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Wirtschaft Novartis: Wegzug aus Basel unter Umständen zwingend

Novartis will in Basel bleiben, aber nicht um jeden Preis. Je nach Lösung im Steuerstreit mit der EU würde der Pharmakonzern seine Holding in einen anderen Kanton verlegen, sagt Novartis-Steuerchefin Barbara Kessler gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «ECO».

Teil des Novartis-Campus
Legende: In Basel seit der ersten Stunde. Für Novartis kein Grund, für immer zu bleiben. Keystone

Während Jahren lebte die Schweiz gut davon, dass sie ausländische Firmen mit günstigen Steuersätzen ins Land lockte. Der Trick: Die Kantone besteuerten im Ausland anfallende Gewinne tiefer als solche, die in der Schweiz erwirtschaftet wurden. Das war besonders attraktiv für Konzerne, die grosse Gewinne ausserhalb der Schweiz erzielen.

Die Folge: Dutzende von Milliarden-Konzernen verlegten wahlweise ihren Hauptsitz, die Europa-Zentrale oder globale Einkaufs-Gesellschaften in die Schweiz. Vielfach profitierten davon die Kantone Zug, Zürich, Schaffhausen oder die Waadt. Ebenfalls attraktiv war die Steuerregelung für Rohstoffhändler. Letztere zog es vor allem in den Kanton Genf.

Die Ungleichbehandlung von ausländischen und inländischen Erträgen will die EU inzwischen nicht mehr tolerieren. Sie setzte der Schweiz ein Ultimatum bis Mitte 2013. Dann muss eine Lösung auf dem Tisch sein.

Genf will 13 Prozent Steuern für alle Unternehmen

Genf preschte vor: Der Kanton will die Unternehmenssteuern für alle Firmen auf ein Niveau senken, auf dem heute nur ausländische Erträge besteuert werden: 13 Prozent. Es ist eine Lösung, die die Steuereinnahmen vieler Kantone empfindlich schmälern würde. Nicht nur das: Forschungsintensive Firmen wie etwa Novartis würden unter Umständen sogar bestraft, weil sie derzeit – dank geschickten Steuerdeals – sogar noch weniger zahlen als die von Genf anvisierten 13 Prozent.

Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass sich der Kanton Basel-Stadt, der Standort-Kanton von Novartis, für ein anderes Modell einsetzt. Eine allgemeine Gewinnsteuer-Senkung sei nur auf den ersten Blick eine einfache Lösung, sagt die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog. Für Basel-Stadt hiesse das aber einen Verlust von Milliarden von Steuereinnahmen. «Das ist kein Lösungsansatz für die Schweiz», bekräftigt Eva Herzog gegenüber «ECO». Sie schlägt vor, dass Firmen stattdessen für Einnahmen aus Lizenzabgaben deutlich tiefer besteuert werden. Ein Modell, das die EU toleriert.

Allein: Für Genf ist das keine Lösung. Denn Handelsfirmen, wie sie in Genf typischerweise anzutreffen sind, leben nicht von Einnahmen aus Lizenzgebühren. Ihre Steuerbelastung würde deshalb tendenziell steigen.

Sollte sich in der Ausmarchung unter den Kantonen das Genfer Modell durchsetzen, hätte dies Konsequenzen für Basel: «Wenn Basel das Privileg fallen lässt und keine Alternative anbietet, dann können wir nicht hier bleiben. Das weiss die Steuerverwaltung Basel», sagt Barbara Kessler, Leiterin Steuern bei Novartis: «Wir könnten es unseren Aktionären nicht zumuten, Hunderte von Millionen mehr Steuern zu bezahlen, wenn wir ganz einfache Alternativen haben, allein schon innerhalb der Schweiz.»

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Die linksgrün regierte Stadt Basel mit der SP-Finanzdirektorin Eva Herzog zeigt die Inkonsequenz der linken Politik, trotz Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit und sehr kritischer Einstellung gegenüber Grosskonzernen kommt man genau denselben bei der Besteuerung kräftig entgegen, vermutlich im Interesse der Sozialausgaben, die dann damit finanziert werden können. Dasselbe Phänomen im ebenfalls linksgrün dominierten Kanton Genf. Und erregt das Missfallen der EU, wohin die Linke gehen möcht...
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Die Grosskonzerne wollen, wie andere Bereiche auch, sich subventionieren lassen. - Sie nutzen dabei nicht selten ihre "too-big-to-fail" Situation auch gezielt ein. Faustregel: Je grösser die Firma, desto mehr Einfluss kann die Firma erfolgreich ausüben. Wenn wundert es da noch, wenn an anderer Stelle zB. sogar ganze Nationen nach deren eigenem Intressen massiv manipulieren bzw. fast gar sich über die Rechtsstaatlichkeit stellen. - So sieht die freie Wirtschaft eben auch aus !!!
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  • Kommentar von David Rothen, Bern
    Dieser Erpresserkultur der Grosskonzerne darf man ja nicht nachgeben! Z.B.: wieviel hat Glencore in den letzten 2 Jahren an Steuern bezahlt? 0 Franken, 0 Rappen. Dank einem Gesetz das Ex-BR Merz mit der Schützenhilfe der SVP durchgebracht hat. Das alles also ganz legal, trotz Milliardengewinne, trotz Boni in Millionenhöhe für die CEOs. Man fürchtet, die Konzerne könnten ja wegziehen, dann würden wir (im Falle der Glencore) ganze 0 Franken Steuern verlieren!
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    1. Antwort von h. anni, zürich
      Sie vergessen dabei eines und das sind all die Steuereinnahmen der Angestellten. Würden Novartis, Glencore etc etc ins Ausland ziehen, hätten Tausende von Leuten bei uns keine Arbeit mehr, würden den restlichen Steuerzahlern mit ihrer Arbeitslosigkeit auf der Pelle hocken und wir hätten Millionen weniger Steuern zur Verfügung, selbstverständlich nicht etwa bei der AHV/IV, sondern für unsere Asyl- und Entwicklungshilfegelder nota bene. Ich finde ihre Argumentation nicht sehr überdacht, so...
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    2. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ h.anni: Sie vergessen, dass wenn all diese Firmen ins Ausland ziehen, wieder viel Boden und Geschäftsräume frei werden für neue Unternehmen. Und diese Firmen werden ein wesentlicher Teil ihres Personals wieder mitnehmen, so wie ein wesentlicher Teil ihres Personals zur Einwanderung beiträgt - und zur Belastung von Infrastruktur, zur Erhöhung der Boden- und Wohnpreise, zur Erhöhung des CHF usw. Genug der Schwarzfahrer in diesem Lande!
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