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Wirtschaft Pensionskassen: 2,7 Milliarden «vergessene» Gelder

Womöglich haben Sie mehr Geld in der Altersvorsorge als Sie wissen: 2,7 Milliarden Franken an Einlagen mit unbekanntem Besitzer liegen bei der Auffangeinrichtung der Pensionskassen – über eine Milliarde mehr als 2009. Aber verzagen Sie nicht: Die Chancen stehen gut, dass Sie ihr Geld wiederfinden.

Bündel von Banknoten
Legende: Von 10 Rappen bis mehrere Tausend Franken liegen auf den 600'000 Konti mit unbekannten Besitzern. Keystone

Meist gehen die Gelder bei einem Stellenwechsel oder Arbeitsunterbruch vergessen, sagt Max Meili, Geschäftsleiter der Stiftung Auffangeinrichtung BVG, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Dann liegt es nämlich am Arbeitnehmer zu entscheiden, ob die angesammelten Gelder von der Pensionskasse des alten Arbeitgebers in jene des neuen oder an eine andere Einrichtung transferiert werden sollen. Tut er dies nicht, landet das Geld spätestens zwei Jahre nach dem Austritt bei der Auffangeinrichtung.

Diese nimmt, wenn möglich, Kontakt mit dem Kontoinhaber auf. Hat dieser aber neben der Stelle auch noch die Adresse gewechselt, wird es schwierig. Die Auffangeinrichtung verwaltet das Geld, bis eine entsprechende Anfrage eingeht.

Von 10 Rappen bis 4500 Franken

Dank einer besseren, systematischen Datenerfassung könnten immer mehr Konteninhaber ausfindig gemacht werden, sagt Meili. Mittlerweile kann bei 34 Prozent der insgesamt gut 900'000 Konten bei der Auffangeinrichtung der Besitzer kontaktiert werden, 62 Prozent des verwalteten Kapitals gelten als «zustellbar».

Trotzdem nimmt, in absoluten Zahlen, auch die Menge der unzustellbaren Konten zu. 599'212 waren es im letzten Jahr, fünf Jahre zuvor erst 426'303. Mittlerweile werden über 2,7 Milliarden Franken «unzustellbares Kapital» verwaltet, gut eine Milliarde mehr als noch 2009.

In der Regel sind es eher kleine Pensionskassenguthaben, die vergessen gehen und bei der Auffangeinrichtung landen. Auf einigen Konten liegen gerade einmal 10 Rappen, im Schnitt sind es 4500 Franken.

Geld bei der Ausreise vergessen

Ein wichtiger Grund für die Zunahme der Anzahl vergessener Konten sei die Globalisierung, sagt Meili. Erstens verbringen immer mehr Schweizer eine gewisse Zeit im Ausland, sei es für die Arbeit oder für eine Auszeit. Diese Leute vergessen dann, dass sie die angesammelten Pensionskassengelder in der Schweiz von der Kasse des alten Arbeitgebers in eine neue Vorsorgeeinrichtung überführen müssten.

Zweitens arbeiten aber auch immer mehr Ausländer in der Schweiz. Viele kennen das System der zweiten Säule nicht und lassen bei der Rückkehr in die Heimat das Geld in der Schweiz zurück. Eine weitere Erklärung sei, sagt Meili, dass die Leute heute häufiger umziehen als früher und so schwieriger auffindbar sind.

33'000 Anfragen letztes Jahr

Wer vermutet, er habe «vergessene Pensionskassengelder», kann über die Zentralstelle 2. Säule eine Anfrage starten. Allein im letzten Jahr sind dort rund 33'000 Anfragen eingegangen – deutlich mehr als noch vor einigen Jahren, wie die Zentralstelle auf Anfrage mitteilt. Gründe für die Zunahme seien Medienberichte zum Thema, aber auch Behörden, die etwa bei Ergänzungsleistungs- oder Sozialhilfebezügern genauer nachfragten.

Eine Anfrage lohnt sich häufig. In 42 Prozent der Fälle werden ein oder mehrere Konten entdeckt. Letztes Jahr konnte die Auffangeinrichtung eine Rekordsumme von 940 Millionen Franken ausbezahlen beziehungsweise an eine neue Pensionskasse überweisen. Darin eingerechnet sind allerdings auch Gelder von Personen, die über ihr Konto informiert waren, dieses aber aus irgendeinem Grund noch nicht transferiert hatten.

Anspruch verfällt am 100. Geburtstag

Doch selbst wer von sich aus nicht aktiv wird, hat mit Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters gute Chancen, entdeckt zu werden. Bei weiterhin bestehenden Guthaben vergleicht die Zentralstelle dann die Kontodaten mit den Daten der AHV-Ausgleichskassen. Selbst Angaben aus dem nahen Ausland werden teilweise einbezogen. «Da die meisten auf irgend eine Weise Altersleistungen beziehen, werden auf diesem Weg viele Leute gefunden», sagt Meili.

Erst wenn eine Person bis zu ihrem 100. Geburtstag nicht ausfindig gemacht werden kann, verfällt ihr Anspruch. Dann fliessen die Gelder in einen allgemeinen Topf des Sicherheitsfonds der Zentralstelle, der am Ende allen Versicherten zu Gute kommt.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Man hat die Namen der Versicherten, und die Daten dazu... so lassen diese sich finden oder ihre Angehoerigen.. man muss nur wollen.. Auch ich war versichert.. aber die Firma existiert nicht mehr und welche Kasse es war???? Beim Stellenwechsel wurden Guthaben nicht transferiert.. in der Vergangenheit.. heute geht das ja automatisch..
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  • Kommentar von Gerhard Himmelhan, 3904 Naters
    Seit 1948 existiert die, AHV. Eine Einzige Fürsorgeeinrichtung für das ganze Land. Und es funktioniert gut. Hat sich bestens bewährt. Egal bei welcher Firma die jeweilige Person beschäftigt ist. Ich frage mich schon seit Jahren warum in der ganzen Schweiz ca. 250 Pensionskassen existieren und warum da seitens der Regierung noch nie etwas unternommen wurde das Pensionskassensystem gleich wie die AHV zu organisieren. Kann mich da jemand aufklären!
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    1. Antwort von Werner Aebi, 3904 Naters
      Guten Abend. Eben weil in der Regierung selten Visionäre sitzen, das sind mehrheitlich Verwalter(innen), die einfach ihren Job tun. Allerdings sind Säule 1 und 2 sehr unterschiedlich: in der AHV zahlen die Arbeitnehmer die Pensionierten direkt, die Pensionskasse schöpft die Gelder aus dem Kapitalmarkt. Ich bin weder gegen diverse Pensionskassen noch gegen deren Organisation, sondern wünschte mir eine PK als persönliche (Ansprech-)partnerin.
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    2. Antwort von Franz NANNI, 3904 Naters
      Die AHV war gedacht, allen Arbeitnehmern und ihren Partnern ein sorgenloses Leben nach der Arbeitsfaehigkeit zu gewaehrleisten.. leider hat man es versaeumt, die Praemien so anzupassen, dass die AHV diesem Auftrag gerecht wurde.. es waere jedenfalls der einfachste Weg gewesen das Ziel zu erreichen, Da hat die Politik einmal mehr versagt. Und wieviel Lobbyismus dahinter steckte wird fuer immer unbekannt bleiben!!!
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    3. Antwort von E. Waeden, 3904 Naters
      Vor allem weil man ja weiss, dass bei jedem Wechsel in eine andere Pensionskasse Geld verloren geht!
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    4. Antwort von gerhard Himmelhan, 3904 Naters
      Herr Aebi, vielen Dank für die prompte Antwort. "Die Pensionskasse schöpft die Gelder aus dem Kapitalmarkt". Wie ist das zu verstehen. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen regelmässig ihren &-tualen Anteil in die jeweilige Pensionskasse ein und beziehen dann eine entsprechende Pension. So ist es in meinem Falle. Woher kommt denn das Geld im Kapitalmarkt, wohin fliessen den die mtl. Prämien? Eine Pensionskasse = ein Verwaltungsrat somit weniger Kosten, meine ich. Gruss
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    5. Antwort von Werner Aebi, 3904 Naters
      Grüezi Herr Himmelhan. Vorweg: Ich bin kein Spezialist. Aber soviel ich verstehe, investieren alle PK in langfristige Anlagen (es gab allerdings schon kurzfristige, die in die Hose gingen). Trotzdem: Auf dem Kapitalmarkt lässt sich schon länger mehr Geld verdienen als auf dem Arbeitsmarkt. Demnach haben auch die "Kleinen" etwas von diesem Überfluss, der sonst an ihnen vorbeigeht. Noch was: Just haben wir die Einheits-Krankenkasse abgelehnt ...
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  • Kommentar von Felix Müller, Bern
    Kommt jetzt die Volksinitiative, die die SNB Devisen der Pensionskassensanierung und der AHV zuführen will?
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