Orascom kauft sich mit 1 Milliarde Dollar frei

In Ägypten haben sich die Familie Sawiris und ihr Unternehmen Orascom mit den Behörden geeinigt: Gegen die Zahlung von rund einer Milliarde Dollar wird ein Steuerverfahren eingestellt. Damit verhindert die Familie Sawiris einen langwierigen Rechtsstreit.

Der ägyptische Generalstaatsanwalt hat das Reiseverbot gegen Onsi und Nassef Sawiris aufgehoben, den Vater und den Bruder von Samih Sawiris. Letzterer baut in Andermatt eine Luxus-Ferienanlage.

Onsi und Nassef Sawiris sind Haupteigentümer des ägyptischen Konzerns Orascom Construction Industries. Ihnen war vorgeworfen worden, mit ihrem Konzern Steuern hinterzogen zu haben.

Eine aussergerichtliche Einigung sieht nun vor, dass Orascom dem ägyptischen Staat umgerechnet eine Milliarde Dollar bezahlt. Damit seien die Steuerschulden 2007 bis 2010 beglichen, hiess es aus ägyptischen Gerichtskreisen.

Onsi und Nassef Sawiris dagegen halten an ihrer Darstllung fest, dass juristisch alles in Ordnung gewesen sei. Orascom begründete die Einigung denn auch damit, man habe die Wahl gehabt entweder zu bezahlen oder einen langen Rechtsstreit in Kauf zu nehmen.

Orascom verlegt Sitz nach Amsterdam

Mit der Einigung erhält Orascom von den ägyptischen Behörden nun auch grünes Licht für die Kotierung seiner Aktien in Amsterdam. Das sei wohl der Hauptgrund gewesen, auf den Vergleich einzutreten, sagt Astrid Frefel gegenüber Radio SRF. Sie ist NZZ-Korrespontin in Ägypten. Die Orascom-Konzernzentrale wird damit nach Amsterdam verlegt, nur das Tagesgeschäft bleibt in Kairo.

Demomstranten in Kairo.

Bildlegende: Angestellte von Orascom protestieren am 13. März gegen die Strafuntersuchung und das Reiseverbot gegen die Sawiris. Keystone

«Der Fall Orascom ist ein Beispiel dafür, dass es in Ägypten zurzeit keine Regeln gibt, wie man mit Streitfällen aus der alten Zeit umgeht», schätzt die Journalistin den Fall ein. Denn die ägyptische Justiz stecke im politischen Strudel fest.

Dies bringt auch andere ägyptische Unternehmen dazu, über die eigene Zukunft nachzudenken. So seien die Besitzer des zweitgrössten Konzerns Ägyptens derzeit in Verhandlungen mit Investoren aus Dubai, ergänzt Frefel. Grosse Teile des Geschäfts sollen verkauft werden. «Das ist ein Trend, der der Regierung gar nicht gefällt.» Denn funktionierende Konzerne würden in der momentan schlechten Wirtschaftslage dringend gebraucht in Ägypten.