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Prognose zur Autoindustrie Bob Lutz: «Die Autokonzerne wissen, dass es vorbei ist»

Selbstfahrende Autos verändern alles. Automarken gehören bald der Vergangenheit an, sagt Ex-Auto-Top-Manager Bob Lutz.

Mann im Auto, Hände vom Steuer weggenommen
Legende: Test eines selbstfahrenden Autos auf einer Autobahn in Peking Reuters

Die USA treiben die Entwicklung von selbstfahrenden Autos voran. Schon bald sind diese auf der Strasse zugelassen. Die neue Art der Mobilität wird das Geschäftsmodell der etablierten Autokonzerne auf den Kopf stellen, sagt der ehemalige Auto-Top-Manager Bob Lutz (86) voraus.

Legende: Video Bob Lutz: «Selbstfahrende Autos verändern alles». abspielen. Laufzeit 01:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.03.2018.

SRF NEWS: Es gibt noch viele offene sicherheitstechnische und rechtliche Fragen. Ist das selbstfahrende Auto wirklich die Zukunft?

Bob Lutz: Ich bin überzeugt, dass es zu einer massiven Reduktion von Unfällen führt, und besonders der Pendelverkehr wird fast doppelt so schnell.

SRF NEWS: Was ändert für die Autokonzerne?

Bob Lutz: Es ist das Ende der Autoindustrie in der heutigen Form. In Zukunft werden alle Autos gleich sein sein, nicht mehr im Privatbesitz und praktisch markenlos. Es wird einen fliessenden Übergang zu selbstfahrenden Autos geben. Zuerst werden private Fahrzeuge vor allem in Grosstädten verboten, ziemlich gleichzeitig auf der ganzen Welt.

Der Verkehr mit dem normalen Auto, wie wir es heute kennen, wird nur noch in Vororten und auf dem Land möglich sein, aber auch das nur noch eine Zeit lang.

SRF NEWS: Ihre früheren Arbeitgeber werden also bald ausgestorben sein?

Ausgestorben im Sinne, dass sie keine Autos mehr für Privatbesitzer produzieren, mit immer mehr PS und neuem Design. Das ist vorbei.

Aber die gescheiten Firmen werden nach wie vor Fahrzeuge herstellen, obwohl das kein grosses Gewinngeschäft sein wird. Die Wertschöpfung wird darin bestehen, eine grosse Autoflotte zu besitzen und betreiben.

SRF NEWS: Ein VW-Manager sagte mir, Menschen werden immer auf individuelle Automarken setzen und wollen sich nicht mit denselben «Büchsen» durch die Welt kutschieren lassen.

Bob Lutz: Das sagen die Auto-Manager aus PR-Gründen. Und sie meinen, das sei alles ferne Zukunft, deshalb kümmere es sie nicht. Aber sie wissen, dass es vorbei ist mit den Marken.

SRF NEWS: Das zweite Zukunftsthema ist der Elektroantrieb. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin ein grosser Fan. Ich glaube langfristig an die Elektrifizierung und glaube auch, dass es weitere technische und elektrochemische Durchbrüche geben wird. Leistet eine Batterie einmal 600 bis 700 Kilometer Reichweite, und die Ladezeit wird kürzer, dann hat das Benzinauto keine Zukunft mehr. Das dauert aber noch 10 Jahre.

Legende: Video Bob Lutz «Tesla ist 6 bis 12 Monate vom Bankrott entfernt». abspielen. Laufzeit 00:46 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.03.2018.

SRF NEWS: Der US-Konzern Tesla verspricht den Durchbruch dank massentauglichen Elektroautos, er muss seine Ziele aber ständig anpassen. Was sehen Sie für Tesla voraus?

Bei aller Genialität von Elon Musk: Tesla ist, von der Profitabilität her gesehen, ein Desaster. Der Konzern wird demnächst nochmals Kapital aufnehmen müssen, und irgendwann leuchtet es auch dem fanatischsten Investor ein, dass das Unternehmen keine Zukunft hat, und dann kommt der Kollaps. Tesla ist meines Erachtens sechs bis zwölf Monate vom Bankrott entfernt.

Bob Lutz (86) - Ehemaliger Auto-Top-Manager

Bob Lutz in seiner Garage, Auto-Oldtimer
Legende:SRF

Der Schweizer Bob Lutz wanderte mit seiner Familie in die USA aus und ist seit 1949 US-Staatsbürger. Lutz war Top-Manager in allen drei grossen amerikanischen Autokonzernen: GM, Ford und Chrysler. Heute ist er als Berater tätig – und er fliegt. Der frühere Kampfpilot bezeichnet sich, mit seinen 86 Jahren, als ältesten Piloten einer taktischen Militärmaschine der Welt.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Liechti (Walimann)
    Elektroautos wären an und für sich eine gute Sache, aber ich frage mich, wo die ungeheure Strommenge für deren Betrieb herkommen soll. Gerade an solch düsteren Tagen, wie wir sie derzeit erleben, versagt die Fotovoltaik total, derweil die Kernkraftwerke abgestellt und abgebrochen werden. Es darf nicht sein, dass der Verkehr mit Elektrizität aus dreckigen Kohlekraftwerken versorgt werden wird.
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  • Kommentar von Rolf Trösch (Rolf T)
    Mich erstaunt dass Herr Lutz zu negieren scheint, das China beim Elektromobilbau die westlichen Autobauer längst abgehängt hat. Reine Stromautos können aber aufgrund der Akkutechnik/Rohstoffe keine weltumspannende Lösung sein. Erst die Wasserstofftechnik macht effiziente Energiespeicherung möglich und belastet die Umwelt nicht. Die westliche Autoindustrie täte gut daran die Forschung sofort auf Wasserstoff/Brennstoffzellen zu richten.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Der Durchbruch der Elektromobilität wird kaum zu verhindern sein. Obwohl es die falsche Technologie ist (sie ist zu kompliziert und für die Menschheit wie andere hochtechnologisierte Effienz-Ansätze nicht durchzuhalten). Und so werden wir in 50 Jahren erneut an der Klippe stehen.
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    1. Antwort von Kurt E. Müller (KEM)
      @Pip: Nähme mich ja Wunder, was bei der Elektromobilität kompliziert sein soll. Im Gegenteil ist alles extrem einfach. Vier Räder, eine Batterie und ein bewährter Elektromotor, der praktisch ohne Wartung 100 Jahre oder noch mehr laufen könnte. Dazu endlos viel Gratisenergie von Sonne, Wasser und Wind, die man nur noch einsammeln muss.
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