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Wirtschaft Quickmail greift das Monopol der Post an

Seit 2009 ist der Schweizer Briefmarkt teil-liberalisiert. Im gleichen Jahr entstand das private Unternehmen Quickmail, das vor allem Massensendungen zustellt. Geht es nach den St. Gallern, würde nun auch der ganz grosse Kuchen verteilt: leichte Briefe unter 50 Gramm.

Briefträgerin wirft Post ein.
Legende: Nur donnerstags und freitags: Durch das kurze Zeitfenster der Zustellungen hält Quickmail seine Strukturen schlank. SRF

Das St. Galler Unternehmen Quickmail sägt seit sechs Jahren im Briefmarkt am Rest-Monopol der Schweizerischen Post für Briefe unter 50 Gramm. Im Herbst entscheidet der Bundesrat über die komplette Marktöffnung.

Post brauche das Monopol nicht mehr

Es sei höchste Zeit, das Monopol aufzuheben, fordert Quickmail-CEO Bernard Germanier. «Wir möchten auch Zugang haben zu diesem Markt, so wie es eigentlich in allen europäischen Ländern schon seit Langem der Fall ist», sagt Germanier in der Sendung «ECO».

Die Post habe schon vor fünf Jahren gesagt, sie brauche das Monopol nicht mehr. «Absurd» sei die Situation, dass die 2100 Quickmail-Zusteller keine leichten Briefe verteilen dürften. Die Briefe unter 50 Gramm machen 70 Prozent aller Briefvolumen aus.

15 Prozent günstiger

Die St. Galler spezialisieren sich auf adressierte Massensendungen und sind in diesem Gebiet gemäss eigenen Angaben um 15 Prozent günstiger als die Post. Bei Massensendungen macht der Spareffekt schnell Hundertausende von Franken aus.

Während das Briefvolumen der Post insgesamt jährlich um rund zwei Prozent schrumpft, wächst Quickmail zweistellig – 40 Millionen Sendungen waren es 2014. Angesichts der hohen Infrastruktur-Kosten für die Briefverteilung wurde bei der Teilöffnung des Marktes keine starke Privatkonkurrenz erwartet.

Bei Quickmail erübrigen sich Investitionen in teure Sortieranlagen, weil die Kunden die Sendungen vor dem Druck selbst vorsortieren. Schlank sind die Strukturen zudem, weil Quickmail die Briefe nur donnerstags und freitags verteilt.

Quickmail

Das private St. Galler Unternehmen für Marketing-Dienstleistungen, MS Mail Service, hat die Tochter Quickmail 2009 nach der Teilöffnung des Briefmarktes gegründet. Quickmail beliefert inzwischen 2,2 Millionen Schweizer Haushalte. Es deckt 77 Prozent der Haushalte in der Deutschschweiz und 30 Prozent jener in der Westschweiz ab.

Gegen Lohndumping

Seit der Postmarkt-Öffnung stehen die privaten Zusteller von Paketen und Briefen unter Lohndumping-Verdacht. Am Samstag verabschiedete der KEP&Mail-Verband mit den Sozialpartnern den Entwurf für einen Branchen-Gesamtarbeitsvertrag. Er sieht einen Mindestlohn von 42'000 Franken pro Jahr vor. Quickmail bezahlt mindestens 43'943 Fr.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Stephan Schürch, Selzach
    Ich weis nicht wie wer da was rechnet. Bereits heute wird mein Briefkasten von ca. 8 verschiedenen Verträgern angefahren, jeder hat Lohn, jeder braucht ein Fahrzeug (vom Umweltaspekt ganz zu schweigen) und sogar die adressierte Werbung bringt nicht mehr alle die Post. Wenn nur einer alles verteilt ist es doch am einfachsten (kostengünstigsten) und die Post hat ja da Grundsätzlich die logistischen Voraussetzungen. Warum sollen da gewisse Briefe Pakete usw. nicht rentieren? Ich begreif das nicht
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  • Kommentar von M. Steiner, Winterthur
    Die Ersparnis wird mit absoluter Sicherheit wiederum auf dem Buckel der Austräger erzielt. Schaut Euch nur schon die desolate Situation in Deutschland an. Als privater Pöstler verdient man nichts und krüppelt von früh bis spät. Solche Privatieierungen bedeuten Gewinn für wenige und moderne Sklaverei für viele. Ich bin komplett dagegen.
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  • Kommentar von B. Rosenberg, 8493 Saland
    @Wyss: Das dumme ist nur, dass die Post heutzutage trotz Monopol genauso nach neo-liberalistischen Grundsätzen wirtschaftet. Da sehen sie wie verlogen die heutige Bundespolitik als Eigentümerin der Post funktioniert. Meine Erkenntnis daraus: Das Geld stinkt bei allen Menschen gleich, ganz egal welch ein Mäntelchen sie anhaben, ob ein linkes oder rechtes, schwarzes, grünes, gelbes oder rotes.
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