Raiffeisen ist «too big to fail»

305 Filialen und eine Bilanzsumme von über 180 Milliarden Franken: Auch die Gruppe der Raiffeisenbank gilt in der Schweiz als systemrelevant. Sie muss nun besondere Auflagen erfüllen.

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Raiffeisenbank ist nun auch systemrelevant

1:36 min, aus Tagesschau vom 13.8.2014

Ein Zusammenbruch der Raiffeisen Gruppe würde das schweizerische Finanzsystem erheblich schädigen. Zu diesem Schluss kommt die Schweizerische Nationalbank (SNB). Sie hat Raiffeisen deshalb als systemrelevant erklärt.

Die Verfügung zur Systemrelevanz sei nach Anhörung der Raiffeisen Gruppe und der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) am 16. Juni erfolgt, teilte die SNB mit. Damit ist Raiffeisen für Schweizer Verhältnisse definitiv «too big to fail».

Starke Stellung im Einlagen- und Kreditgeschäft

Gemäss Bankengesetz gelten Finanzinstitute als systemrelevant, wenn deren Ausfall die Schweizer Volkswirtschaft und das schweizerische Finanzsystem erheblich schädigen würde.

Mit 305 selbständigen Bankfilialen und einer Bilanzsumme von 183 Milliarden Franken zählt die genossenschaftlich organisierte Gruppe zu den bedeutendsten Anbietern von Bankdienstleistungen in der Schweiz. Zur Gruppe gehört auch die Tochtergesellschaft Notenstein Privatbank.

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Einschätzung von Wirtschaftskorrespondent Christian Kolbe

2:06 min, aus Tagesschau am Mittag vom 13.8.2014

Ausschlaggebend sei die starke Marktstellung von Raiffeisen im inländischen Einlagen- und Kreditgeschäft gewesen, schreibt die SNB. Vor der Raiffeisen Gruppe hatte die SNB auch die UBS, die Credit Suisse (CS) und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) als systemrelevant eingestuft. UBS und CS fungieren zudem auf der Liste jener Banken, die gemäss des Financial Stability Board der G20-Länder global systemrelevant sind.

Besondere Anforderungen

Die Systemrelevanz beinhaltet besondere Anforderungen. Wie genau die zusätzlichen Anforderungen ausgestaltet sind, legt die Finma fest.

Im Bankengesetz ist lediglich festgehalten, dass systemrelevante Banken über mehr Eigenmittel verfügen müssen, um eine höhere Verlusttragbarkeit als nicht systemrelevante Banken zu gewährleisten. Zudem müssen «Too-big-to-fail»-Banken über mehr Liquidität verfügen, ihre Risiken besonders managen und eine Notfallplanung haben, die bei drohender Insolvenz die Weiterführung der systemrelevanten Funktionen gewährleistet. Wie dies bei der Raiffeisen-Gruppe aussehen könnte, ist unklar. Wegen der genossenschaftlichen Organisation der Gruppe könnte dies schwierig werden.

Finma-Ziele bereits erreicht

Der vom Bundesrat auf Ende Juni erhöhte antizyklischen Kapitalpuffer für Hypothekarkredite von zwei Prozent zusätzlichem Eigenkapital erfüllt die Raiffeisen-Gruppe nach eigenen Angaben bereits. Dank der bestehenden Eigenmittel-Überdeckung erfülle die Gruppe die geltenden Finma-Ziele auch nach der Verschärfung der regulatorischen Eigenmittelanforderungen, so Raiffeisen weiter.

Die Gesamtkapitalquote (Total Capital Ratio) der Raiffeisen-Gruppe betrug Ende Juni 15,0 Prozent. Die Finma-Zielvorgaben liegen bei 14,8 Prozent mit antizyklischen Puffer und 13,6 Prozent ohne antizyklischen Puffer.

Weniger Gewinn

Die Bankengruppe hat im ersten Halbjahr weniger Gewinn erzielt. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 363 Millionen Franken. Das sind 1,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie Raiffeisen mitteilte. Der Betriebsertrag konnte gesteigert werden, die verwalteten Vermögen und das Hypothekargeschäft nahmen zu.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Neuerdings systemrelevant: Die Raiffeisen-Gruppe bekommt strengere Regeln.

    Raiffeisen-Gruppe «too big to fail»

    Aus Echo der Zeit vom 13.8.2014

    Die Schweizerische Nationalbank zählt auch die Raiffeisen-Gruppe zu jenen Grossbanken, die im Falle eines Bankrotts vom Staat gerettet werden müssten, weil sie sonst die Schweizer Volkswirtschaft gefährdeten. Imagegewinn oder Bürde? Die Beurteilung von Peter V.

    Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht.

    Klaus Ammann und Ursula Hürzeler