Novartis-Aktionäre nur wenig aufmüpfig

An der Generalversammlung haben die Aktionäre bei der Konsultativabstimmung über die Vergütung für Verwaltungsräte und Geschäftsleitung nur leichte Kritik geübt. Selbst genehmigten sie sich erneut eine höhere Dividende.

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Generalversammlung Novartis

2:38 min, aus Tagesschau am Mittag vom 25.2.2014

Die erste Generalversammlung nach der Ära Vasella verlief für den neuen Novartis-Präsidenten Jörg Reinhardt positiv. Die Anträge des Verwaltungsrates wurden allesamt angenommen und die Kritik an Kontrollgremium und Management blieb verhältnismässig bescheiden.

Nachdem Daniel Vasella im vergangenen Jahr noch mit kühler Kritik überschüttet worden war - insbesondere für die geplanten 72 Millionen Franken Entschädigung für ein Konkurrenzverbot – hielten die Aktionäre für den neuen Präsidenten mehrheitlich wohlwollende Wärme bereit.

Die Aktionäre des Pharmariesen Novartis genehmigten sich unter anderem die 17. Dividendenerhöhung in Folge auf 2,45 Franken pro Aktie.

Verwaltungsräte einzeln wiedergewählt

Als Folge der neuen Schweizer Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Gesellschaften standen erstmals alle Mitglieder des Verwaltungsrats und Jörg Reinhardt als Präsident des Verwaltungsrats einzeln zur Wiederwahl für ein Jahr an. Die Generalversammlung wählte alle Mitglieder mit grossen Mehrheiten, wie Novartis in einer Mitteilung schreibt.

Lohnabstimmung für VR gibt zu reden

Die Aktionäre befürworten in beratender Abstimmung zudem den Gesamtbetrag der Vergütung des Verwaltungsrats (VR) für den Zeitraum von der Generalversammlung (GV) 2014 bis zur GV 2015. 77,1 Prozent der Aktionäre stimmten dem Vergütungsbericht für den Verwaltungsrat zu. 21,7 Prozent lehnten ihn allerdings ab.

Vor dieser Abstimmung meldeten sich etliche Aktionäre zu Wort. Sie kritisierten die Art und Weise, wie Novartis die Vergütung des Führungsgremium zur Abstimmung bringt: Der Pharmakonzern lässt nämlich über die Löhne und Boni abstimmen, bevor überhaupt klar ist, wie die Firma im Geschäftsjahr gewirtschaftet hat. Novartis wolle die Vergütung des Verwaltungsrats stärker an das Niveau in der internationalen Gesundheitsbranche und in anderen Schweizer Industrieunternehmen anpassen, erklärte der Verwaltungsrat.

Aktionärssorgen sind vielfältig

Zustimmung der Aktionäre fand ebenso der Gesamtbetrag der fixen und variablen Vergütungsanteile, die an die Mitglieder der Geschäftsleitung für das Geschäftsjahr 2013 ausgerichtet wurden. Die Stimmung an der Generalversammlung in Basel war viel entspannter als noch zu Zeiten von VR-Präsident Daniel Vasella. Das oberste Führungsgremium erhielt sogar auch Lob von den Aktionären.

Insgesamt nahmen 2123 Aktionäre an der Veranstaltung in Basel teil. In den allgemeinen Wortmeldungen vor der Abstimmung zu den Traktanden zeigte sich auch, wie vielfältig die Sorgen der Aktionäre sind. Sie reichen von möglichen unethischen Verhalten bei Medikamentenversuchen an Menschen in Schwellenländern bis zum wiederum fehlenden Apéro nach der Generalversammlung.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Novartis-GV erstmals im Sinn der Abzockerinitiative

    Aus Tagesschau vom 25.2.2014

    Der Basler Pharma-Konzern Novartis hat als erster grosser Konzern in der Schweiz eine Generalversammlung nach den neuen Regeln der Abzockerinitiative abgehalten. Die Aktionäre machten von ihrer erweiterten Macht allerdings keinen Gebrauch.

  • Marktübliche Löhne bei Novartis

    Aus 10vor10 vom 5.2.2014

    Der neue Verwaltungsratspräsident des Pharmakonzerns Novartis Jörg Reinhardt soll deutlich weniger Lohn als sein Vorgänger Daniel Vasella erhalten. Sein Salär entspreche «am Markt üblichen Grössenordnungen». Da kommen Fragen auf: Ist «marktüblich» plötzlich viel weniger als früher? Wirkt hier die Abzocker-Initiative von Thomas Minder?