NGO bezichtigen Rohstoffriesen Glencore der Lüge

Nach massiver Kritik hatte Glencore vor zwei Jahren versprochen, etwas gegen die Schwermetall-Verschmutzung durch eine Mine im Kongo zu tun. Doch nun wiederholen «Fastenopfer» und «Brot für alle» ihre Kritik: Nichts habe sich gebessert im Kongo.

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Erneute Kritik an Glencore

2:45 min, aus 10vor10 vom 17.6.2014

Auf über 100 Seiten listen die Hilfswerke «Brot für alle» und «Fastenopfer» auf, was der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore in der Demokratischen Republik Kongo nach wie vor unterlässt oder falsch macht. Einer der zentralen Punkte ist auch dieses Mal die Verschmutzung des Flusses Luilu durch Abwässer der Metallverarbeitungs-Fabrik in Glencore-Besitz.

Grenzwerte massiv überschritten

Das mit Schwermetallen belastete Abwasser würde weiterhin den Fluss in Katango im Süden des Kongos verschmutzen, werfen die Hilfswerke Glencore vor. «Der Wert von Kobalt liegt mehr als 50 Mal, jener von Kupfer mehr als 6 Mal über dem Grenzwert», sagt die Autorin des Berichts, Chantal Peyer.

Glencore hatte nach dem ersten Bericht vor zwei Jahren erklärt, die Probleme seien gelöst. Zwar habe der Rohstoffkonzern tatsächlich Auffangbecken gebaut, räumt auch Peyer ein. Doch die Messresultate der Proben, die sie genommen hätten, sprächen eine deutliche Sprache: Die Verschmutzungen würden weitergehen. Dass das Problem gelöst sei, sei «eine Lüge, die sogar schriftlich von Glencore vorliegt».

Glencore wehrt sich gegen alle Vorwürfe

Das sind happige Vorwürfe. Entsprechend deutlich reagiert Glencore. Deren Sprecher Charles Watenphul sagt, die Messresultate widersprächen den Gewässerproben, die Glencore selber vornehme. Auch die Behauptung, dass unkontrolliert Abwasser in den Kanal gelange, sei falsch. Das habe Glencore in einem öffentlichen Brief den Hilfswerken auch so mitgeteilt. «Wir begrüssen jeden Dialog mit allen Interessenvertretern – aber er muss auf den Tatsachen basieren.»

Damit steht Aussage gegen Aussage. Und das offenbart, dass die Differenzen zwischen Glencore und den Hilfswerken «Brot für alle» und «Fastenopfer» unverändert gross sind.

Symbolbild: Grossflächige Tagbau-Mine mit schwerem Gerät am Minenboden.

Bildlegende: Mine im Kongo: Oft leiden Umwelt und Menschen unter den Emissionen im Zusammenhang mit dem Rohstoffabbau. Reuters

Vom Bundesrat angestossener Dialog harzt

Eigentlich möchte der Bundesrat den Dialog zwischen der Rohstoffbranche und den Schweizer Nichtregierungsorganisationen (NGO) fördern, vor allem im Bezug auf den Rohstoffhandel. So steht es in den Empfehlungen des Grundlagenberichts Rohstoffe, welchen die Landesregierung vor einem guten Jahr veröffentlicht hat.

Im Zwischenbericht dieses Frühlings hiess es noch, der Dialog habe gestärkt werden können. Doch die Realität sieht weniger rosig aus. Die NGO haben den Drei-Parteien-Dialog bereits wieder abgebrochen.

NGO stellen Vorbedingungen

Beim eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten betreut Claude Wild dieses Dossier. Er leitet die Abteilung Menschliche Sicherheit. Zwar seien die NGO grundsätzlich an einem Dialog zwischen Bund, Industrie und Nichtregierungsorganisationen interessiert, sagt er.


Es steht Aussage gegen Aussage

3:27 min, aus Rendez-vous vom 17.06.2014

Doch: «Sie denken, dass es noch zu früh ist, weil noch nicht alle ihre Bedingungen erfüllt sind.» Das heisst: Bis auf Weiteres keine gemeinsamen Gespräche an einem Tisch. Eine Herausforderung im Bestreben nach Lösungen. Doch Wild bleibt zuversichtlich: «Wir arbeiten weiter an diesem Standard und treffen die NGO weiterhin auf informeller Basis.»

Das Ziel gemäss Rohstoff-Bericht, gemeinsam Vorschläge für Sozialstandards für den Rohstoffhandel zu erarbeiten, die dann auch den ökologischen Auswirkungen Rechnung tragen, ist damit zwar nicht direkt in Gefahr. Doch eine rasche Lösung wird es ohne direkte Beteiligung aller Parteien wohl nicht geben.

Verluste ausgewiesen

Die NGO weisen auch darauf hin, es sei erstaunlich, dass die Glencore-Minen im Kongo jedes Jahr Verluste ausweisen würden, während der Preis für Kupfer gestiegen und die Nachfrage zugenommen habe. In den letzten fünf Jahren habe Glencore 157 Mio. Dollar auf Kosten des kongolesischen Staates «optimiert», so die Vorwürfe. (sda)