her.

Griechische Banken hängen an der EZB

Falls es keine Einigung gibt, hätte das fatale Folgen für die griechischen Banken. Sie hängen am Tropf der Europäischen Zentralbank. Und sie finanzieren sich bei der EZB, indem sie ihr griechische Staatsanleihen als Sicherheit für Kredite überlassen. Diese Staatsanleihen stellen aber eigentlich schon lange keine Sicherheit mehr dar. Die EZB akzeptiert sie nur, weil Griechenland sich zu politischen Reformen bereit erklärt hat. Kündigt die neue Regierung die Zusammenarbeit auf, könnte die EZB den Tropf abstellen.

Wie gross die Nervosität ist, lässt sich allzu deutlich am Tiefflug der Bankaktien ablesen, jedoch nicht nur da. Beobachtern zufolge ziehen viele griechische Bankkunden schon jetzt ihr Geld von den Konten ab. Noch geben die Bankautomaten bereitwillig Euros aus. Doch falls die Griechen demnächst kein Geld mehr am Automaten bekommen sollten, weil die Banken nicht mehr von der Europäischen Zentralbank versorgt werden, dann dürfte das Finanzsystem von den Banken her zusammenbrechen.

Es droht kein Flächenbrand

Die Gefahr eines Flächenbrands für den gesamten Euro-Raum schätzen Experten selbst für diesen Fall als gering ein. Denn die Euro-Staaten könnten andere Länder mit den Mitteln aus dem Euro-Rettungsfonds stützen.

Trotz widriger Vorzeichen und grosser Nervosität an den Märkten rechnen die meisten Beobachter ohnehin damit, dass die Griechen und ihre Geldgeber noch rechtzeitig einen Kompromiss finden. Denn der politische Wille, Griechenland im Euro zu halten und einen Zerfall der Währungsunion zu verhindern, ist immer noch gross.