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Wirtschaft Nächste Mobilfunk-Generation 5G: Revolution oder Rohrkrepierer?

Alle zehn Jahre kommt ein neuer Mobilfunk-Standard auf den Markt. 2020 soll das 5G-Netz in Betrieb gehen, auch in der Schweiz. Diesmal geht es um mehr als bloss schnelleren Download und höhere Verfügbarkeit. Anbieter und Hersteller versprechen sich nichts Geringeres als eine Revolution.

Grafik einer Kreuzung: alles Autos sind verbunden; im Vordergrund ein Mann mit Smartphone
Legende: Die 5G Zukunft: Autonome Autos, Verkehrsleitsysteme, Ärztinnen - alles soll am Hochgeschwindigkeits-Internet hangen. Colourbox / Collage SRF

Der neue Mobilfunk-Standard 5G wird eine Revolution auslösen, davon ist Stephen Mollenkopf, Link öffnet in einem neuen Fenster, CEO der Chip-Schmiede Qualcomm, überzeugt. Er vergleicht den Wechsel auf den neuen Standard gar mit der Einführung der Elektrizität. Oder des Autos. Wie diese Erfindungen soll auch 5G die Gesellschaft grundlegend verändern.

Möglich wird das, weil das neue Mobil-Funknetz alles, jeden und jede mit dem Internet verbinden kann: Autos mit Autos und einem Verkehrsleitsystem, das Pulsmessgerät mit einem Arzt, öffentliche Abfalleimer mit der Müllabfuhr, Menschen mit Musik und Filmen.

Schneller, kleiner, effizienter

Dazu streben die Hersteller Bandbreiten an von bis zu 20Gbit/sec (theoretisch) und Antwortzeiten von wenigen Millisekunden. Gleichzeitig sollen diese Chips auch viel sparsamer sein und nur noch einen Bruchteil des bisherigen Stromverbrauchs haben – eine der Voraussetzungen für das Internet der Dinge.

Mit solchen neuen 5G-Chips – etwa von Hersteller Qualcomm – können wir schon bald im Auto oder Flugzeug hochaufgelöste Filme anschauen, oder unterwegs eine Virtual-Reality-Brille benutzen.

Steve Mollenkopf vor einer Leinwand, darauf schematisch 5G Vernetzung.
Legende: Qualcomm CEO Stephen Mollenkopf bei einer Präsentation in Las Vegas im Januar 2017. Reuters

Das 5G-Netz ist auch Voraussetzung für autonome Fahrzeuge. Denn damit die auch in voller Fahrt Nachrichten untereinander austauschen können («Achtung, ich bremse jetzt»), muss das Netz Mitteilungen ohne Verzögerungen ausliefern können. Laut der kürzlich veröffentlichten Spezifikation soll die Übertragung maximal vier Millisekunden dauern. Ein Auto, das mit 120 Km/h unterwegs ist, legt in dieser Zeit 12 Zentimeter zurück.

Verstoss gegen die Netzneutralität

Das neue Netz ist so schnell, dass es als Echtzeitsystem gilt. Das ist auch Voraussetzung für Anwendungen, die Virtual-Reality-Brillen einsetzen. Denn wenn diese Geräte ihre Bilder zeitversetzt anzeigen, kann das zum Problem werden. Zum Beispiel bei einer Live-Video-Aufnahme eines Balles, der auf die Trägerin zufliegt, und auf den sie reagieren muss.

Noch ist der Weg dafür aber nicht frei: Damit Telekom-Firmen kurze Reaktionszeiten im 5G-Netz garantieren können, müssen sie sicherheitsrelevante Nachrichten, etwa aus einem Auto, mit höherer Priorität übermitteln können als ein Youtube-Video. Doch eine solche Bevorzugung verstösst gegen das Prinzip der Netzneutralität, auf die sich die EU-Staaten eben erst geeinigt haben.

Wer soll das bezahlen ...

Und es gibt noch weitere Hindernisse: Basis für das 5G Netz ist eine neue Funktechnologie im Hochfrequenzbereich. Damit lässt sich zwar mehr Information übertragen, die Wellen, die nur noch wenige Millimeter lang sind, verhalten sich aber anders als in den aktuellen Netzwerken. Jetzt schon ist klar: Es braucht mehr Antennen. Und weil die Erfahrung fehlt, wie sich die sehr kurzen Wellen verhalten, wenn sie etwa auf eine Mauer stossen, muss zuerst Grundlagenforschung betrieben werden.

Modell-Rennautobahn an einem Stand an der World Mobile Congress in Barcelona.
Legende: 5G Demo: Die Deutsche Telekom zeigt Modellautos, die über 5G-Technologie gesteuert werden. Reuters

Wie wenn das nicht schon teuer genug wäre, braucht es auch noch Forschung, wie man diese neuen Technologie in den einzelnen Industrien (Gesundheitsversorgung, Unterhaltung, Energieversorgung etc.) einsetzen und damit auch Geld verdienen kann.

Weil dazu ein grosser finanzieller Aufwand nötig ist, haben sich verschiedene Technologie- und Telekom-Firmen zusammengeschlossen und sich im letzten Sommer mit einem 5G Manifesto, Link öffnet in einem neuen Fenster an die EU gewandt. Darin fordern sie finanzielle Unterstützung in Milliardenhöhe. Die EU wiederum sieht das Hochleistungsnetzwerk als wichtige Voraussetzung, um im globalen Wettbewerb zu bestehen und als Grundlage für den Digital Single Market, den sie laut Aktionsplan bis 2020, Link öffnet in einem neuen Fenster umsetzen will.

Revolution oder Rohrkrepierer?

Dass 5G bis in drei Jahren die Gesellschaft im Sinne von Stephen Mollenkopf umpflügt, ist unwahrscheinlich. Denn die Einführung neuer Technologien folgt oft einem Muster: Zu Beginn dominiert die Euphorie. Die nährt die Erwartung, dass eine Technologie in kurzer Zeit grosse Auswirkungen zeitigen wird. Weil die Einführung aber langsamer verläuft als erwartet, bleiben die erst einmal aus.

Auf lange Sicht aber ist der Einfluss grösser, als man sich zuvor selbst in der Begeisterung vorstellen konnte. Auch 5G dürfte diesem Muster folgen.

50 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Christmann (Politik für die Schweizer)
    Der Mensch sollte nichts aus der Hand respektive aus der eigenen Kontrolle geben, was er nicht mehr selbst steuern und beeinflussen kann bevor die autonome Technologie durch Fehler im System und/oder Auswirkungen von aussen unaufhaltsam Schäden an Menschen, Tieren und Umwelt verursachen kann. Der Mensch mit seinem Gehirn als Steuerzentrale ist das umfassendste und zuverlässigste autonome System und erst noch gratis von Mutter Natur.
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Jetzt haben wir uns gerade auf das selbstfahrende Auto gefreut in der Hoffnung sicherer zu fahren und schon müssen wir uns von Wikileaks sagen lassen dass dann im Fall der CIA am Steuer unseres Wagens sitzt und wir nie wissen können wann diese Kollegen sich das Auto rasch mal leihen um eine ihnen missliebige Person zu überfahren. Wir können das also gleich wieder vergessen, es ist viel zu gefährlich.
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  • Kommentar von André Piquerez (Nemesis1988)
    das Pulsmessgerät mit dem Arzt verbinden? weshalb? im Auto hochaufgelöste Filme anschauen? wer braucht das schon? selbstfahrende Autos? wieso sollen in Zukunft Autos selber fahren? was bringt das? all diese Dinge sind eigentlich sinnlos. Es zeigt doch bloss auf dass grenzenloses Wachstum auf Dauer nicht funktioniert...dass die Schattenseiten dieser Technologie sicherlich viel grösser sind würden die Unternehmen sicher verschweigen...die hochfrequente Strahlung ist eine grosse Bedrohung!
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    1. Antwort von Joel Busch (Joel)
      "wieso sollen in Zukunft Autos selber fahren? was bringt das?" Ist das Ihr Ernst? Weniger Verkehrstote, eine weniger verschwendete Reisezeit und effizientere Treibstoffnutzung zum Beispiel?
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    2. Antwort von Chruti Da Goya (Chruti Da Goya)
      wer braucht schon Radio, oder sogar Fernsehen? Wer braucht Strom? Internet, was'n des? braucht kein Schwein! Bis dann... ;-)
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    3. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Muss dem voll beipflichten, wobei die Strahlung noch das kleinste Übel ist. J.B.: ich rechne mit mehr Verkehrstoten, bei Störungen im Netz z.B., und was meinen sie mit verschwendeter Reisezeit? Wenn reisen Zeitverschwendung ist, wozu dann reisen? Effizientere Treibstoffnutzung erreicht man auch, wenn man mal auf ne unnötige Fahrt verzichtet, oder zu Fuss / Fahrrad unterwegs ist für Kurzstrecken. Nicht sehr überlegte Argumente...
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    4. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      C.D.G.: Die Fragestellung ist, wer braucht das während dem Fahren. Ich finds z.B. beängstigend, dass hier in Thailand, wo ich mich grad aufenthalte, viele Autofahrer selbst während dem steuern eines Fahrzeugs, Videos angucken. (sogar Taxifahrer) Geschätze 70% aller neuen Fahrzeuge haben hier n Videogerät anstelle eines Radio/Cd Players eingebaut... was soll der Quatsch?
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    5. Antwort von Joel Busch (Joel)
      Diese Systeme werdensich regulatorisch überhaupt nur dann durchsetzen wenn sie unter Beweis stellen dass sie mindestens so sicher sind wie menschliche Fahrer. Ausserdem haben Computer wesentlich schnellere Reaktionszeiten und sie werden sich braver an StVG halten. Verschwendete Reisezeit ist die in der der Fahrer sich aufs Fahren konzentrieren muss statt auf was immer er möchte. Und Effizienzsteigerungen beim Treibstoffverbrauch kann man auch gerne kombinieren, statt das eine die andere ersetzt
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