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Wirtschaft «Pensionskassen geraten langfristig in Schwierigkeiten»

Geld auf der Bank lohnt sich nicht mehr, im Gegenteil: Es kostet sogar. Das ist das Prinzip der Negativzinsen, eingeführt von der Nationalbank, um den Franken zu schwächen. Doch nun warnen die Ökonomen der UBS vor den Folgen – unter anderem für die Altersvorsorge.

Legende: Video UBS-Chefökonom Kalt warnt vor den Folgen der Negativzinsen abspielen. Laufzeit 3:26 Minuten.
Vom 06.03.2015.

Seit Wochen gibt die Massnahme der Nationalbank, den Euro-Franken-Mindestkurs aufzugeben, zu reden. Im Januar hat die Nationalbank zusätzlich negative Zinsen auf Geld eingeführt, das bei ihr deponiert wird. Das Ziel damals: den Franken zu schwächen.

Die Negativzinsen seien denn auch bestimmt in gewissem Umfang schuld daran, dass der Franken nach dem ersten Schock nicht noch stärker sei, hält UBS-Chefökonom Daniel Kalt fest. Gleichzeitig weist er aber auch auf schädliche Nebenwirkungen langfristig negativer Zinsen hin: «Sparen wird bestraft, sich Verschulden wird belohnt.»

Negativzinsen fördern Stellenabbau

Weil Kredite günstig zu haben sind, während Arbeitskräfte teurer werden, bauen Schweizer Unternehmen weiterhin Stellen ab oder verlagern sie ins günstigere Ausland. Konkret könne Arbeitslosigkeit in der Schweiz bis 2017 von derzeit über drei auf über fünf Prozent ansteigen, je nach Entwicklung der Weltwirtschaft.

Auch das Geschäft der Banken selbst werde durch die Negativzinsen belastet, meint der Bankökonom. Einerseits sei es schwierig negative Zinsen an die Kunden weiterzugeben, anderseits müssten die Banken sich für viel Geld absichern gegen das steigende sogenannte Zinsänderungsrisiko.

Klassisches Bankgeschäft gefährdet

Heute nehmen sie relativ tiefe Zinsen ein auf Hypotheken, die sie auf lange Frist vergeben: «Wenn das allgemeine Zinsniveau in vier, fünf Jahren einmal stärker steigen sollte, müssen die Sparkonten höher verzinst werden. Aber diese Hypotheken, die auf zehn Jahre mit sehr tiefen Zinsen vergeben wurden, werfen natürlich nicht höhere Zinsen ab», führt Kalt aus. Damit könne das klassische Bankgeschäft sogar unrentabel werden, was einige Banken zusätzlich unter Druck setzen könnte.

Legende: Video Negativzinsen belasten Altersvorsorge abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 06.03.2015.

Und nicht zuletzt sind die Negativzinsen auch für die Altersvorsorge ein Problem. Insbesondere Pensionskassen suchen bereits jetzt verzweifelt nach Möglichkeiten, ihr Geld zwar sicher, aber dennoch so anzulegen, dass es genügend Rendite abwirft, um den immer länger lebenden Menschen ihre garantierte Rente auszubezahlen.

Das Tiefzinsumfeld und die Tatsache, dass auch sie auf ihren Konti bei der Nationalbank Negativzinsen bezahlen müssen, könnte viele Kassen in ernsthafte Schwierigkeiten bringen, ist der UBS-Ökonom überzeugt.

Negativzinsen – folgenschwer, aber notwendig?

Lohnt sich die Massnahme Negativzinsen angesichts all dieser möglichen negativen Folgen dennoch? Kalt weicht aus: «Das ist ein Abwägen, und zwar ein unsicheres», sagt der Bankökonom. Schliesslich hänge es vom Szenario ab, das man bei der Frage zeichne, wie schnell die Zinsen wieder in den positiven Bereichen gingen.

Die Kosten der Massnahme Negativzinsen werden bislang allgemein unterschätzt. Ob der Nutzen trotzdem überwiegt, werden wir wohl erst im Rückblick sagen können.

22 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Birchmeier, Würenlingen
    Ich frage mich: Stimmt das System mit der Pensionskasse überhaupt noch? Jetzt wo wir schlechte Verzinsungen haben? Sollte nicht daher die AHV aufgewertet werden? Ist der Wille da, das System zu ändern? Da sind heute viele Eigeninteressen verstrickt. Versicherungen, Immobilien usw. Das nicht alles zum "Volkswohl".
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  • Kommentar von Felix Müller, Bern
    Die UBS hat in dieser Frage handfeste eigene Interessen... Argumentation, sowie Stilisierung der UBS als 1950er Schullehrbuch Bank, sind Augenwischerei. Die UBS auf der Seite der Arbeitnehmer, das wäre mal eine unheilige Allianz.
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  • Kommentar von Andreas Strahm, Langnau
    Die meisten Kommentare sind daneben. Es geht hier um die Pensionskassen. Diese ist für Angestellte weder freiwillig, noch können die Arbeitnehmer bestimmen, wie die PK das Geld anlegen sollen. Versagen die Säulen der Altersvorsorge, so wird der Druck auf die Sozialwerke zunehmen, worauf die Leistungen massiv gekürzt werden müssen. Dann könnte es unter den Brücken plötzlich eng werden. Also spare ich trotz mickriger Rendite weiter, damit ich länger anständig leben kann.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Die PK könnten mit einer viel schlaueren Anlagepolitik, nähmlich mit viel mehr Unterstützung von KMU zu einer blühenden Unternehmenslandschaft CH führen. PK Gelder werden von negativzinsen nur dann in entscheidendem Masse getroffen, wenn sie unsinnigerweise gehortet werden statt dass sie wieder Wohlstand fördernd der Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden.
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    2. Antwort von Charles Dupond, Vivis
      @Bernouilli - Na dann fragen Sie mal die Amis, deren Pansionsguthaben mit den Bruchbuden, die sie bankrott auf die Strasse stellten, nicht nur um die Inflation, sondern gar ganz wegschmolzen. Das - sogar real - sicherste sind die Praemien der Jungen im Umlageverfahren. Zumal bei einem Kollabs der Lohneinkommen die PK-Rentner mit noch horrenderen "Einkommens"steuern noch krasser ausgepresst wuerden....
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