Reform der Sozialversicherungen bedroht Swiss-Life-Gewinne

Immer mehr Unternehmen wollen die Pensionskasse ihrer Belegschaft nicht länger selber verwalten. Deshalb übertragen sie diese Aufgabe an Swiss Life. Für den Versicherungskonzern rechntet sich das – noch.

Swiss-Life-Schriftzug an einer Gebäudeaussenwand, eine kurzhaarige Frau geht daran vorbei.

Bildlegende: Swiss Life macht gute Geschäfte mit Pensionskassen. Wie lange noch? Reuters

Es sind kleine und mittelgrosse Unternehmen, die bei Swiss Life anklopfen, und das scharenweise. Sie wollen ihre Pensionskasse auslagern. Dies vor allem, weil sie das damit verbundene finanzielle Risiko nicht mehr selber tragen wollen.

Swiss Life übernimmt diese Kassen nur zu gern, wie der neue Konzernchef Patrick Frost erklärt: «Das ist sehr wichtig für uns. Wir haben ein Vollsortiment in der Schweiz, das heisst, wir bieten sehr viele unterschiedliche Vorsorgeprodukte an.» Das heisst: Pensionskassen-Lösungen mit unterschiedlichen Garantien und Mitspracherechten.

Porträt von Patrick Frost mit einem kleinen Mikrofon, am linken Ohr befestigt.

Bildlegende: Patrick Frost, seit sieben Wochen Swiss-Life-CEO, bekämpft die vom Bundesrat geplante Reform der Sozialversicherungen. Keystone

Profite dank Bündelung

Für Swiss Life ist dieses Geschäft attraktiv: Der Versicherungskonzern kann das Geld der verschiedenen Pensionskassen bündeln. So können die Verwaltungskosten auf möglichst viele Firmen aufgeteilt werden.

Im ersten Halbjahr florierte das Geschäft mit der beruflichen Vorsorge: Die Prämieneinnahmen nahmen über zehn Prozent auf fast sechs Milliarden Franken zu. Diese Prämien legt der Konzern im Auftrag der Versicherten möglichst gewinnbringend an.

90 Prozent des Gewinns gehen an die Versicherten, die restlichen zehn Prozent darf der Konzern – noch – selber behalten. Denn geht es nach Bundesrat Alain Berset, der die Altersvorsorge reformieren will, sollen Versicherungskonzerne künftig nur noch sieben oder gar nur fünf Prozent des Gewinns behalten dürfen.

Anreize, Risiken einzugehen

Das gefällt Swiss-Life-CEO Frost gar nicht. Ein Eingriff sei unnötig: «Die Kunden beschweren sich überhaupt nicht darüber, wie die Lebensversicherungen jetzt reguliert sind. Und es ist einfach auch nicht einzusehen, wieso der Staat diese Bedingungen ändern sollte.» Doch wie will Frost gegen Bersets Vorhaben ankämpfen?

Bei der Reform der Sozialversicherung, wie Berset sie plant, gäbe es viele Verlierer: Weil alle immer älter werden, müssten alle den Gürtel ein bisschen enger schnallen. Die Altersguthaben würden künftig schlechter verzinst, die Beiträge der Aktiven trotzdem erhöht. Und Frost müsste just in diesem Umfeld rechtfertigen, warum er als Chef eines Lebensversicherers den Gürtel nicht auch enger schnallen soll.

Frost, der aus der Finanzwelt kommt und in Sachen Lobby-Arbeit in Bundesbern noch ein Neuling ist, will sachlich und nüchtern argumentieren. «Dadurch dass wir zehn Prozent behalten können, haben wir einen Anreiz, Risiken einzugehen.» So würden «schöne Anlageerträge erzielt, die dann wieder zu 90 Prozent zu Gunsten unserer Kunden gehen», sagt Frost.

Neuer Chef muss Image pflegen

Was Finanzfachleuten einleuchtet, wird im politischen Prozess wohl aber einen schweren Stand haben. Umso mehr als das Image der Versicherungsbranche seit der letzten Finanzkrise angekratzt ist. Damals musste sie sich «Rentenklau» vorwerfen lassen.

Der 45-jährige Manager wird also nicht nur viel Aufklärungsarbeit leisten müssen, sondern auch verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen müssen – ein schwieriges Unterfangen. Frost, der seit gerade erst sieben Wochen oberster Swiss-Life-Chef ist, nimmt es aber sportlich. Er freue sich auf die Herausforderung, sagt er.