«Nestlé ist nicht schweizerisch»

Eine strikte Umsetzung der Einwanderungsinitiative würde die Firma vor Probleme stellen. Das sagt Nestlé-Präsident Peter Brabeck in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Er wehrt sich zudem gegen den Vorwurf, dass das Geschäft mit Trinkwasser unethisch sei.

Porträt Peter Brabeck

Bildlegende: «Flaschenwasser ist nirgendwo im Wettbewerb mit Trinkwasser», sagt Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck. Keystone

Limitiert die Schweiz die Einwanderung, so wäre das für Nestlé ein Problem. Das sagt Peter Brabeck in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. «60 Prozent unserer Forschungsausgaben sind in der Schweiz», so der Präsident des Nahrungsmittelkonzerns.

Doch um den Standort Schweiz zu erhalten, müsse die Firma die besten Leute anstellen können. Wenn das nicht mehr der Fall sei, «müssen wir Forschungszentren ins Ausland verlegen.»


Interview mit Peter Brabeck

29 min, aus Samstagsrundschau vom 13.09.2014

Firma gehört Ausländern

Zwar werde der Konzernsitz stets in der Schweiz bleiben, versichert Brabeck. Doch er stellt auch klar: «Nestlé ist nicht schweizerisch.» Die Besitzer der Firma seien heute zu zwei Dritteln Ausländer; die Verantwortung des Verwaltungsrats bestehe in erster Linie gegenüber den Aktionären.

Er wolle sich nicht in Schweizer Politik einmischen, sagt Brabeck. Dennoch sei für ihn nicht verständlich, wie man auf der einen Seite «ein Standort von weltweiter Forschung und Innovation» sein wolle, und auf der anderen Seite diese Leistung nur mit lokalem Personal erbringen wolle. «Das funktioniert so nicht», hält Brabeck fest.

Wasser vs. Coca-Cola

Mit Unverständnis reagiert Brabeck auf den Vorwurf, Nestlé profitiere von der schlechten Trinkwasserversorgung in Ländern wie Pakistan, um dort seine Wasserflaschen zu verkaufen. «Flaschenwasser ist nirgendwo im Wettbewerb mit Trinkwasser», sagt der Österreicher. «Wenn, dann ist es im Wettbewerb mit anderen Getränken», wie etwa Coca-Cola.

«Ich verstehe bis heute nicht, warum ich fast schon als kriminell gelte, wenn ich Wasser in eine Flasche abfülle», so Brabeck weiter. «Wenn ich hingegen diesem Wasser Zucker hinzufüge und Farbstoffe, dann hat es plötzlich einen grossen Wert.»

«Emotionen statt Fakten»

Der Nestlé-Verwaltungsratspräsident ist der Meinung, dass das schlechte Image des Flaschenwassers mehr mit Emotionen zu tun habe als mit Fakten. «Das Wasser, das wir abfüllen, entspricht 0,0009 Prozent des für den menschlichen Verbrauch genutzten Wassers.»

Einen leichteren Ton schlägt Brabeck an, als es um weisse Flecken auf der Nestlé-Landkarte geht. «Ich glaube, es gibt keinen Ort auf der Erde, in dem es keine Nestlé-Produkte gibt», sagt er. Offenbar seien sogar in Nordkorea Produkte der Firma erhältlich, wie ihm Mitarbeiter des Roten Kreuzes mitgeteilt hätten. Diese würden hauptsächlich aus China importiert.

Sanktionen kein Problem

Keine Probleme bereiten dem Konzern vorerst die Sanktionen, die der Westen gegen Russland ergriffen hat. Dasselbe gilt für die russischen Gegenmassnahmen. «Unsere Politik ist, dass wir den grössten Teil der Produkte lokal produzieren», sagt Brabeck. Das habe zur Folge, dass in Russland über 90 Prozent der Produkte im Land selber hergestellt würden und so von Sanktionen nicht betroffen wären.