Zum Inhalt springen

Wirtschaft Postfinance-Chef zum Kreditverbot: «Weg mit dieser Restriktion»

Die Postfinance erhält eine Banklizenz. Allerdings beschränkt die Politik weiterhin das Betätigungsfeld des Unternehmens: Kredite und Hypotheken darf die Postfinance auch in Zukunft nicht vergeben. Chef Hansruedi Köng wäre diese Restriktion am liebsten los, wie er im Interview mit «ECO» sagt.

Legende: Video Hansruedi Köng über Anlagen und Geschäfte der Postfinance abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus ECO vom 17.12.2012.

Die Postfinance wird zur Bank. Vor Kurzem hat das Geldhaus der Schweizerischen Post eine entsprechende Lizenz zugesprochen erhalten und wird im Juni 2013 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Postfinance-Schalter
Legende: Bedeutende Schweizer Bank: Die Postfinance hat 2,6 Millionen Privatkunden. Keystone

Die Postfinance ist eine Geldsammel-Maschine: In nur acht Jahren hat sie die Kundengelder mehr als verdreifacht – auf derzeit 103 Milliarden Franken. Immer mehr Menschen haben wegen der Finanzkrise und des Misstrauens gegenüber  Banken ein Post-Konto eröffnet und ihr Geld dorthin verschoben. Tendenz weiter zunehmend.

39 Milliarden zinslos bei der SNB  

Dieses Geld legt die Postfinance auf dem Kapitalmarkt an. Vor allem in Obligationen. Mehr als die Hälfte ist im Ausland investiert. Laut Hansruedi Köng, seit Anfang Januar 2012 Postfinance-Chef, ist dies wegen der Enge des Schweizer Marktes notwendig: «Wir müssen uns breit diversifizieren. Da halten wir uns nicht unbedingt an geografische Grenzen, sondern investieren das Geld dort, wo es sicher ist und eine adäquate Rendite erwirtschaftet.»

Allerdings: Die Postfinance hat auch 39 Milliarden Franken bei der Schweizerischen Nationalbank deponiert – dieses Geld bleibt zinslos und damit ohne Rendite.

Kein Wunder, würde die Postfinance die Milliarden gerne wie eine normale Bank auch als Firmenkredite und Hypotheken ausleihen. Trotz Banklizenz darf sie das gemäss Postgesetz aber weiterhin nicht. Hansruedi Köng sagt gegenüber «ECO», dass er die auferlegte Restriktion für ökonomisch falsch halte. Die Postfinance könne zwar mit diesem politischen Willen umgehen. Aber der Postfinance-Chef gibt zu: «Wenn ich frei wünschen dürfte, würde ich sagen: Weg mit dieser Restriktion.»

 Chance für eine eigene Volksaktie

Doch was heute nicht sein darf, könnte noch werden. Ex-Postfinance-Chef und Ex-Post-CEO Jürg Bucher, der sich jahrelang für eine Banklizenz stark gemacht hat, blickt in die Zukunft: «Die Postfinance ist heute die Volksbank in der Schweiz. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich in ein paar Jahren Mitarbeiter, Kunden und andere Personen am Kapital beteiligen könnten. Das ist eine Chance für eine eigentliche Volksaktie.»

Die Aktienmehrheit solle aber beim Bund bleiben, so Jürg Bucher. Das sei auch sinnvoll, da die Postfinance per Gesetz verpflichtet sei, den Schweizer Zahlungsverkehr sicherzustellen.

Bericht zum Thema

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Armin Bühler, Chur
    Die Bankenlobby im Parlament schützt die Interessen der Banken, in dem sie potentielle Wettbewerber behindert. Dieses Tun nützt zwar den Banken, schadet aber leider letztlich der Schweizer Volkswirtschaft im Gesamten genauso wie die Beibehaltung/Duldung von "too-big-to-fail"-Banken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Richard Keller, Zürich
    Die Postfinance ist längst auf dem Weg zu einer gierigen Bank, mit gierigen Managern, mit komplett überzogenen Boni. Ethische Werte? Orientierung auf die Schweizer Wirtschaft? Schwachsinn, her mit dem möglichst hohen Profit - das ist die heutige Devise. Ich kündige mein Postfinance Konto, weil die Postfinance mit dem meiner Meinung nach übelesten Profiteure CS und UBS gut mithalten kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Hypotheken ja aber sie sollten an ökologische Grundsätze (sparsamer Umgang mit knappen Ressourcen bei knappen (Geld-) Mitteln) gebunden sein, z.B.: Die Postbank soll nur Neu- /Umbauten belehnen, die ein Zertifikat über Energieverbrauch (inkl. „grauer“ Energie“) und über einen Selbstversorgungsgrad an Strom & Wärme nachweisen können (z.B. Wärme-Kraft-Kopplungen oder/und überhängende 100% Solardächer für Wärme &Strom). Man würde Milliarden an importierten fossilen Energieträ...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen