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Wirtschaft Nur der Wunschkandidat hat eine Chance

Unternehmen werden bei Stellenbesetzungen immer wählerischer. Bewerber müssten dem Jobprofil mindestens zu 95 Prozent entsprechen, sonst lassen die Firmen die Stellen lieber unbesetzt, sagt ein Jobvermittler.

Ein Bewerbungsgespräch
Legende: Neun Bewerbungsgespräche müssen qualifizierte Fachkräfte im Durchschnitt durchlaufen, bis sie einen Job finden. Colourbox

Das Outplacement-Unternehmen Lee Hecht Harrison, LHH, vermittelt mittlere und höhere Kaderleute, Spezialistinnen und Fachkräfte und hat in den letzten beiden Jahren rund 2000 Personen bei der Stellensuche betreut.

Unternehmen werden immer wählerischer

Das Fazit aus dieser Beratungstätigkeit: Sieben Monate Stellensuche, 46 Bewerbungen und 9 Bewerbungsgespräche brauchte es im Durchschnitt, bis gut qualifizierte Arbeitskräfte eine neue Stelle fanden.

Die Unternehmen seien immer wählerischer geworden, sagt dazu der Geschäftsführer von LHH Schweiz, Pascal Scheiwiller: «Man muss genau die richtige Fachausbildung haben. Man muss zu 95 Prozent mindestens dem Sollprofil des Unternehmens entsprechen, sonst wird man nicht mehr eingestellt.»

Lieber unbesetzt als nicht genau passend

Anders gesagt: Ein Unternehmen lässt heute lieber eine Stelle monatelang unbesetzt und sucht weiter nach dem ganz genau passenden Spezialisten, anstatt jemanden anzustellen, der oder die noch etwas Einarbeitungszeit oder Weiterbildung nötig hätte.

Weshalb das so ist, zum Beispiel in der Chemie- und Pharmabranche, erklärt Marcel Sennhauser, der Sprecher des Branchenverbandes Scienceindustries: «Unsere Industrie ist sehr forschungsintensiv. Da brauchen wir hochqualifizierte Mitarbeiter. Diese müssen genau mit dem Jobprofil übereinstimmen, weil das ganz spezifische Fragestellungen sind, die diese Mitarbeiter bearbeiten.»

«Der 100 prozentige Treffer kommt selten»

Und wenn diese Spezialistin in der Schweiz nicht gefunden wird, dann sucht das Unternehmen eben weiter, ergänzt Pascal Scheiwiller. «Bisher hat man dieses Bedürfnis eigentlich kompensiert, indem man ausländische Fachkräfte importiert hat.»

Doch dies dürfte künftig schwieriger werden, da die Zuwanderung beschränkt werden soll. Einer von ihnen, der mit Unterstützung der Outplacement-Berater von LHH eine neue Stelle gefunden hat, ist Urs Glaus. Der Maschinenbau-Ingenieur musste wegen einer Umstrukturierung in seinem Unternehmen eine neue Stelle suchen. Er hatte Glück und fand schon nach kürzerer Zeit eine neue Stelle. «Ich habe mich für verschiedene Stellen beworben. Glücklicherweise konnte ich mich auch vorstellen und mich vor Ort noch einmal meine Stärken und Erfahrungen herausstreichen», sagt Glaus.

Das persönliche Gespräch sei wichtig, damit man sich gegenseitig ein Bild machen könne und plötzlich feststelle, dass man gut zueinander passe, auch wenn das Stellenprofil und das Bewerbungsdossier nicht völlig übereinstimmten! «Ich denke bei jeder Stelle müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber irgendwelche Differenzen überbrücken. Der 100 prozentige Treffer kommt sehr selten.»

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Fischer, Uster
    Das kann ich voll unterschreiben, deshalb ist es auch so schwer, etwas zu finden für Stellensuchende und für die Firmen. Es will einfach niemand mehr in Mitarbeiter investieren, doch nur so bleiben sie einem erhalten. Der 100% Treffer macht denselben Job bei der Konkurrenz. Es ist klar, dass Unternehmen nur die scheinbar passendsten Mitarbeiter wollen, dabei vergessen Sie oft die weichen Faktoren. Heutzutage wird der CV mit der Ausschreibung wortwörtlich verglichen, der Gewinner bekommt den Job.
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  • Kommentar von AW, Herzogenbuchsee
    Ich habe mich in diesem Jahr neu orientiert und innerhalb von gut zwei Monaten einen neuen und tollen Job mit 51 Jahren gefunden. Was hilft, sind nebst guter Ausbildung auch ein gutes Netzwerk. Dies muss aufgebaut, unterhalten und gepflegt werden. Daher kann man mit guten Beziehungen auch einen Job erhalten, bei dem man nicht zu 100% dem Stelenprofil entspricht, jedoch auch muss 95% erfüllt werden. Die Beziehungen sind dann nur das Zünglein an der Waage, wie man so schön sagt.
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    1. Antwort von P. Bürger, Schaffhausen
      Gratuliere! Ihr Beispiel zeigt, dass es noch Menschen gibt, welche auch mit > 50 noch an sich glauben, nicht einfach den Kopf hängen lassen und vor allem NICHT die Schuld an ihrer Situation den Ausländern in die Schuhe schiebt! Wünsche ihnen viel Erfolg und Befriedigung!
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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Die Einstellung eines Mitarbeiters für eine anspruchsvollere Position (z.B. techn. Aussendienstmitarbeiter, technischer Verkauf, Projektleitung ecc.) stellt für jede Firma ein Risiko dar und bedeutet bei einer Fehlbesetzung nicht nur Zeit- sondern, viel schlimmer, auch Umsatz- und Marktanteilverlust. Es ist deshalb sehr gut nachvollziehbar das die Firmen bei der Mitarbeiterauswahl vorsichtig sind.
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