Zum Inhalt springen

Wirtschaft «Nächster Akt in diesem Drama findet im Gerichtssaal statt»

Die Aktionäre des Schweizer Bauchemiekonzerns Sika haben die Machtübernahme durch die französische Saint-Gobain vorerst vereitelt. Somit ist der nächste Streit zwischen der Besitzerfamilie und dem Verwaltungsrat bereits vorprogrammiert – und zwar im Gerichtssaal.

Legende: Video Sika-Verwaltungsrat macht einen Vorschlag abspielen. Laufzeit 1:34 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.04.2015.

Nach der Generalversammlung der Sika ist ein juristisches Hick-Hack zu erwarten. Die Erben haben bereits angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten.

Zum einen dürfte die Schenker-Winkler-Holding (SWH) – dort hat die Familie ihre Aktien eingebracht – auf die Stimmrechtsbeschränkung reagieren. Zum anderen dürfte sie Verantwortlichkeitsklagen gegen die kritischen Verwaltungsräte anstrengen.

Letzteres wird möglich, weil Hälg und weiteren unabhängigen Verwaltungsräten die Entlastung verweigert wurde. Bei den entsprechenden Abstimmungen über die Décharge waren die Stimmrechte der SWH nicht beschränkt, die Erben konnten sich also mit ihrer Stimmenmehrheit durchsetzen.

Legende: Video Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe abspielen. Laufzeit 1:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.04.2015.

«Das ganze Ergebnis dieser Generalversammlung hat etwas sehr vorläufiges an sich», betont auch SRF-Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe. Die Besitzerfamilie sei zwar im Moment entmachtet, aber sie werde alles daran setzen, ihre Rechte vor Gericht wieder einzufordern.

Der Weg für solche Klagen vor Gericht sei laut Kolbe auch bereit. Denn die Besitzerfamilie habe den ihr nicht genehmen Verwaltungsräten rund um Verwaltungsratspräsident Paul Hälg die Entlastung nicht erteilt. «Das macht nun den Weg frei für Verantwortlichkeitsklagen», erklärt Kolbe.

Der nächste Akt in diesem Drama rund um Sika, wird nicht in der Waldmannhalle hier in Baar stattfinden, sondern in einem Gerichtsgebäude.
Autor: Christian KolbeSRF-Wirtschaftsredaktor

Beide Parteien zeigen sich zuversichtlich, dass sie vor Gericht Erfolg haben werden. Sicher scheine aber nur, dass dies ein sehr langer juristischer Streit werden könnte, der möglicherweise erst vor Bundesgericht enden werde, prognostiziert Kolbe weiter.

Die Lage bei Sika ist nun verzwickt. Der Verwaltungsratspräsident habe zwar eigentlich einen respektablen Sieg davongetragen, aber in dieser ganzen Geschichte gebe es nur Verlierer, so der SRF-Wirtschaftsexperte.

«Die Konzernleitung von Sika, das Verwaltungsratspräsidium und der Verwaltungsrat haben jetzt einen Mehrheitsaktionär im Nacken, mit dem sie heillos zerstritten sind.

Aber auch die Besitzerfamilie gehört zu den Verlierern, denn die können mit den Aktien, die sie halten, nicht das machen, was sie eigentlich wollen.»

Saint-Gobain hält an Übernahme plan bei Sika fest

Der französische Industriekonzern Saint-Gobain nahm Kenntnis von den GV-Beschlüssen und bekräftigte seine Entschlossenheit zur Übernahme der Kontrolle am Schweizer Baustoffhersteller.

Saint-Gobain habe «volles Vertrauen in die Schweizer Gerichte, damit die Erben-Familie ihre Rechte in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen wiedererlange. Die Beschränkung der Stimmrechte sei rechtswidrig, heisst es in einem Communiqué weiter.

Zeit verstreichen lassen

Legende: Video Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.04.2015.

Das Beste wäre wohl, man liesse jetzt ein paar Wochen oder Monate ins Land ziehen und würde sich dann gemeinsam an einen Tisch setzen um eine einvernehmliche Lösung im Sinne aller Konfliktparteien auszuhandeln, schlägt Christian Kolbe vor.

Es gehe hier um eine Schweizer Industrieperle mit vielen Tausenden Mitarbeitenden. «Und diese sollte es doch allen Beteiligten wert sein, nochmal einen Effort zu machen und sich endlich zusammenzuraufen,» betont Kolbe.

«Juristischer Totalschaden»

«Juristischer Totalschaden»
Legende: keystone

An der Generalversammlung hat sich der Sika-Verwaltungsrat durchgesetzt: Die Stimmrechtsaktien der Gründerfamilie Burkard wurden beschränkt, ein Verkauf vorerst blockiert. Wirtschaftsprofessor Peter V. Kunz zur Rechtslage.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Michael Ende, Zürich
    Wo sind den da die Wettbewerbskommission, die Kartellkommission, das Bundesgericht, das Kartellgesetz und der Bundesrat, der für einmal Rückgrat für die Schweiz zeigen sollte, als dauernd Positionen des Auslandes zu vertreten. Schluss mit den feindlichen Übernahmen. Es jetzt Zeit, die Politik zu ändern. Die nächsten Wahlen kommen bestimmt !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Heim, Zürich
    Wieviel Geld glauben die Burkard-Erbschleicher schonwieder mit dem Deal mit den Franzosen rauszuschinden zu können!?-Knapp drei Milliarden?-Liebe restliche 86%-Aktionäre steht zusammen und gebt der Ebgemeinschaft den erhofften Reibach,das Sie endlich auf ihre Yachten und Golfplätze verschwinden können und nicht noch länger Arbeitsplätze und SIKA gefährden.P.S.Wenn niemand können will,soll doch Bill Gates seine finanzielle Macht Spielen lassen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von s.suleyman, zürich
    Da hat der Herr wohl ein wenig seine Bahn verlassen. Bekräftigt er in diesem Video doch, dass er glaubt es sei kein Aktionär schlecht gefahren in all denn Jahren. Zudem hätte die Gründerfamilie ohne die fremden Aktionäre nie die Möglichkeit gehabt dermassen ins Ausland zu expandieren. Und jetzt? Jetzt soll die Familie, die alleine keine Chance gehabt hätte nach Ihren Aussagen alles erhalten und der rest nichts? Finden Sie das Ehrenhaft Herr Burkard
    Ablehnen den Kommentar ablehnen