Ohne Freiwillige geht’s nicht im Schweizer Tourismus

Ohne Freiwillige könnten Schweizer Tourismus-Gebiete viele Events nicht mehr durchführen. Dies würde ihre Attraktivität mindern und letztlich ihre Marktposition schwächen. Die Destinationen sind gefordert. Denn: Die Suche nach Freiwilligen wird aufwendiger, so eine Studie der Hochschule Luzern.

Skifahren aus der Ich-Perspektive

Bildlegende: Auch in der neuen Wintersport-Saison brauchen Schweizer Tourismus-Destinationen wieder zahlreiche freiwillige Helfer. Colourbox

Die Wintersport-Saison steht vor der Tür. Bald werden sich wieder viele freiwillige Helfer in den Dienst ihrer Gemeinde stellen und dazu beitragen, dass die Infrastruktur bereit ist für die Gäste.

Insbesondere bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen zählen Schweizer Destinationen auf unentgeltliches Engagement. Es sei eine Grundbedingung, damit ein «Grossteil der Veranstaltungen» überhaupt stattfinden können. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Hochschule Luzern, die «ECO» in Auszügen vorliegt und demnächst veröffentlicht wird. Mit Freiwilligen lassen sich personelle Kapazitäten ausweiten, ohne die Finanz-Budgets zu belasten.

Studienleiter Urs Wagenseil sieht in den Helfern einen Faktor, der grossen Anteil habe am «wirtschaftlichen Wohlergehen ganzer Tal- und Bergregionen». Sie würden den Tourismus unterstützen, der in solchen Gebieten «eine ganz zentrale Wirtschaftsdisziplin» sei. Von ihm hänge die lokale oder regionale Volkswirtschaft teils entscheidend ab.

Doch die Rekrutierung von Freiwilligen wird aufwendiger, zumal die Anzahl und Grösse der Events zunehmen. Eine zentrale Erkenntnis der Befragung in 79 Tourismus-Orten lautet: «Die grosse Herausforderung für Tourismus-Organisationen besteht darin, genügend Freiwillige zu finden und dennoch auf eine gewisse Verbindlichkeit und Qualität der Leistung zählen zu können.»

Bratwurst allein reicht nicht

«Ohne Freiwillige geht in unserer Branche nichts», zitiert die Studie den Direktor von Tourismus Interlaken, Stefan Otz. Er bilanziert: «Eine Bratwurst und ein Händedruck genügen heute nicht mehr». Verpflegung, Bekleidung oder Feste für die Helfer werden mittlerweile als Selbstverständlichkeit erachtet. Die Destinationen müssen stärker auf die Bedürfnisse der Freiwilligen eingehen – erst recht, wenn sie sie längerfristig an sich binden wollen.

Noch mehr akzentuiert sich das Problem bei der Besetzung von Posten mit grösserer Verantwortung. Vor allem kleinere Tourismus-Organisationen sehen sich gezwungen, hierfür auf Ehrenamtliche zu setzen. Die Studie streicht heraus, dass diese Rekrutierung Schwierigkeiten bereite «aufgrund der regelmässig anfallenden Pendenzen, der erwarteten Verpflichtungen und der für diese Aufgaben spezifisch notwendigen Kompetenzen».

Folgen für eine ganze Region

Video «E. Ledergerber zu Freiwilligen der Leichtathletik-EM» abspielen

E. Ledergerber zu Freiwilligen der Leichtathletik-EM

0:32 min, vom 14.11.2013

Selbst (inter-)nationale Gross-Anlässe setzen auf Freiwillige, etwa die Leichtathletik-EM in Zürich. Sie wird die grösste Sport-Veranstaltung 2014 in der Schweiz sein. Ihre Helfer entlasten das Budget um mehrere Millionen Schweizer Franken. Ohne sie könnte der Event in dieser Form nicht durchgeführt werden, was die Region entscheidend träfe.

Elmar Ledergerber, Präsident von Zürich Tourismus, rechnet mit 100‘000 zusätzlichen Übernachtungen: «Das entspricht einem Umsatz von rund 50 Millionen Franken, die sich auf Hotellerie, Gastgewerbe, Handel, Kultur und öffentlichen Verkehr aufteilen.» Auch hier profitiert also die Tourismusbranche und mit ihr ein ganzer Wirtschaftsraum direkt oder indirekt vom Einsatz der Freiwilligen. Mehr dazu gibt es im «ECO-Spezial» vom 18. November.

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