«Novartis ist heute gut aufgestellt»

Novartis hat letztes Jahr weniger Umsatz gemacht und weniger verdient. Besonders schlecht lief das Geschäft mit Augenheilmitteln. Die Geschichte des 1996 aus der Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz hervorgegangenen Konzerns sei dennoch eine Erfolgsgeschichte, sagt Iwan Lieberherr.

Drei Packungen Alcon-Linsenpflegemittel in einem Regal.

Bildlegende: Das Geschäft mit Kontaktlinsenpflegemitteln harzt, dabei sollte Alcon zum Wachstum beitragen. Keystone

SRF News: 20 Jahre ist es bereits her, seit Novartis aus der Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz entstanden ist. Es war damals die grösste Firmenfusion der Welt. In Bestform ist Novartis derzeit nicht. Was fehlt dem Pharmakonzern?

SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr: Vor allem eine Sparte schwächelt im Moment: die Augenheilmittel von Alcon. Dazu gehört das Geschäft mit Pflegeprodukten für Kontaktlinsen, das nach Angaben von Finanzanalysten derzeit nur schleppend läuft. Der Umsatz mit Kontaktlinsen sinkt, Geräte für Augenoperationen sind weniger gefragt – namentlich in der Wachstumsregion Asien. Novartis habe im Augenheilmittelgeschäft den Anschluss verloren, bemängeln einige Analysten. Novartis-Chef Joe Jimenez hatte Alcon vor fünf Jahren teuer eingekauft – für 51 Milliarden Dollar. Er sprach damals von einer Wachstumsperle. Heute kündigte er an, die Sparte mit umfangreichen Umbaumassnahmen bis Mitte 2016 wieder auf Kurs bringen zu wollen.

Augenheilmittel sind die zweitgrösste Sparte, nach den verschreibungspflichtigen Medikamenten. Ist Novartis 20 Jahre nach der Entstehung trotzdem ein Erfolg?

Das kann man so sagen. Novartis ist zwar momentan in einer schwierigen Phase. Doch der Konzern ist heute ein gut aufgestellter, fokussierter Gesundheitskonzern. Wenn man sich daran erinnert, was da vor 20 Jahren noch alles dabei war: Saatgut, Pflanzenschutz, Bauchemie, Tiergesundheit, Babynahrung … Davon hat sich Novartis unterdessen getrennt und sich auf drei Bereiche konzentriert: Augenheilmittel, verschreibungspflichtige Medikamente und Generika.

«  Novartis-Chef Joe Jimenez sprach bei Alcon von einer Wachstumsperle. »

Aber es gibt eine kleine Delle, weil bei wichtigen Medikamenten der Patentschutz ausläuft. Konkret: Glivec, das Mittel gegen Blutkrebs, mit dem Novartis Milliardenumsätze macht, verliert dieses Jahr den Patentschutz. Hier drohen also Umsatzeinbussen. Die neuen potenziellen Blockbuster kommen nicht so schnell auf den Markt, wie geplant. So ein potenzieller Blockbuster ist Entresto, ein Medikament gegen Herzversagen. Doch die Markteinführung in den USA verzögert sich. Und: Um ein neues Medikament einzuführen, braucht es grosse Marketinganstrengungen – das kostet. Ärzte zögern, Patienten kurzerhand auf ein neues Medikament umzustellen. Neben Entresto hat Novartis aber auch andere Mittel in der Pipeline.

Das «Projekt» Novartis ist also trotz des Rückschlags auf Kurs?

Ja, die Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz von 1996 ist sicher gelungen. Novartis wird die gegenwärtige Delle bestimmt überwinden können. Der Gesundheitskonzern ist gut aufgestellt; nicht nur mit seinen verschreibungspflichtigen Medikamenten, sondern auch mit der Sparte Sandoz, die Nachahmermedikamente – also Generika – herstellt. Und wie erwähnt: Novartis hat mit Entresto einen potenziellen Blockbuster in der Pipeline. Es gibt aber auch noch weitere: Cosentyx – ein Mittel gegen Schuppenflechten beispielsweise. Am langfristigen Erfolg dieser neuen Medikamente zweifelt derzeit niemand.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Novartis enttäuscht

    Aus Tagesschau vom 27.1.2016

    Der Basler Pharmakonzern Novartis hat im vergangenen Jahr weniger Umsatz gemacht. Er ist um fünf Prozent auf 49,4 Milliarden Dollar gesunken. Der Konzern befindet sich noch immer in einem Umbau.

  • Novartis-Chef Joe Jimenez will der Augenheilmittelsparte Alcon wieder mehr Aufmerksamkeit widmen.

    Novartis baut Augenheilsparte um

    Aus Rendez-vous vom 27.1.2016

    Weniger ist mehr, sagte sich Novartis vor zwei Jahren - und kündigte an, sich künftig auf drei Sparten konzentrieren zu wollen. Eine dieser drei bereitet dem Schweizer Pharmakonzern nun Sorgen: Das Geschäft mit Augenheilmitteln. Konzernchef Joe Jimenez will es ankurbeln. Wie?

    Eveline Kobler