Publigroupe befreit sich von Publicitas

Der Werbekonzern Publigroupe gibt nach verlustreichen Jahren das Geschäft mit den Zeitungsanzeigen auf: Die traditionsreiche Publicitas geht mit 860 Angestellten an die deutsche Beteiligungsgesellschaft Aurelius. Niemand verliere durch die Transaktion den Job, betont Publigroupe-Präsident Rohner.

Werbevermarkterin Publicitas

Bildlegende: Die Werbevermarkterin Publigroupe konzentriert sich auf die digitale Welt. Publicitas wird verkauft. Keystone

Werbevermarkterin Publicitas

Bildlegende: Die Werbevermarkterin Publigroupe konzentriert sich auf die digitale Welt. Publicitas wird verkauft. Keystone

Jahrelang verdiente die Publigroupe mit dem Verkauf von Inseraten für Zeitungen und Zeitschriften gutes Geld. Doch die Goldgräber-Zeiten sind längst vorbei. Statt Gewinne zu machen, musste sich die Publigroupe irgendwie über Wasser halten, unter anderem mit dem Abbau von 140 Vollzeitstellen bei Publicitas im vergangenen August.

Jetzt stösst der Waadtländer Werbekonzern das Inserategeschäft ganz ab und verkauft die Publicitas für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag an die deutsche Aurelius AG. Der Aktienkurs stieg nach der Ankündigung heute Morgen um fast 30 Prozent.

Publigroupe: Alle 860 Angestellten werden übernommen

«Es ist nicht eine Transaktion wie jede andere, sondern mit Abstand die wichtigste Entscheidung in der Geschichte der Publigroupe», sagte Präsident Hans-Peter Rohner gegenüber SRF. Es sei der Aufbruch in ein neues Zeitalter mit der Fokussierung auf digitale Geschäfte: «Deshalb war es besonders wichtig, für alle Mitarbeiter einen neuen Eigentümer gefunden zu haben.»

Laut Rohner werden die Publicitas-Kunden ihre Ansprechpartner überall in der Schweiz behalten. Mit der neuen Strategie werde Publicitas aber verstärkt für alle Medien und nicht mehr nur für die Printmedien tätig sein.

Rohner: Aurelius hat die besseren Chancen

Der Rückgang im Printmarkt werde voraussichtlich weitergehen, prognostiziert Rohner. Und weiter: «Bei der Öffnung in Richtung Multimedia sind wir deshalb zum Schluss gekommen, dass Aurelius die besseren Chancen hat als wir mit unserer print-orientierten Vergangenheit.»

Aurelius-Vorstand Donatus Albrecht und Publigroupe-Präsident Hans-Peter Rohner

Bildlegende: Aurelius-Vorstand Donatus Albrecht und Publigroupe-Präsident Hans-Peter Rohner vor den Medien in Zürich. Keystone

Die neue, verkleinerte Publigroupe will künftig 80 Prozent ihres Umsatzes mit digitalen Produkten und Dienstleistungen erzielen. Man werde «voll digital und stärker international», sagte Rohner. «So gesehen sind wir kleiner, aber profitabler ab Tag eins, wo Publcitas wegfällt.»

In der Schweiz hat die Publigroupe vor allem die Plattform local.ch, die zusammen mit Swisscom profitabel betrieben wird. Im Ausland ist unter anderem es eine gemeinsame Plattform mit dem deutschen Springer-Konzern für Werbung und Vermarktung auf Online und mobilen Geräten.

Was kann Aurelius besser machen?

Der Verkauf der Publicitas sei ein Armutszeugnis für die Publigroupe, stellt SRF-Wirtschaftredaktor Klaus Bonanomi fest. Denn es sei ihr nicht gelungen, für das 124-jährige Traditionsunternehmen mit langer Erfahrung und grosser Marktstellung selber eine Lösung zu finden.


Publicitas geht nach Deutschland

3:34 min, aus Echo der Zeit vom 02.04.2014

Die neue Besitzerin habe wenig Erfahrung im Inserate- und Werbemarkt, sagt Bonanomi. Dafür habe sie Erfahrung bei der Sanierung von Firmen. So habe sie etwa die Bosch-Tochter Blaupunkt übernommen und auf Erfolgskurs gebracht. Aurelius habe auch die finanziellen Reserven und personellen Kapazitäten für langwierige Umbruchphasen.

Ist die Publicitas gerettet?

Fürs Erste ist die Übernahme laut Bonanomi sicher ein Rettungsring für Publicitas. Ob die Rettung gelinge und zu welchen Preis, sei aber offen und werde auch von der Entwicklung der Werbemärkte abhängen. Interessanterweise wolle Aurelius ebenfalls ins digitale Geschäft einsteigen und werde damit zur indirekten Konkurrentin der Publigroupe.

Die Transaktion soll im zweiten Quartal 2014 vollzogen werden. Die Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden müssen dem Verkauf noch zustimmen.