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Wirtschaft «Nicht nur die Börse ist wichtig, auch das Lächeln der Leute»

Seit Anfang Juli ist Tidjane Thiam neuer Kopf der CS. Heute verriet der französisch-ivorische Doppelbürger SRF News, wie er sich die Zukunft seiner Bank vorstellt und wie er sich den Respekt seiner Mitarbeiter verdienen will.

Porträt eines Mannes
Legende: «Das Lächeln der Mitarbeiter ist wichtig», sagt Tidjane Thiam, neuer CEO der Credit Suisse. Keystone

Tidjane Thiam scheint der Gegenpol eines Brady Dougan zu sein. Das sieht man im Kleinen. Daran etwa, dass er das Gespräch in einer Landessprache – auf französisch – führen möchte.

Zwar rühmt er gewisse Resultate, die sein Vorgänger noch verantwortet hat. Das Geschäft in Asien mit den Reichen zum Beispiel. Auf diese Stärken könne die Bank aufbauen. Sonst aber sucht Thiam ein anderes Geschäftsmodell als das von Dougan. Auf- und Umbau ist sein Thema.

Ziel: Kapital anhäufen

Sein Ziel sei es, dass alle Unternehmensbereiche gut verdienten. So gut, dass sie dazu beitragen sollen, zusätzliches Kapital auf die hohe Kante zu legen. Das Kapital seiner Bank sei knapp.

Nicht alle Bereiche rentierten gleich. Der Druck steige somit. Welche Geschäftsbereiche denn auf der Kippe stünden? Thiam weicht aus. Es sei ihm klar, dass das interessant sei. Aber er sage es erst, wenn sie die Arbeit gemacht hätten. Es ist somit noch nicht klar, ob er das Messer beim risikobehafteten und schwankenden Investmentbanking ansetzen wird. Bei dem Bereich, den sein Vorgänger Dougan noch stark verteidigt hatte.

Thiams Tour de Suisse

Bis Ende Jahr gibt er sich und seinem Team Zeit. Anders als Dougan will Thiam seine Mitarbeiter in den Überprüfungsprozess einbeziehen. Die Credit Suisse könne diesen Prozess nur erfolgreich durchführen, wenn die Mitarbeiter dahinter stünden. Deshalb geht Thiam im September auf eine Art Tour de Suisse.

Er will alle CS-Fililalen der Schweiz besuchen. Ein grosses Reiseprogramm steht dem 52-Jährigen bevor. Einiges dürfte sich also verändern innerhalb der Grossbank. Wann wird er zufrieden sein? Nicht nur der Börsenkurs sei wichtig. Bei ihm zähle auch das Lächeln der Leute. Wenn die Mitarbeiter stolz seien, für die Firma zu arbeiten. Und das soll auch die Kundschaft merken. Die Betreuung solle besser werden.

So sieht die ideale Zukunft aus – doch der Härtetest steht bevor. Thiam muss schon bald seine eigenen Resultate verantworten – und nicht mehr jene seines Vorgängers.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    In den letzten Jahren, haben sich doch alle (grosse Unternehmen, Banken, Politiker) nur noch an den Börsen orientiert. Rendite über alles heisst es im Westen, dabei bleibt vieles auf der Strecke, zu Lasten der Kunden, womit die nicht mehr lächeln können oder wollen
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  • Kommentar von Giovanni Caputo, 8046
    Als Mitarbeiter wird man wie ein Kunde 3. Klasse behandelt. Da vergeht einem das Lächeln schnell einmal. Aber das war den Angelsachsen egal. Hauptsache deren Bonus war gross genug. Betonung auf deren Bonus.
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  • Kommentar von Rita Meier, Luzern
    Bei der CS mangelt es an elementaren Dingen: der Kunde wird mit "Hallo" angesprochen, Aufträge werden verschlampt, Verantwortung wird delegiert usw, Ich wünsche und hoffe, dass Mr. Thiam diesem Grundübel mal auf den Zahn fühlt und die zuständigen Teamleiter zur Rechenschaft zieht.
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