Neue Hypo-Richtlinien: Freude, Enttäuschung und kritische Prüfung

Die neuen Richtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung kommen nur beim Mieterverband gut an. Die Massnahme sei richtig, hiess es dort. Weniger Freude hat der Hauseigentümerverband. Die neue Regelung erschwere die Lage des Mittelstands. Die Bundesbehörden möchten die neuen Richtlinien prüfen.

Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband SMV begrüsst den Entscheid der Schweizer Banken, bei der Hypothekenvergabe schärfere Richtlinien anzuwenden.

«Die Massnahmen sind richtig», sagte Generalsekretär Michael Töngi. Es sei ganz im Sinne des SMV, wenn die Banken sich an strengere Kriterien halten, damit eine Blase verhindert wird.

HEV ist unzufrieden

Der Schweizerische Hauseigentümerverband HEV hat hingegen keine Freude. Gemäss dem Verband wird es für Personen mit mittleren Einkommen unnötig schwieriger, sich eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen.

Wohnhäuser auf einem Berg.

Bildlegende: Einzig der Mieterverband ist über die neuen Richtlinien erfreut. Keystone

«Die Massnahmen erschweren den Zugang des Mittelstands zum Wohneigentum», sagt Michael Landolt, Ressortleiter Immobilienmarkt beim HEV. Ein breiter Zugang in der Bevölkerung sei aber wichtig. Landolt verweist auf Vergleiche mit dem Ausland, wo die Wohneigentumsquoten deutlich höher seien.

Behörden behalten Lage im Auge

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) will die neuen Richtlinien «eingehend prüfen und sofern angemessen genehmigen».

Die Behörden – die Schweizerische Nationalbank (SNB), das Eidgenössisches Finanzdepartement (EFD), die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV) und die Finma – werden die Entwicklungen am Schweizer Hypothekarmarkt weiter eng verfolgen, wie Finma-Sprecher Tobias Lux erklärte. Sie behielten sich weiterhin zusätzliche verbindliche regulatorische Massnahmen vor, falls dies die Situation erfordere.

Die Eidgenössische Finanzverwaltung begrüsst zwar die Anpassung der Standesregeln für die Vergabe von Hypotheken. Ob es damit zu einer Selbstregulierung komme, hänge von der Beurteilung der neuen Regeln durch die Finma ab, sagte EFV-Sprecher Philipp Rohr. Der Bundesrat werde über die Lage auf den Hypothekenmärkten und die beschlossenen Massnahmen nächstens diskutieren.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wollte die Massnahmen der Bankiervereinigung auf Anfrage nicht qualifizieren. SNB-Sprecher Werner Abegg erinnerte aber daran, dass die SNB die Finma in den Anstrengungen unterstütze, damit die Risikonahme einzelner Banken reduziert oder spezifisch mit Eigenkapital unterlegt wird.

Keine Entwarnung

Die Nationalbank verfolgt die Entwicklungen am Hypothekar- und Immobilienmarkt mit grosser Aufmerksamkeit, wie SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine vergangene Woche bekräftigt hat. Der Anstieg der Ungleichgewichte auf den Schweizer Hypotheken- und Immobilienmärkten habe sich jüngst zwar verlangsamt. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh.

Denn bei inlandorientierten Banken sei der Risikoappetit im vergangenen Jahr praktisch unverändert hoch geblieben, monierte die SNB. Speziell erwähnt haben die Währungshüter in ihrem jüngsten Bericht zur Finanzstabilität die Raiffeisen-Gruppe, weil deren bereits hohes Zinsänderungsrisiko vergangenes Jahr nochmals substantiell gestiegen sei.

Die SNB prüft weiterhin regelmässig, ob eine Anpassung des antizyklischen Kapitalpuffers notwendig ist. Seit Anfang 2013 müssen Banken Hypotheken mit 1 Prozent zusätzlichem Kapital unterlegen, ab 30. Juni sogar mit 2 Prozent. Möglich wäre eine weitere Erhöhung auf 2,5 Prozent, sofern der Bundesrat einen entsprechenden Antrag genehmigen würde.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Für Hypothekenbesitzer herrschen nach wie vor paradiesische Zeiten: Die Zinsen für Festhypotheken bleiben rekordtief. Eine 10-jährige Hypothek bekommt man wieder unter der psychologischen wichtigen Grenze von 2 Prozent.

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    Seit Jahren herrscht in der Schweiz ein Immobilienboom. Grund dafür sind unter anderem die tiefen Hypotheken. Doch ist der Immobilienboom gar eine Immobilienblase? Der Bund, aber auch die Banken haben in den vergangenen Jahren Massnahmen erlassen, um den Schweizer Immobilienboom zu drosseln.