Neuer Chef für die Raiffeisen-Gruppe

Pierin Vincenz tritt im März 2016 als Chef der Bankengruppe Raiffeisen zurück. Er wird dann 60 Jahre alt und will sich neu orientieren. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter. Vincenz ist in der Branche eine schillernde Figur.

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Pierin Vincenz: Ein freiwilliger Rücktritt?

3:22 min, aus Tagesschau am Mittag vom 30.1.2015

Chefwechsel bei der Schweizer Bankengruppe Raiffeisen im April 2016: Der langjährige Vorsitzende der Geschäftsleitung, Pierin Vincenz, tritt zurück. Sein Amt übernimmt sein Stellvertreter Patrik Gisel, wie die Bank mitteilt. Gisel leitet derzeit das Departement Markt.

Bild von Pierin Vincenz

Bildlegende: Pierin Vincenz hat die Raiffeisen-Gruppe gross gemacht. Heute ist sie «too big to fail». Keystone

Schillernde Figur

Mit der Wahl von Gisel setze Raiffeisen ein klares Zeichen für Kontinuität: Gisel habe als langjähriges Geschäftsleitungsmitglied die strategische Ausrichtung der Raiffeisen Gruppe wesentlich mitbestimmt.

Vincenz ist ein schlagfertiger Bankmanager und hat in der Branche mehr als einmal für Aufsehen gesorgt und. So zum Beispiel als er sich 2013 in seiner Position als Bankchef eine zweimonatige Auszeit nahm. Raiffeisen gewährt Mitarbeitern ab einer gewissen Führungsstufe und längerer Zugehörigkeit zum Unternehmen Sabbaticals von drei Monaten.

Vincenz machte Raiffeisen gross

Seit 1999 ist Vincenz Chef der Raiffeisen-Gruppe. Er habe die Genossenschaftsbank zu einem erfolgreichen, führenden Finanzinstitut der Schweiz geformt, schreibt Raiffeisen. In seiner Ära habe sich die Gruppe von einer Spar- und Hypothekenbank zur drittgrössten Bank der Schweiz sowohl in ländlichen als auch in urbanen Regionen entwickelt. Vor allem im Hypothekenmarkt wuchs Raiffeisen aggressiv.

Das Wachstum hat allerdings auch seinen Preis: Das Geflecht der über 300 Raiffeisen-Banken ist von der Nationalbank letzten August als systemrelevant für das Schweizer Finanzsystem erklärt worden. Weil die Raiffeisen-Gruppe seither offiziell als «too big to fail» gilt, muss sie ein Notfallkonzept ausarbeiten und höhere Eigenkapitalanforderungen erfüllen.

Auch Ärger eingehandelt

Mit der Übernahme der Bank Notenstein wollte Vincenz das Geschäft auch auf vermögende Privatkunden ausdehnen. Damit handelte er sich aber auch einen Rechtsstreit mit der Privatbank Vontobel ein. Vor 20 Jahren näherten sich die genossenschaftliche Raiffeisen-Gruppe und die Zürcher Privatbank einander an. Seit 2004 sind die beiden durch einen Kooperationsvertrag verbunden.

Die Übernahme der Bank Wegelin durch Raiffeisen 2012 machte die Partner zu Feinden. Denn die unter dem Namen Notenstein weitergeführte Bank positionierte sich als Konkurrentin von Vontobel. Diese wehrte sich und liess zuletzt das Schiedsgericht entscheiden: Dieses gab Vontobel recht, was bedeutet, dass Notenstein bis Mitte 2017 weiter an den Kooperationsvertrag gebunden ist. Dann läuft dieser aus.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Raiffeisen: Pierin Vincenz im «ECO»-Stresstest

    Aus ECO vom 27.10.2014

    In der Bevölkerung gilt er als einer der wenigen Banken-Chefs in der Schweiz, der die Bodenhaftung nicht verloren hat. Seine Banken geniessen einen Ruf als volksnahe Geldinstitute. Seit inzwischen fünfzehn Jahren steht Pierin Vincenz der Raiffeisen-Gruppe vor. In dieser Zeit ist sie enorm gewachsen. Das bringt auch Risiken mit sich. Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz nimmt live Stellung im «ECO»-Studio.

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