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Wirtschaft Negativzinsen erhöhen Risiko einer Immobilienblase

Die Zinsen auf Sparguthaben sind tief. Und sie könnten noch weiter fallen, wenn die Nationalbank Negativzinsen einführt. Mehr Rendite versprechen Anlagen in Immobilien, doch das ist riskant.

Die Schweizerische Nationalbank SNB rechnet nicht damit, dass sich ihr Entscheid, Negativzinsen einzuführen, direkt auf Kleinsparer und Bankkunden auswirken wird. Doch klar ist: Die Zinsen auf den Sparkonten von Privatpersonen werden noch lange tief bleiben, oder könnten sogar noch sinken.

Es herrscht ein «Anlagenotstand»

Wo bekommt man noch etwas für sein Geld? Das überlegt sich derzeit wohl so mancher in der Schweiz. Viele Möglichkeiten gebe es nicht, sagt Claudio Saputelli, Leiter Immobilienanalyse bei der Grossbank UBS: «Im Moment haben wir einen Anlagenotstand – ganz klar! Und hier bieten sich Immobilien ganz gut an, um die Gelder anzulegen.» Das Investment in Schweizer Backstein sei im Moment äusserst attraktiv: «Der Vorteil ist, Immobilien bieten im jetzigen Umfeld quasi einen sicheren Hafen, auch weil die Finanzierungsbedingungen unglaublich attraktiv sind, also absolut historisch tief.»

Das bestätigt auch Donato Scognamiglio, Professor an der Uni Bern und Leiter einer Immobilien-Beratungsfirma. Er sieht bei den Immobilien bereits eine klare Tendenz, wohin das Geld fliessen wird. «Freistehende Liegenschaften, Mehrfamilienhäuser: Dort wird die Nachfrage noch einmal stark zunehmen und die Preise werden stark steigen.»

Ein riskantes Geschäft

Vor allem KMU-Besitzer oder vermögende Selbständige würden jetzt einsteigen, damit ihr Geld besser rentiert. Doch dies sei riskant, warnt Scognamiglio: «Kurzfristig scheinen diese Objekte sehr attraktiv. Mittel- bis längerfristig könnte das eine Zeitbombe sein.» Denn wenn die Hypothekarzinsen wieder steigen, könnte so mancher Investor an seine finanziellen Grenzen kommen. Das habe sich schon in der Immobilienkrise der 1990er-Jahre gezeigt: «Es waren nicht primär die Einfamilienhäuschen, die die Krise ausgelöst hatten. Es waren primär Anlageobjekte, die von 1990 bis 98 fast um einen Drittel an Wert verloren hatten.»

Wenn der Markt der Mehrfamilienhäuser oder Bürobauten wie damals in Turbulenzen kommt, dann kann das den ganzen Immobilienmarkt nach unten ziehen. Und das spürt dann auch, wer solide auf ein kleines Einfamilienhäuschen gesetzt hat.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Das ist Diebstahl an der Kaufkraft des Büezers ! Der Schweizer Arbeiter produziert diese Kaufkraft durch die hohe Qualifikation und Automatisierung der Produktion . Dieser Mehrwert der Leistung gegenüber dem schwachen EURO wird ihm durch die dauernde künstliche Abwertung ( 1Fr -ist nur 0.83 EURO wert, anstatt schon lange 1 bis sogar 1.3 EURO )die Kaufkraft gestohlen . Dazu kommt der Negativzins von dem die Bauspekulanten wieder profitieren nicht der kleine Häuslibüezer .
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  • Kommentar von M,Kaiser, Rebstein
    Stimmt nicht , die Banken dürfen den Bauherren nur dann Geld geben , wenn sie selbst mindestens 40% Eigenkapital beibringen können. Das muss der Bund vorschreiben -sonst wird weiter gewurstelt -denn dann entsteht die behauptete BLASE, wenn nur wie derzeit 20 % Eigenmittel beigebracht werden müssen . Das wollen die Herren aber nicht damit sie mit dem Geld der Pensionskassen , das dem Büezer gehört weiter ihr Vermögen vergolden können - so läuft der Hase und der Igel lacht sich einen Holzfuss.
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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    "Negativzinsen erhöhen Risiko einer Immobilienblase" falsch! Der hirnlose Kauf von Immobilien ohne diese nach sauberen und fachlich kompetenten Kriterien zu bewerten führt zur Immobiliebblase. Ein Käufer sollte sich nicht auf die Bewertung des Bauherren, Makler, Architekt der sanieren soll oder Bänker der finanzieren soll abstützen. Diese Leute sind alle befangen und nicht frei für eine unabhängige Bewertung.
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    1. Antwort von K. Räschter, Thurgau
      @M.Müller, Zürich: Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Man hört immer wieder, dass Leute völlig überrissene Preise zahlen für Häuser. Ein Fall im Bekanntenkreis: ein Hauskauf war praktisch abgeschlossen, als ein neuer Käufer ohne genau hinzusehen einfach mal CHF 200'000.-- mehr gezahlt hat; d.h. anstatt 600'000.-- wurden einfach 800'000.-- gezahlt, obwohl die 600'000 schon hoch waren, da noch investiert werden musste in Renovationen. Es sollten Bandbreiten gesetzlich geschaffen werden.
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