Nationalbank bleibt bei Nullzinspolitik

Trotz tiefer Teuerung und solidem Wachstum der Schweizer Wirtschaft behält die Nationalbank ihre sehr lockere Geldpolitik bei. Besorgt ist sie weiterhin über die Entwicklung am Immobilienmarkt.

Video «Thomas Jordan zum Hypothekarmarkt» abspielen

Thomas Jordan zum Hypothekarmarkt

0:09 min, aus Tagesschau am Mittag vom 12.12.2013

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre lockere Geldpolitik. Sie hält am Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro fest. Die SNB sei bereit, den Mindestkurs wenn nötig durch den Kauf von Devisen in unbeschränkter Höhe zu verteidigen und bei Bedarf weitere Massnahmen zu ergreifen, erklärte die Nationalbank ihre Politik.

Turbulenzen nicht ausgeschlossen

Erneute Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten schliesst die SNB nicht aus. Nach Ansicht der Währungshüter besteht weiterhin die Gefahr, dass es zu einer neuen Fluchtwelle in den Franken kommen könnte, der die Landeswährung unter zusätzlichen Aufwertungsdruck bringt. Schon jetzt sei der Franken überbewertet, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan bei der Vorlage der geldpolitischen Lagebeurteilung.

Eine starke Aufwertung des Franken könnte die Konjunktur in der Schweiz abwürgen und zu Deflation führen. «In diesem Umfeld ist der Mindestkurs weiterhin zentral», sagte Jordan. Die vor mehr als zwei Jahren eingeführte Euro-Kursuntergrenze will die SNB deshalb eisern verteidigen. «Wir schliessen keinerlei Massnahmen aus, insbesondere Negativzinsen nicht», sagte Jordan.

Leitzins weiter nahe bei Null

Den Leitzins belässt die SNB auf dem sehr tiefen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent (Zielgrösse für den Dreimonats-Libor). Für die Nationalbank dominieren wegen der immer noch schwachen Konjunktur im Ausland weiterhin die Abwärtsrisiken für die Schweizer Wirtschaft, wie sie schreibt. Zudem verfolgt sie die Situation am Hypothekarmarkt weiterhin sehr aufmerksam.

Sorgen bereitet der Immobilienmarkt. Die Nationalbank ist besorgt, dass sich wegen der tiefen Hypozinsen noch mehr Preisblasen bilden. In einem Umfeld anhaltend tiefer Zinsen bleibe die Gefahr erheblich, dass sich weitere Ungleichgewichte am Hypothekar- und Immobilienmarkt aufbauten.

Dank der weiterhin tiefen Teuerung sieht die SNB keinen Anlass, die geldpolitischen Zügel anzuziehen: Ihre Inflationsprognose fällt im Vergleich zum September leicht tiefer aus. Für 2013 rechnet sie unverändert mit einer Negativteuerung von -0,2 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Inflation dann niedrige 0,2 Prozent betragen. Die rückläufige Inflation in der Eurozone und der leicht gesunkene Ölpreis hätten sich dämpfend auf die Schweiz ausgewirkt.

Das Wirtschaftswachstum schätzt die SNB für das laufende Jahr weiterhin auf rauf 1,5 bis 2,0 Prozent.

Neue Noten wollen Weile haben

Die neuen Schweizer Banknoten werden immer mehr zum Langzeitprojekt: Die 50er-Note soll frühestens im Jahr 2015 in Umlauf kommen, teilt die SNB mit. Zuerst sollten die Noten Ende 2012 kommen; dann wurde die Einführung wegen technischer Problemen beim Druck bei Orell Füssli auf 2013 verschoben.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • SNB verändert Geldpolitik nicht

    Aus Tagesschau vom 12.12.2013

    Die Schweizer Wirtschaft wird gemäss der Prognose der SNB im nächsten Jahr rund zwei Prozent wachsen. Deshalb sieht die SNB auch keinen Grund etwas an der Geldpolitik zu verändern. Der Leitzins bleibt nahe bei Null und am Euro-Mindestkurs von 1 Franken 20 wird festgehalten.

  • Nationalbank und Seco rechnen mit positivem Wachstum

    Aus Tagesschau vom 19.9.2013

    Die Nationalbank und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) haben ihre Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft im nächsten Jahr nach oben korrigiert. Allerdings hängt die Entwicklung in der Schweiz auch von der Weltwirtschaft ab, die immer noch einige Baustellen aufzuräumen hat.

  • Zwei Jahre Verteidigung der Untergrenze

    Aus Tagesschau vom 6.9.2013

    Vor zwei Jahren kündigte der damalige Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand an, der Eurokurs dürfe nicht unter 1 Franken 20 fallen. Und diese Untergrenze werde mit aller Konsequenz verteidigt. Inzwischen steht der Euro bei 1.24 und der Aufwand, den Mindestkurs zu verteidigen, ist laut Nationalbank minim