Ein Mythos verblasst Privatbankiers im Niedergang

Die Schweizer Privatbankiers sind legendär, doch es gibt immer weniger von ihnen. Nur noch sechs sind übriggeblieben.

Video «Nur noch wenige Privatbanken in der Schweiz» abspielen

Nur noch wenige Privatbanken in der Schweiz

1:48 min, aus Tagesschau vom 11.5.2017

Die Privatbankiers galten einst als Rückgrat des Schweizer Finanzplatzes: Ihre Geschichte reicht über 250 Jahre zurück. Mit ihrer bedingungslosen Verpflichtung gegenüber ihren Kunden begründeten sie den Mythos des Bankenlands Schweiz.

s

Bildlegende: SRF

Doch es werden immer weniger. Heute haben nur noch sechs aller rund 250 Schweizer Banken den Status als Privatbankiers. Im Bankengesetz ist definiert, was es dafür braucht: Eine Rechtsform mit einem oder mehreren Teilhabern, die mit ihrem persönlichen Vermögen unbeschränkt für ihre Bank haften. Seit 1997 ist diese Bezeichnung in der Schweiz auch als Marke geschützt. Damit wollte die Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers einer Verwässerung oder missbräuchlichen Verwendung des Begriffs vorbeugen.

Nur noch 600 Angestellte arbeiten für Schweizer Privatbankiers

Auch diese Massnahme vermochte dem fortschreitenden Verschwinden der Schweizer Privatbankiers nicht Einhalt zu gebieten. In den letzten 20 Jahren ist ihr ihr Bestand nochmals um zehn geschrumpft. Eine Zäsur fand insbesondere zu Beginn des Jahres 2014 statt. Damals gaben gleich vier traditionelle Privatbankiers ihre althergebrachte Rechtsstruktur auf: Pictet, Lombard Odier, Mirabaud und La Roche. Begründet wurde dies mit der Internationalisierung des Geschäfts und mit den einseitig auf Aktiengesellschaften ausgerichteten Regulatorien.

Personalbestand Schweizer Privatbankiers SNB

Im Herzen sei er Privatbankier der alten Schule geblieben, sagt Yves Mirabaud, Chef der 1819 gegründeten Mirabaud-Gruppe. Seine Bank hat diesen Status aber nicht mehr. «Das Modell der Kommanditaktiengesellschaft wird von den Regulatoren besser verstanden», erklärt der Genfer. Die Zäsur von 2014 zeigt sich auch bei den heutigen Personalbeständen der Privatbankiers. Arbeiteten zuvor noch knapp 4'200 Mitarbeiter für die Privatbankiers, sind es heute nur noch rund 600.

«  Wir beschäftigen keine kurzfristig denkenden Manager. »

Zumindest Jürg Staub, Gesellschafter der Bank Reichmuth & Co, ist von der traditionellen Rechtsform der Schweizer Privatbankiers aber nach wie vor überzeugt: «Unsere Kunden sind vor allem Unternehmer. Diese schätzen unser Modell sehr. Wir beschäftigen keine kurzfristig denkenden Manager, sondern bleiben unseren Kunden über Generationen verpflichtet.»

Wie lange die Privatbankiers noch überleben werden, steht in den Sternen. Das Geschäftsumfeld ist nicht einfach: Tiefe Zinsen, mehr Regulierung, steigende Kosten. Jürg Staubs Bank Reichmuth & Co gehört jedenfalls zu den sechs Letzten ihrer Art.