Novartis geht Korruptions-Vorwürfen in der Türkei nach

Der Pharmakonzern geht anonymen Vorwürfen nach, in der Türkei Schmiergeld bezahlt zu haben. Novartis solle sich Vorteile beim türkischen Gesundheitsministerium verschafft haben. Damit nicht genug: Auch in den USA gibt es Bestechungsvorwürfe.

Das Logo der Novartis

Bildlegende: Durch Bestechung soll sich der Konzern Geschäftsvorteile im Volumen von zirka 85 Millionen Dollar verschafft haben. Keystone

«Wir nehmen alle Vorwürfe ernst und untersuchen sie gründlich», sagte ein Sprecher von Novartis. Details nannte er nicht. Er bezog sich dabei auf eine der Agentur Reuters vorliegende anonyme Mail, in der dem Konzern vorgeworfen wird, über eine Beratungsfirma Bestechungsgeld an Vertreter des türkischen Gesundheitsministeriums weitergeleitet zu haben.

Durch dieses Geld habe sich der Konzern Geschäftsvorteile im Volumen von schätzungsweise 85 Millionen Dollar verschafft. Konkret gehe es um die Zulassung bestimmter Medikamente und Preisvorteile.

Novartis erklärte, die Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma Alp Aydin beendet zu haben. Die Firma sowie die türkische Aufsichtsbehörde SSI waren zunächst nicht für Stellungnahmen zu erreichen.

Ungemach auch in den USA

Novartis steht auch in den USA am Pranger. Die US-Behörde hat ihre bereits laufenden Untersuchungen wegen Bestechungsvorwürfen massiv ausgeweitet. Der Pharmakonzern will sich mit einer Schutzanordnung dagegen wehren, weitere Dokumente herausgeben zu müssen.


Anschuldigungen gegen Novartis

2:38 min, aus HeuteMorgen vom 30.03.2016

Die ursprünglichen Untersuchungen gehen auf einen ehemaligen Novartis-Mitarbeiter zurück, der zum Whistleblower geworden war. Er hatte dem Pharmaunternehmen vorgeworfen, in den USA luxuriös gestaltete wissenschaftliche Vorträge vorgetäuscht zu haben, um die teilnehmenden Ärzte dazu zu bringen, Novartis-Medikamente bevorzugt zu verschreiben.

Bei Analysten hat diese jüngste Wendung für Vorsicht gesorgt. Ein Citigroup-Analyst geht davon aus, dass dem Unternehmen Strafen von mehr als 2 Milliarden Dollar drohen könnten. Ein Branchenbeobachter von J. Safra Sarasin hebt hervor, dass es zwar Jahre dauern könnte, bis der Fall gelöst sei, dennoch sei es ein weiterer Faktor, der über der Aktie schwebe.