Neuer Schub für Klimaschutz?

Die Klimadebatte ist aus dem Schatten der Finanz- und Schuldenkrise herausgetreten und zurück auf der Weltbühne. Geht es nach den internationalen Organisationen UNO oder Weltbank, soll 2014 gar ein entscheidendes Jahr im Kampf gegen den Klimawandel werden.

Ein Mann mit Gesichtsmaske vor der Smog-verhangenen Skyline von Schanghai.

Bildlegende: Neben der Politik ist die Wirtschaft (hier das Finanzzentrum Pudong in Schanghai) beim Klimaschutz gefordert. Reuters

Jim Yong Kim, der Amerikaner an der Spitze der Weltbank, sprach bereits am Weltwirtschaftsforum WEF im Januar in Davos Klartext: Es sei nun an der Zeit, Massnahmen gegen den Klimawandel zu treffen. «Scheitern wir, werden uns unsere Kinder und Grosskinder dereinst fragen, weshalb wir nichts gegen den Klimawandel unternommen haben, als es noch möglich war», mahnte er.

UNO plant Sondergipfel in New York

Auch für UNO Generalsekretär Ban Ki-Moon ist der Klimawandel plötzlich wieder wichtig. Im September hält er gar einen ausserordentlichen Klimagipfel ab. Ban fordert konkrete Aktionen statt leere Worte und will Tempo machen. Tempo im Klima-Dossier, wo kleinen Fortschritten bisweilen jahrelange Verhandlungen vorangehen.

Vorwärts machen soll aber vor allem die Wirtschaft. Die Botschaft von Weltbankchef Kim an die Firmenchefs ist, nicht zu warten, bis die Marktsignale stimmen und ein internationales Abkommen zustande gekommen ist.

Klimaforscher sieht Wirtschaft als Katalysator

Der Schweizer Klimaforscher Thomas Stocker von der Universität Bern nimmt den Ball gerne auf. Er ist mitverantwortlich für die wissenschaftliche Basis des Welt-Klimaberichts. Die aktuellste Version ist eben erschienen und verheisst wenig Positives.

«Es ist wichtig, dass die Wirtschaft in der Klimafrage pro-aktiv Stellung bezieht. Denn die Politik ist verschiedenen Kraftfeldern ausgesetzt. Einerseits was vom Volk aus kommt, andererseits auch in welche Richtung die Wirtschaft zielen möchte.»

Im Klartext: Geht die Wirtschaft voraus, kann das der Politik die Verhandlungen erleichtern.

Warnung vor zu hohen Erwartungen

Doch trotz neuem Schwung in der Klima-Debatte warnt Franz Perrez vor zu hohen Erwartungen. Der Umweltbotschafter des Bundes vertritt die Schweiz seit vier Jahren an den Klimakonferenzen:

«Diese Gefahr besteht insbesondere dann, wenn die Erwartungen an jenen Punkten gemessen werden, die wir nicht erreichen können.» Dazu gehört für ihn eine verbindliche Vereinbarung der internationalen Gemeinschaft auf das Ziel, dass die Erderwärmung 2 Grad Celsius nicht überschreiten soll. Er selber wäre schon zufrieden, wenn sich die internationale Gemeinschaft überhaupt in Richtung 2-Grad-Ziel bewegt. Das zeigt klar: Auch wenn die Klima-Debatte wieder auflebt, sind rasche Fortschritte nicht garantiert.

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