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Wirtschaft Nestlé verfehlt 2015 eigene Ziele erneut

Der Umsatz des Nahrungsmittelherstellers ist letztes Jahr organisch um 4,2 Prozent gewachsen und liegt bei 88,8 Milliarden Franken. Der Konzern bleibt damit unter seinen eigenen Erwartungen. Der Ertrag wurde vor allem durch einen Verkauf im Vorjahr beeinträchtigt.

Legende: Video «Nestlés Gewinn bricht um einen Drittel ein» abspielen. Laufzeit 1:13 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.02.2016.

Der Nahrungsmittelmulti Nestlé hat 2015 wegen des Verkaufs einer L’Oréal-Beteiligung im Vergleich zum Vorjahr weniger verdient. Der Reingewinn sank um 5,4 Milliarden auf 9,1 Milliarden Franken, was einem Minus von 37 Prozent entspricht. Der Umsatz stieg organisch um 4,2 Prozent. Insgesamt ging er aber um rund 3 Prozent zurück und beträgt 88,8 Milliarden Franken, wie Nestlé mitteilt.

Der weltgrösste Nahrungsmittel-Konzern blieb damit – wie von Analysten erwartet – bereits zum dritten Mal in Folge unter dem eigenen Langfristziel von 5 bis 6 Prozent Wachstum.

Wechselkurse wirkten sich per Saldo mit einem Minus von 7,4 Prozent auf das Geschäftsresultat aus.

Der Rückgang beim Gewinn kam vor allem durch Sondereffekte zustande. 2014 war der Gewinn mit Einnahmen aus dem Verkauf eines Teils der Anteile an L'Oréal sowie der Neubewertung der Anteile an Galderma höher ausgefallen.

Druck auf Preise hält auch 2016 an

Nestlé-CEO Paul Bulcke zeigt sich trotz höherer Erwartungen zufrieden: «Im Jahr 2015 haben wir ein profitables Wachstum am oberen Ende der Branche in einem nach wie vor herausfordernden Umfeld erwirtschaftet.»

Für das laufende Jahr rechnet Nestlé mit einem vergleichbaren organischen Wachstum wie 2015, mit Verbesserungen der Margen und des nachhaltigen Gewinns je Aktie – dies bei konstanten Wechselkursen. Der Konzern rechnet weiterhin mit einem anhaltendem Druck auf die Preise. 2015 trugen höhere Preise nur noch zwei Prozent zum Wachstum des Lebensmittelriesen bei, 2014 waren es noch 2,2 Prozent gewesen.

Enttäuschte Anleger

Anleger sind von den Ergebnissen des Konzerns enttäuscht. Insbesondere dürfte sie die rückläufige Entwicklung der Margen überrascht haben. Zudem entsprach der verhaltene Ausblick nicht dem Geschmack der Experten. Die Nestlé-Aktien büssten deutlich an Wert ein und zogen auch die gesamte Schweizer Börse ins Minus: Bei Börsenschluss lag Nestlé 3,71 Prozent tiefer als am Vortag.

Die Hoffnung auf eine Sonderdividende zum 150. Gründungsjahr erweist sich rückblickend als voreilig. Nestlé wird laut eigenen Angaben den Aktionären an der Generalversammlung im April eine Dividende von 2.25 Franken je Aktie vorschlagen. Somit würde die Dividende wie im Vorjahr um 5 Rappen erhöht.

Verbesserungen dank China erwartet

Problembereiche waren zuletzt etwa das US-Tiefkühlgeschäft oder generell China. Zu ersterem heisst es, dass der Turnaround erreicht sei, bei letzterem spricht Nestlé von einer «stärkeren Dynamik zum Ende des Jahres».

Legende: Video «Nestlé verbündet sich mit Alibaba Group» abspielen. Laufzeit 1:45 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.02.2016.

Um das China-Geschäft in Ordnung zu bringen, schickte Nestlé Mitte des Jahres die frühere Finanzchefin Wan Ling Martello ins Reich der Mitte. Verbesserungen werden insbesondere im Bereich des Onlinehandels angepeilt. Wan Ling Martello gleiste unter anderem eine Kooperation zwischen Nestlé und dem Online-Händler Alibaba auf.

Der Skandal um die Maggi-Fertignudeln ist hingegen soweit vom Tisch. Der Konzern musste die Nudeln in Indien vom Markt nehmen, nachdem Lebensmittel-Kontrolleure in einigen Paketen bedenklich hohe Bleikonzentrationen gefunden hatten.

Durch den Verkaufsstopp in Indien ging Nestlé im Geschäftsjahr 2015 nach Einschätzung von Experten rund 200 Millionen Franken an Umsatz durch die Lappen. Seit November kann Nestlé die Fertignudeln auch in Indien wieder verkaufen.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Samuel Emch

«Dass Nestlé die angepeilten 5 bis 6 Prozent Wachstum aus eigener Kraft nicht erreichen wird, war den Beobachtern und Finanzexperten klar. Überraschend ist aber, dass Nestlé auch beim Gewinn und bei den Margen die Erwartungen verfehlt hat. Insbesondere letztere sind im vergangenen Jahr gesunken. Gerechnet hat die Finanzgemeinde mit zumindest gleichbleibenden oder sogar steigenden Margen.»

Weniger Lohn für Nestlé-Spitze

Der Nestlé-Chef Paul Bulcke hat für das abgeschlossene Jahr 2015 eine Gesamtentschädigung von 9,07 Millionen Franken erhalten. Das ist etwas weniger als im Vorjahr, als ihm 9,32 Millionen Franken bezahlt worden waren. Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck erhielt im abgelaufenen Jahr 5,73 Millionen Franken nach 6,33 Millionen im Vorjahr.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Kümmerli (Robert Kümmerli)
    Nestle kann von mir aus verschwinden, ich achte mich darauf bichts von denen zu kaufen, solange die weiterhin so absolut Menschenverachtende Dinge tun wie dass was sie in Afrika machen. Wasserquellen aufkaufen und dann zu aller frechheit das auch noch am gleichen Ort wo Wasser eine absolute seltenheit ist, verkaufen. Das schlimme ist es das es Nestle nicht mal kratzt wenn dies jeder weiss...
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Und schon wieder leidet eine Traditionsfirma unter anderem unter dem starken Franken. Und immer noch findet der Chef der SNB die Aufhebung des Mindestkurses eine tolle Sache. Irgend etwas scheint in der Teppichetage nicht mehr ganz zu stimmen.
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    1. Antwort von Felice Limacher (Felima)
      Sie glauben aber nicht im ernst, dass diese Firma unter dem "starken" Franken "leidet"?
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    2. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Selten so gelacht... Ich geh mal davon aus, dass dieser Kommentar ironisch gemeint ist... Wer leidet denn unter Milliardengewinnen? Machen Sie sich mal Gedanken, über all die Menschen in der Dritten Welt, die wegen Nestlé verdursten...
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  • Kommentar von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
    Wie sagt man so schön: Jammern auf hohem (höchstem) Niveau. Wann begreift der Bürger endlich, dass 'stetiges Wirtschaftswachstum' 1. nur dem Kader / Shareholder dient und 2. früher oder später in den Abgrund führt. Eine gesunde Wirtschaft funktioniert längerfristig nur, wenn dieses Ideal endlich ersetzt wird durch 'Konstanz', 'Ethik', 'Fairness'. Das Einmaleins haben wir als Primarschüler gelernt, und als Wirtschaftsstudenten wieder verlernt, respektive gelernt, zu ignorieren...
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