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Negativzins bleibt Schweizerische Nationalbank bekräftigt ihre Geldpolitik

Legende: Video Negativ-Zinsen bleiben abspielen. Laufzeit 1:35 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.12.2017.
  • Die Schweizerischen Nationalbank (SNB) hält wie erwartet an ihrer Geldpolitik fest: Damit werden weiterhin Schuldner mit den tiefen Zinsen beglückt und Sparer bestraft – mithin auch jene Privatpersonen und Institutionen, die Guthaben für die Altersvorsorge ansparen.
  • Das ist die praktische Folge der unveränderten expansiven Geldpolitik der SNB: Sie lässt den Zins auf den Sichteinlagen der Banken bei der Nationalbank bei -0,75 Prozent, wie SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan vor den Medien in Bern erklärte.
  • Darüber hinaus bleibt das Zielband für den Dreimonats-Libor unverändert zwischen -1,25 Prozent und -0,25 Prozent.

Jordan betonte, die SNB werde «bei Bedarf» am Devisenmarkt aktiv bleiben. Diese Aussage signalisiert, dass sich kurzfristig nichts an der aufgeblähten Bilanz der SNB ändern wird. Um den Franken vor allem gegenüber dem Euro zu schwächen und damit der schweizerischen Exportindustrie unter die Arme zu greifen, hat die SNB am Devisenmarkt Fremdwährungen gekauft und sitzt deshalb nun auf einem Berg von über 800 Milliarden Franken.

Leise Töne der Normalisierung

Dennoch gibt es in den Aussagen von Jordan leise Töne, dass man bei der SNB langsam über eine Normalisierung der Geldpolitik nachzudenken beginnt – jedoch sehr vorsichtig. Solche Anzeichen finden sich in den SNB-Prognosen zur Teuerung in den nächsten Monaten.

«Für 2018 erwarten wir eine Inflation von 0,7 Prozent», sagte Jordan. Dies ist deutlich mehr als im Vorquartal, als die Währungshüter lediglich mit 0,4 Prozent gerechnet hatten. Für die kurze Frist hat die SNB also die Prognose angehoben.

Die Inflationsprognose sei denn auch ein frühes Signal dafür, dass die Nationalbank ihre Politik normalisieren wolle, kommentiert etwa Ökonom Maxime Botteron von der Credit Suisse.

Weil die SNB aber die Inflationsprognose für 2019 unverändert bei 1,1 Prozent belässt, signalisiert sie gleichzeitig Vorsicht. «Damit gibt die SNB das klare Signal, gegenwärtig nichts an der Geldpolitik ändern zu wollen», heisst es im Kommentar von Daniel Hartmann von der Bantleon Bank.

Franken immer noch hoch bewertet

Vorsichtigen Optimismus äussert die SNB weiter in Bezug auf den Wert des Frankens. «Der Franken hat sich in den letzten Monaten abgewertet», sagte Jordan. Seit der letzten Lagebeurteilung von Mitte September hat sich der Franken gegenüber dem Euro von knapp 1,15 Franken auf gegen 1,17 Franken abgeschwächt. Auch zum US-Dollar hat der Franken seither an Wert verloren.

Dadurch habe sich die Überbewertung reduziert, aber «der Franken ist insgesamt weiterhin hoch bewertet», sagte Jordan. Im Klartext heisst dies, dass die Tendenz stimmt, weil durch die Abwertung der Franken derzeit weniger als sicherer Hafen gesucht ist.

SNB muss auf EZB achten

Aber auch hier gibt sich Jordan vorsichtig, indem betonte: «Diese Entwicklung ist aber noch fragil.» Damit signalisiert er den Finanzmärkten, dass die SNB sofort bereit ist zu intervenieren, sollte sich der Franken vor allem gegenüber dem Euro wieder aufwerten.

Überhaupt muss die SNB sehr genau auf den Euro, die Eurozone und damit die Europäische Zentralbank (EZB) achten. Denn die schweizerische Geldpolitik hängt von der des wichtigsten Handelspartners Eurozone und damit der EZB ab.

Insofern ist auch der schweizerische Negativzins von -0,75 Prozent keine Grösse aus dem hohlen Bauch, sondern dieser Zinssatz gewährleistet eine Differenz zu den Null Prozent, die die EZB für Sichteinlagen der Banken festgelegt hat. Diese Zinsdifferenz soll den Franken unattraktiver machen.

Zinserhöhung nicht vor 2019

Solange also die EZB ihre Politik nicht normalisiert, indem sie ihre Nettokäufe von Wertpapieren einstellt und ihren Leitzins anhebt, sind auch der SNB die Hände gebunden. «Je schneller die EZB ihre ultra-expansive Geldpolitik beendet, desto mehr Freiheitsgrade gewinnt die SNB zurück», kommentierte Thomas Gitzel von der VP Bank Liechtenstein.

Er folgert, dass von der SNB im kommenden Jahr nicht allzu viel erwartet werden könne, selbst im Fall eines schnelleren Inflationsanstiegs nicht, da «die EZB nicht vor dem Jahr 2019 an der Zinsschraube drehen wird».

Die Experten sind sich deshalb einig, dass mit einer Zinserhöhung der SNB folglich erst im Jahr 2019 zu rechnen sei. So lange werden in der Schweiz Schuldner belohnt und Sparer bestraft.

3 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Der Franken ist real gesehen -( man vergleiche das BIP der CH - 700Milliarden mit 14000Mia der EU ) CH = 8Mio Einw. EU = 500 Mio Einw. Das EU-BIP müsste, bei gleich starkem BIP wie die CH, 42 000 Milliarden betragen ! Also leistet die CH, das 3Fache der EU - Wirtschaft . Somit müsste der "Wert des Franken" mindestens "2 EURO" betragen ! Mit anderen Worten die SNB der Schweiz stützt den Franken künstlich mit Devisenkäufen in Milliardenhöhe ! Der Betrogene ist der Schweizer Kleinsparer -NULLZINS !
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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Weltweit bekannte Ökonomen empfehlen heute eine Währungspolitik, welche in Richtung einer Inflationsrate von 2% zieht. Wir sind in der Schweiz weit davon entfernt! Gemäss den neusten Schätzungen ses Bundesamts für Statistik sinkt unsere Inflationsrate von heute 0,5% auf 0,2% (2018) und schliesslich sogar auf 0,1% (2019). So bleibt unsere Nationalbank weiterhin unter Druck, mit ökonomisch ungünstig wirkenden Negativzinsen den Eurokurs einigermassen im Rahmen zu halten. Das darf nicht sein !!
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    1. Antwort von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
      Der Schweizerfranken ist trotz den Negativzinsen immer noch viel zu teuer. 1,17 SFr. für einen Euro ist nach wie vor unrealistisch. Erst wenn wir Kaufkraftparität erreichen, sind wir konkurrenzfähig in der Produktion. Eine ökonomisch sinnvolle Inflationsrate von 1,5-2% kann nur erreicht werden, wenn die Nationalbank die Geldmenge gezielt erhöht. Die Finanzierung eines Fonds für die langfristige Erhaltung der Infrastruktur wäre die beste Lösung, um die Geldmenge durch die Nationalbank zu steuern.
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