Onlinehandel boomt – trotzdem gibt es einige Verlierer

Der Umsatz des Internethandels nimmt weiter zu. Doch nicht alle Onlinehändler sind gleich erfolgreich. Vor allem kleine Webshops haben kaum eine Zukunft. Über Erfolg und Misserfolg entscheidet oft das Marketingbudget – nicht das Produkt.

Ein Mann beim Sortieren eines Bergs Kartonschachteln, die als solche des Onlinehändlers Amazon zu erkennen sind.

Bildlegende: Bestellen per Internet, Lieferung frei Haus: Der Internethandel boomt. Keystone

Beim Onlinehändler brack.ch lief das Weihnachtsgeschäft rund. Die Mitarbeiter hätten auch mal Überstunden leisten müssen, um die vielen Bestellungen zu bewältigen, sagt Mediensprecher Daniel Rei. Betroffen seien vor allem die Logistiker, welche besonders viele Kameras, Computer oder TV-Geräte für den Versand verpacken mussten.

Beliebte Unterhaltungselektronik

Nicht nur bei brack.ch ist Unterhaltungselektronik ein Renner. Inzwischen kaufen viele Kunden ihren Fernseher oder ihren Computerzubehör im Internet. Denn dabei handle es sich meist um Markenprodukte, deren Preise im Internet einfach verglichen und die Artikel gleich bestellt werden könnten, erklärt Thomas Hochreutener vom Marktforschungsinstitut Gfk. «Das ist in anderen Märkten teilweise nicht gegeben.»

Wenn man vergleicht, welche Produkte in Onlineläden besonders oft gekauft werden und welche weniger, gibt es grosse Unterschiede. So mache bei den Lebensmitteln der Onlinehandel derzeit nur gerade ein Prozent aus, während es bei der Unterhaltungselektronik bereits ein Viertel sei, so Hochreutener. Bei Büchern, CDs und DVDs seien es sogar bereits 30 Prozent, die übers Netz verkauft werden.

Onlinehandel nimmt weiter zu

Inzwischen geben Schweizerinnen und Schweizer jedes Jahr rund 6,5 Milliarden Franken beim Internet-Shopping aus. Das sind sechs Prozent des jährlichen Gesamtumsatzes im Detailhandel, Tendenz weiterhin klar steigend.


Auffallen um jeden Preis

3:47 min, aus Rendez-vous vom 22.12.2014

Trotzdem will Hochreutener nicht von einem Boom sprechen. Denn nur ein Drittel der Webshops wächst auch tatsächlich, wie der Detailhandelsexperte schätzt. Ein weiteres Drittel verzeichne sinkende Umsätze. «Es gibt also auch einige Verlierer.»

Mittlerweile werden auf über 10'000 Internetseiten mit der Endung .ch Produkte feil geboten. Darunter sind viele Nischenanbieter und klassische Läden, die nebenbei einen Onlineverkauf betreiben. Genau diese kleinen und unprofessionellen Webshops verzeichnen Umsatzeinbrüche oder verschwinden gar ganz, stellt Hochreutener fest.

Es braucht teure Werbekampagnen

Die Schwierigkeit für sie bestehe darin, dass überhaupt jemand auf ihre Website komme. Denn die grösste Herausforderung im Onlinegeschäft sei es, aufzufallen. Es brauche grosse und teure Werbekampagnen um Kunden anzulocken, so Hochreutener.

Das war auch die Strategie des Onlinehändlers brack.ch, wie Mediensprecher Rei erklärt. In den letzten zwei Jahren habe man etliche auffällige Marketing-Aktionen lanciert. «Wir mussten in der Bekanntheit zulegen, um weiter wachsen zu können», so Rei.

Online-Handelsplattformen werden wichtiger

In ihrer Gesamtheit werden die Umsätze im Onlinegeschäft auch in den nächsten Jahren wachsen, prognostiziert Marktforscher Hochreutener. Dabei entscheide meist das Marketingbudget über den Erfolg oder Misserfolg.

Zudem würden in Zukunft Marktplätze wie Ebay oder Ricardo immer wichtiger. Diese Handelsplattformen leben meist nicht vom Verkauf eigener Produkte, sondern sie bieten vor allem kleineren Händlern eine Plattform für den Verkauf an. Gerade angesichts des Dickichts aus unzähligen Webshops würden diese Onlinemarktplätze eine immer wichtigere Rollen spielen, zeigt sich Hochreutener überzeugt.