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Rekord dank Online-Handel Günstige China-Päckli boomen

Neue Zahlen zeigen: Chinesische Online-Marktplätze sind immer beliebter. Schweizer Händler fühlen sich benachteiligt.

Legende: Video Päckliflut aus China - Schweizer Onlinehändler beunruhigt abspielen. Laufzeit 5:54 Minuten.
Aus ECO vom 08.01.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • 14 Millionen Kleinpakete aus Asien gelangten 2017 in die Schweiz – eine Rekordmarke.
  • Die chinesische Online-Plattform Aliexpress hat den Umsatz in der Schweiz 2017 auf 280 Millionen Franken verdoppelt.
  • Trotz steigender Tarife und einem neuen Schweizer Mehrwertsteuer-Gesetz: Die Menge an Chinapäckli wird weiter wachsen.

Alle zwei Sekunden gelangt ein Päckli aus Asien in die Schweiz – die meisten davon aus China. Massenweise stapeln sie sich im Postverteilzentrum Zürich-Mülligen. Täglich 45'000 Kleinsendungen kamen 2017 aus Asien an.

Das hat die Post auf Anfrage von «ECO» berechnet. Über das ganze Jahr sind es 14 Millionen Stück – mehr als doppelt soviel wie noch 2015. Neuer Rekord.

Grafik Anzahl Päckli aus Asien 2017: 14 millionen Stück
Legende: 14 Millionen Kleinpakete gelangten 2017 aus Asien in die Schweiz. Der Grossteil davon stammt aus China. SRF

Grund für den Boom: China galt bis Ende 2017 postalisch als Entwicklungsland. Die Tarife steigen nun schrittweise an, wie der Weltpostverband , Link öffnet in einem neuen Fensterentschieden hat. Es bleibt dennoch viel billiger, ein Paket aus China in die Schweiz zu schicken, als innerhalb der Schweiz.

Aliexpress wächst rasant

Immer mehr Schweizer bestellen Waren bei der chinesischen Online-Handelsplattform Aliexpress, einem Tochterunternehmen der Alibaba-Gruppe, dem chinesischen Online-Giganten, mit 490 Milliarden Franken Börsenwert. Im Vergleich dazu: Die weltweite Nummer Eins, Amazon, bringt es auf 590 Milliarden Börsenkapitalisierung.

Jack Ma
Legende: Jack Ma (53), Gründer des chinesischen Giganten Alibaba, nach Amazon die grössten Online-Plattform der Welt. Reuters

Gründer der Alibaba-Gruppe ist Jack Ma – inzwischen einer der reichsten Männer der Welt. Sein geschätztes Vermögen: 40 Milliarden Franken.

Aliexpress ist ein «Markplatz», auf welchem kleinere Händler, meist aus China, ihre Waren anbieten können.

Zu kaufen gibt es fast alles: Elektrozubehör, wie Handykabel aber auch Kleider und Schmuck. Und das oft deutlich günstiger als bei Schweizer Händlern. Aliexpress habe seinen Umsatz in der Schweiz im letzten Jahr auf 280 Millionen Franken verdoppelt, schätzt Thomas Lang, vom E-Commerce-Beratungsunternehmen Carpathia.

«Ungleiche Spiesse»

Die Schweizer Händler stören sich daran, dass Aliexpress mit «viel besseren Konditionen» arbeite, sagt Patrick Kessler. Er ist Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels. Der Boom der Chinapäckli bedeute für den ganzen Handel in der Schweiz eine Bedrohung.

Johannes Cramer, Geschäftsleitung Digitec Galaxuxs
Legende: Johannes Cramer, COO von Digitec Galaxus kritisiert Wettbewerbsvorteile für China-Onlinehändler SRF

Die Schweizer Nummer Eins im Onlinehandel, Digitec Galaxus, kritisiert, chinesische Online-Plattformen hätten im Wettbewerb die längeren Spiesse. Und meint damit die tieferen Paketpreise und die fehlende Mehrwertsteuer.

Falschdeklarationen als Ärgernis

Zudem werden fast alle Pakete aus China falsch deklariert, bestätigt Stefan Luginbühl, Leiter Paketpost bei der Post. Das heisst: Viele Absender geben auf den Paketen einen zu tiefen Warenwert an. Die Postzöllner führen aufwändige Stichproben durch und belangen die Empfänger mit Nachzahlungen, wenn der Warenwert nachweislich höher als 62 Franken ist.

Dem Staat entgehen durch Falschdeklarationen jährlich 20 Millionen Franken an Mehrwertsteuer-Einnahmen, verursacht durch den ausländischen Versandhandel, so die Zollbehörden.

Das soll sich ändern, verlangt die grünliberale Zürcher Nationalrätin Tiana Angelina Moser in einem kürzlich eingereichten Postulat, Link öffnet in einem neuen Fenster. Der Bundesrat solle Massnahmen aufzeigen, wie die Falschdeklaration durch internationale Versandhändler bekämpft werden könne.

Mehr Steuern für die Chinesen

Das neue Mehrwertsteuer-Gesetz soll die Situation klären. Ab dem 1.1.2019 sollen chinesische Versandhändler mit einen Umsatz ab 100'000 Franken generell steuerpflichtig werden. Die Steuerverwaltung hat einen Entwurf , Link öffnet in einem neuen Fensterzur Umsetzung des Gesetzes erarbeitet.

Alibaba Grafik
Legende: 10 Millionen Händler bieten weltweit Waren über Alibaba-Onlineplattformen an. SRF

Noch unklar ist, wie die Steuer eingezogen wird. Verantwortlich dafür ist die Post – im Auftrag der Oberzolldirektion und der Steuerbehörden. «Wir müssen die Sendungen mit dem Absender in Verbindung bringen und beim Kunden in Rechnung stellen können», so Stefan Luginbühl von der Post. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Händler in der Schweiz registrieren.

Aliexpress gibt Verantwortung weiter

Welche Rolle dabei Aliexpress – als Marktplatz – spielt, scheint noch offen. Auf Anfrage von «ECO» lässt der chinesische Konzern in einem schriftlichen Statement verlauten, man respektiere Regeln und Vorschriften – auch solche, die noch ausstehend sind.

Doch Händler, die bei Aliexpress Waren anbieten, seien selber veranwortlich, mit ihren Käufern die geltenden Vorschriften einzuhalten, zum Beispiel Verkaufs-, Steuer- oder Zolldeklarationregeln.

Doch auch neue Regeln für «China-Päckli» ändern nichts daran, dass chinesische Anbieter weltweit wohl noch weiter wachsen werden.

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60 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Hug (Hugi)
    Letztes Jahr musste ich das Lederarmband meiner Uhr wechseln. Das Original-Ersatzband wurde mir in der Bijouterie/Fachhändler für CHF 463.--!!!!!! angeboten. Ich habe darauf hin gefragt, ob man mir nicht ein anderes nicht originales Band montieren könne, worauf man erwiderte, dass diese Uhr einen speziellen Bandanstoss habe und deshalb nur das Original-Band des Herstellers verwendet werden könne. Im Internet bei Aliexpress wurde ich fündig: 3 Echt-Lederbänder mit passendem Anstoss für $40.
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    1. Antwort von Olivier Wyss (owy)
      Das eine wie das andere ist extrem daneben. Der eine bereichert sich über einen Wucherpreis der andere über fragwürdige Massenherstellung. Die gesunde, nachhaltige Art der Herstellung und des Verkaufs ist hüben wie drüben völlig daneben.
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  • Kommentar von Stefan Huwiler (huwist)
    Ich finde das Hauptproblem sind die inzwischen völlig unverständlichen Preise. Hier in der Schweiz kostet ein Produkt im Laden 45.-, exakt gleicher Artikel online aus China 3.-. Ich verstehe nicht wie der Chinese das für 3.- anbieten kann. Ohne Ausbeutung der lokalen Arbeitnehmer und Umwelt kann das gar nicht gehen. Und warum hält der schweizer Anbieter 1500% Marge für korrekt? Denn er kauft es für max. 3.- ein, die Arbeitnehmer und Umwelt wird genau gleich ausgebeutet. Wirklich schwierig
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Es fängt noch früher an: der CH- oder EU-Unternehmen lagerte die Produktion extra wegen diesen tiefen Produktionskosten nach China aus. Bezeichnend ist die Textilindustrie. Auch grosse Label wie der berühmte US-Sportschuhhersteller oder das franz. Modehaus lassen in CN produzieren. Dass man ihre Zwischenhändler aus dem Spiel lässt, geschweige denn gleiche Modelle aus gleichem Material ohne Labelbezeichnung kauft (keine Fälschung!) liegt ihnen schwer am Magen. Wie ignorant ist das denn?
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Zu mir kommt kein billiges Chinapäckli ins Haus. Wieso sind gewisse hiesige Konsumenten so unvernünftig und kaufen Chinaware aus dem fernen Osten, ohne zu überlegen, wie umweltbelastend die weiten Transportwege per Kerosinschleudern sind?
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    1. Antwort von Hans Meier (H-M)
      Ihr PC, smartphone, tv, usw. Sind ja alle made in switzerland!!
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