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Wirtschaft Ölpreis: Europas «Old Economy» benachteiligt die Wirtschaft

Der Ölpreis hat sich zwar in jüngster Zeit erholt. Doch die Industrieunternehmen weltweit stecken die Folgen des Zerfalls der Öl- und Rohstoffpreise immer noch in den Knochen. Dabei fällt auf, dass die Firmen in Europa und der Schweiz stärker gelitten haben als die amerikanischen Konzerne.

Ölförderung in Bahrain
Legende: Das Öl ist günstig wie nie. Für die Wirtschaft ist das nicht positiv. Keystone/Archiv

Der tiefe Ölpreis hat bei zahlreichen Industrieunternehmen Umsätze und Gewinne schrumpfen lassen. Europa trifft es dabei härter als die USA. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Beratungsunternehmens EY, vormals Ernst & Young. Markus Schweizer von EY sagt zu der Studie: «Die Struktur der Top 300 Unternehmungen in den USA ist stärker auf New Economy ausgerichtet, währendem Europa noch zu Old Economy tendiert.»

Old- gegen New-Economy

Die «Old Economy» Europas ist laut Schweizer stark vom Öl- und Rohstoffsektor abhängig. Europa habe deutlich mehr Konzerne aus dem Bergbau und der Metallgewinnung. Zudem gebe es zahlreiche Unternehmen wie ABB oder Siemens, deren Kunden im Öl- und Gasgeschäft tätig seien und die jetzt wegen des Preiszerfalls entsprechend klamm seien.

Diese «Old Economy» Europas ist ein kapitalintensives Geschäft, basiert sie doch auf einer teurer Infrastruktur und starren Fabriken. Entsprechend können diese Firmen nur schwerfällig auf Krisen wie den jüngsten Rohstoff-Preiszerfall reagieren. So sagt denn auch der Fachmann von EY: «Wir haben bereits im letzten Jahr festgestellt, dass sich US-Unternehmen schneller auf Krisen einstellen können und auch schneller wieder aus Krisen hervorgehen.»

Europa muss digitaler werden

Besonders agil sind Tech-Firmen wie Apple, Google oder Microsoft: Sie geben in der US-Wirtschaft längst den Takt an: «In den USA haben wir unter den Top 300 Unternehmen 32 Firmen aus der Informationstechnologie, in Europa sind es nur die Hälfte, nämlich 14.»

Hier müsse sich Europa jetzt sputen, ist Markus Schweizer überzeugt. Die klassischen Industriezweige müssten dringend digitaler, agiler werden. Und damit würden sie auch krisenfester.

Old- / New-Economy

Als Old Economy werden klassische Industrien bezeichnet. Also jene, die materielle und greifbare Güter herstellen – wie etwa die Maschinenbau-, die Automobil-, die Bau- oder die Chemieindustrie. Unternehmen der New Economy hingegen bauen ihr Geschäftsmodell auf das Internet auf. Die Produkte dieser Unternehmen sind nicht greifbar.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Dietmar Pfahl (dpfahl)
    Da interessiert mich jetzt schon, wie ein Kraftwerk, ein Zug, ein Krankenhaus, ein Gotthard-Tunnel oder ein Auto "digitaler und agiler werden soll". Gerade in der neuen Welt der Indutry 4.0 bzw. Internet of Things, werden die 'Things' schon auch noch benoetigt werden. Wichtig ist allerdings in der Tat, dass die Industrie der "Things" weg kommen muss von den alten Rohstoffen (Oel, Kohle, etc.). Aber es gibt ja andere Energie-Quellen ...
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Die amerikanische Wirtschaft lebt ja auch seit Jahren fast vollkommen auf Pump, was so lange gut geht, wie das Vertrauen in die Währung bestehen bleibt. Nachhaltig ist das mit Sicherheit nicht. und dann ist es ganz klar nicht nur die Schwerindustrie die in Europa schwerfälliger ist. auch die Personalintensiven Sektoren wie z.B. Dienstleistungen oder IT werden in Europa nie die völlig gleiche Agilität bekommen. Schliesslich haben sie ja mehr zu bieten als 2 Wochen Kündigungsfrist.
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Mit der Elektrifizierung der Wirtschaft (Mobilität und Wärmesektor) und dem Ersatz der fossilen durch erneuerbare Kraftwerke gibt es für die Old-Economy tatsächlich sehr viel zu tun. Wenn sie das nicht schon vor über 10 Jahren selbst bemerkt und entsprechend mit dem Umsatteln begonnen haben, sind sie selbst schuld.
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